Hüftarthrose: Mit Akupunktur gegen die Schmerzen

Akupunktur bei Hüftschmerzen
Bei einer Hüftarthrose, kann das sogenannte Qi durch Stimulation von Akupunkturpunkten aktiviert werden: Kann das Qi wieder fließen, lassen die Schmerzen nach © Fotolia

Gelenkverschleiß macht den Alltag beschwerlich. Doch Patienten können aufatmen: Akupunkteure vertreiben Schmerzen durch Hüftarthrose auf die sanfte Art.

Jahrelang litt Karin G. (48) unter furchtbaren Schmerzen in der Hüfte, ihr Arzt diagnostizierte eine Arthrose. „Da können wir nur noch operativ etwas machen", ließ er sie wissen, aber die Schaufensterdekorateurin wollte sich nicht operieren lassen. Jedenfalls noch nicht. Sie forschte nach und fand schließlich einen Orthopäden, der auch mit Akupunktur gegen Hüftarthrose arbeitete. Sie ließ sich von ihm behandeln. Das Ergebnis: Ein halbes Jahr später war sie wieder vollkommen schmerzfrei!

Für den Laien ist das schwer vorstellbar: Da setzt der Arzt vorsichtig sehr feine Nadeln an – so scheint es – beliebige Stellen in der Haut, und nach ein paar Behandlungen lassen die Schmerzen in der Hüfte nach.

Hüftarthrose
Gezielte Akupunktur kann gegen Beschwerden durch eine Hüftarthrose helfen© Fotolia
 

Hüftarthrose: Die Schmerzen gezielt lindern

Doch was nach einer Wunderheilung klingt, lässt sich wissenschaftlich erklären. „Es gibt deutliche Hinweise, dass sowohl dort, wo die Nadeln eingestochen werden, als auch im Gehirn Mechanismen aktiviert werden, die zu einer Reduktion der Schmerzen führen", sagt Frau Dr. med. Claudia Witt, Professorin für alternative Heilverfahren und Wissenschaftlerin an der Charité Berlin. Die Expertin weiß, wovon sie spricht, denn sie führte mit ihren Kollegen Untersuchungen durch, welche die Wirksamkeit der Akupunktur bei Hüftarthrose belegen: „In einer Studie untersuchten wir 1500 Patienten mit Hüftgelenksarthrose. Nach drei Monaten zeigte sich, dass die Patienten, die zur schulmedizinischen Routineversorgung auch Akupunktur bekamen, weniger Arthrosesymptome hatten als die, bei denen diese alternative Behandlungsmethode nicht angewandt worden war."

Für die Ärztin liegt es deshalb auf der Hand, dass die kombinierte Anwendung beider Methoden bei der Behandlung von Hüftarthrose den größten Erfolg verspricht. Prof. Dr. Claudia Witt: „Ich befürworte eine sinnvolle Kombination von Schulmedizin und Akupunktur. Denn es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, dass sich durch eine zusätzliche Akupunkturbehandlung Medikamente reduzieren lassen."

 

Durch Akupunktur die Energie wieder fließen lassen

Doch wie funktioniert die Akupunktur eigentlich? In der Chinesischen Medizin gelten Schmerzen als Zeichen für eine Energieblockade im Körper. Wird diese Lebensenergie Qi 2 durch Stimulation von Akupunkturpunkten aktiviert, kann Qi wieder fließen, und die Schmerzen lassen nach. Die Leitbahnen dieser Lebensenergie, Meridiane genannt, durchziehen auch die Hände und die Füße. Deshalb setzt der Arzt bei der Behandlung einer Hüftarthrose nicht nur am Ort des Schmerzgeschehens seine feinen, langen Nadeln, sondern auch an jenen Fernpunkten, den Händen und Füßen – wo sie ungefähr 20 bis 40 Minuten verbleiben.

Durchschnittlich zehn Behandlungen sind nötig, um die Schmerzen nachhaltig zu reduzieren, egal, ob der Patient unter akuten oder langjährigen Beschwerden durch Hüftarthrose leidet, so Prof. Witts Erfahrung: „Alle Patienten, die an unserer Studie teilnahmen, litten seit mindestens sechs Monate unter Hüftschmerzen. Die Dauer der Erkrankung hatte dabei jedoch keinen Einfluss auf den Therapieerfolg."

Hüftarthrose
Bereits entstandener Gelenkverschleiß lässt sich nicht rückgängig machen. Die Beschwerden lassen sich jedoch mindern© Fotolia
 

Der vorhandene Gelenkverschleß bleibt

Dennoch gilt: Vorbeugen ist besser als therapieren. Denn ein Gelenkverschleiß entsteht nicht von heute auf morgen, sondern ist ein schleichender Prozess. Schuld ist ein Ungleichgewicht zwischen der Belastungsfähigkeit des Gelenkes und der tatsächlichen Belastung. Dadurch kommt es zu einer Abnutzung der Knorpelschicht, etwa durch Fehlbelastungen oder Überbeanspruchung oder mangelnde Bewegung. Auch Übergewicht fördert die Entstehung einer Arthrose – Dinge, die man durchaus ändern könnte. Fest steht aber auch, dass das Risiko mit dem Alter zunimmt, und dass Unfälle mit Bänderverletzungen der Gelenke oder Knochenbrüche im Beinbereich die Gefahr, eine Hüftarthrose zu entwickeln, stark erhöhen.

Betroffene sollten deshalb nicht zu hohe Erwartungen an die Akupunktur haben. Denn sie kann den vorhandenen Verschleiß weder rückgängig machen noch helfen, neue Knochenmasse aufzubauen. Wohl aber dürfen Patienten durch diese Behandlungsform mit einer deutlichen Schmerzlinderung rechnen.

 

Akupunktur – keine Kassenleistung

Obwohl das so ist und die Wirksamkeit der Akupunktur zu großen Teilen wissenschaftlich anerkannt ist, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nur die Kosten für eine Akupunkturbehandlung bei chronischen Rückenschmerzen und Kniegelenksarthrose, nicht jedoch bei Hüftarthrose (30 bis 70 Euro pro Sitzung). Noch nicht! Im Einzelfall lohnt es sich aber, direkt bei der Krankenkasse nachzufragen.

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