Hüft-OP: Wann macht ein künstliches Hüftgelenk Sinn?

Verena Elson Medizinredakteurin

Rund 200.000 künstliche Hüftgelenke werden in Deutschland jährlich eingesetzt – der Anlass dafür ist in den meisten Fällen eine Hüftarthrose. Wann ist die Hüft-OP sinnvoll und was ist vor und nach dem Eingriff zu beachten?

Ein Mann im mittleren Alter läuft auf Krücken in seinem Wohnzimmer
Wenn andere Therapiemaßnahmen bei Hüftarthrose nicht helfen, kann eine Hüft-OP das letzte Mittel sein Foto:  iStock/AndreyPopov
Inhalt
  1. Hüftarthrose: letztes Mittel OP
  2. Neue Hüfte: mit Zement oder ohne?
  3. Hüftprothese: Welche Materialien gibt es?
  4. Reha nach Hüft-OP
  5. Wie lange hält das künstliche Hüftgelenk?
 

Hüftarthrose: letztes Mittel OP

In den meisten Fällen wird die Hüft-OP als letztes Mittel bei einer Hüftarthrose eingesetzt. Der Begriff Hüftarthrose bezeichnet den Verschleiß des Gelenkknorpels. Normalerweise wirkt dieser wie ein Puffer zwischen Oberschenkelkopf und Hüftpfanne – doch im Laufe der Jahre nutzt sich der Knorpel immer weiter ab. Im schlimmsten Fall reibt Knochen auf Knochen, was extrem schmerzhaft sein kann.

Typische Symptome einer Hüftarthrose im Anfangsstadium sind Hüftschmerzen beim Loslaufen, die sich nach einigen Schritten bessern, später kommen auch Ruheschmerzen dazu. Betroffene sind in ihrem Alltag häufig erheblich eingeschränkt – sie haben Schwierigkeiten beim Treppensteigen, Aufheben von Gegenständen und beim Anziehen. 

Wenn andere Therapiemaßnahmen gegen die Hüftarthrose keine Wirkung zeigen, kann eine Hüft-OP eine Möglichkeit sein, um die Lebensqualität des Patienten wieder zu steigern. Mit der Hüftprothese können sich Betroffene in der Regel wieder deutlich besser bewegen und mehr unternehmen. 

Weitere Motive für eine Hüft-OP sind etwa eine Hüftkopfnekrose (Durchblutungsstörung des Hüftkopfes) oder Verletzungen wie ein Oberschenkelhalsbruch. Die Hüft-OP dauert maximal 90 Minuten und im Anschluss folgt in der Regel eine Reha.

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Neue Hüfte: mit Zement oder ohne?

Zunächst stellt sich vor der Hüft-OP die Frage, ob die Prothese „zementiert“ werden soll oder nicht. Als „Zement“ oder „Knochenzement“ wird in diesem Zusammenhang ein Kunststoffkleber bezeichnet, der dünn zwischen Knochen und Prothese aufgetragen wird und für eine bessere Haftung sorgt. Wird die Prothese zementfrei eingebracht, wächst der Knochen in die raue Oberfläche der Prothese hinein und verleiht der neuen Hüfte so Stabilität.

Wenn möglich verwenden Ärzte in der Regel eine einwachsende Hüftprothese ohne Zement. Denn wird das Hüftgelenk im Laufe des Lebens noch einmal ausgetauscht, muss im Fall einer Zementierung der gesamte Zement entfernt werden, wobei auch der Knochen zu Schaden kommen kann.

Nur bei etwa fünf Prozent der operierten Patienten ist eine Zementierung notwendig. Der Grund dafür ist in der Regel eine schlechte Knochenqualität, beispielsweise bei Menschen mit Osteoporose oder Patienten im hohen Alter.

 

Hüftprothese: Welche Materialien gibt es?

Eine Hüftprothese besteht aus Gelenkpfanne und -kopf. Diese beiden Teile können aus unterschiedlichen Materialien hergestellt sein – die gängigen Materialien sind Metall, Kunststoff und Keramik. Die Kombination aus den Materialien, die in der Hüftprothese aufeinanderreiben, wird als Gleitpaarung bezeichnet. So gibt es beispielsweise die Gleitpaarung aus Kunststoff (Gelenkpfanne) und Keramik (Gelenkkopf), die seit Jahrzehnten eingesetzt wird. Vor allem für junge, aktive Patienten kann allerdings eine Keramik-Keramik-Gleitpaarung sinnvoller sein, weil es bei dieser zu deutlich weniger Abrieb kommt als bei der Kombination aus Kunststoff und Keramik. Nachteile der Keramik-Keramik-Gleitpaarung sind eine mögliche Geräuschentwicklung (Knarren oder Quietschen) und ein minimales Bruchrisiko.

Welche Materialkombination am sinnvollsten ist, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Entscheidend sind sowohl Alter und Knochenqualität als auch die Lebensgewohnheiten des Patienten und seine Erwartungen an die Prothese.

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Reha nach Hüft-OP

Möglichst bald nach der Operation wird mit der Rehabilitationsbehandlung (Reha) gestartet. Diese verfolgt das Ziel, die Beweglichkeit des Gelenks zu verbessern und die Muskulatur zu stärken – zudem soll der Patient sich an den Umgang mit dem neuen Gelenk gewöhnen. Zur Reha nach der Hüft-OP gehört neben einer Physiotherapie und anderen Bewegungstherapien eine medikamentöse Behandlung zur Schmerzlinderung. Durch geschultes Personal lernt der Patient, wie er die Prothese richtig belastet.

Die Reha kann ambulant oder stationär in einer Rehabilitationsklinik durchgeführt werden. Bereits im Krankenhaus kann der Patient den Reha-Antrag mit Unterstützung des Sozialdienstes stellen. Die Reha dauert in der Regel rund drei Wochen.

Nach etwa zehn Tagen ist die Operationswunde in der Regel verheilt. Nach rund sechs Wochen können die meisten Patienten ohne Gehhilfen laufen. Einige Tipps für das Verhalten nach der Hüft-OP helfen, die Heilung zu beschleunigen.

 

Wie lange hält das künstliche Hüftgelenk?

Generell haben künstliche Hüftgelenke eine sehr hohe Haltbarkeit. Mit jedem Jahr nach der Operation steigt jedoch das Risiko, dass das Hüftgelenk ausgetauscht werden muss – etwa aufgrund von Komplikationen wie Infektionen an der Prothese oder aufgrund von Materialverschleiß durch Abrieb. Laut Statistik haben von 100 operierten Patienten 20 Jahre nach dem Eingriff noch 80 bis 85 ein funktionierendes künstliches Hüftgelenk.

Quellen:

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