Hornissenstiche richtig behandeln

Carolin Banser Medizinredakteurin

Im Gegensatz zum Volksglauben sind Hornissenstiche nicht tödlich, aber sehr schmerzhaft, weil sie in tiefere Hautschichten eindringen. Erfahren Sie hier, wie Sie nach einem Hornissen-Angriff richtig reagieren.

Gewürznelkenöl gegen Hornissenstich
Gewürznelkenöl hat sich zur Behandlung von Hornissenstichen bewährt Foto:  istock/tycoon751
Inhalt
  1. Welche Symptome zeigen sich bei einem Hornissenstich?
  2. Wie schmerzhaft ist ein Hornissenstich?
  3. Hornissenstich – was tun?
  4. Ist ein Hornissenstich gefährlich?
  5. Wann werden Hornissenstiche tödlich?
  6. Hausmittel beim Hornissenstich
 

Welche Symptome zeigen sich bei einem Hornissenstich?

Ein Hornissenstich zeigt folgende Symptome:

  • Schmerzen
  • Juckreiz
  • Schwellung Rötung mit etwa zehn Zentimeter Radius um den Stich

Das heißt, rein äußerlich lässt sich ein Hornissenstich kaum von anderen Stichen (z.B. einem Wespenstich) unterscheiden.

Bei Allergikern können Symptome wie Atemnot, Kreislaufschwäche oder Bewusstlosigkeit hinzukommen.

 

Wie schmerzhaft ist ein Hornissenstich?

Ein Hornissenstich ist intensiver als der einer Biene, da Hornissengift mehr Schmerzstoffe enthält. Der dickere und längere Stachel kann außerdem in empfindlichere Hautschichten eindringen, was den Stich sehr schmerzhaft macht.

Hornisse sticht zu
Riskant wird ein Hornissenstich, wenn eine Allergie gegen das Gift der Insekten vorliegt oder durch einen Stich in den Rachenraum die Atemwege zuschwellen Foto: iStock/cunfek
 

Hornissenstich – was tun?

Um einen Hornissenstich richtig zu behandeln, ist es entscheidend, an welcher Stelle des Körpers er aufgetreten ist. 

Stich im Mund

Ein Hornissenstich im Mund- oder Rachenraum ist immer ein Fall für den Notarzt, da er Halsbereich zu Atemnot und gar Erstickung führen kann. Bis zum Eintreffen des Arztes kann das Lutschen eines Eiswürfels den Schmerz etwas betäuben.

Stich an anderen Stellen am Körper

Ein Hornissenstich an anderen Stellen des Körpers können Sie gefahrlos selbst behandeln. Hier finden Sie die Schritt für Schritt Anleitung:

1. Stachel entfernen

Hinterlässt die Hornisse einen Stich auf der Haut, sollten Sie sichergehen, dass der Stachel nicht mehr in der Wunde steckt. Falls doch, muss er sofort vorsichtig entfernt werden. Anderenfalls kann sich der Hornissenstich entzünden oder sogar eine Blutvergiftung verursachen. Für die Entfernung des Stachels eignen sich harte, flache Gegenstände, wie z.B. eine Kreditkarte oder ein Lineal, mit denen Sie den Stachel zunächst seitlich wegziehen können. Auch mit dem Fingernagel können Sie den Stachel von innen nach außen streifen. Achten Sie beim Herausziehen des Stachels darauf, ihn nicht zusammenzudrücken, da sich sonst das Gift in der Wunde weiter verteilen kann. Aus diesem Grund raten Ärzte von einer Pinzette ab.

2. Säubern 

Desinfizieren Sie die Einstichstelle am besten mit einem Desinfektionsspray für Hautanwendungen. Auch kaltes (nicht eiskaltes), klares Wasser eignet sich, um die Wunder sauber zu spülen. Lassen Sie dazu fünf Minuten lang Leitungswasser über die Einstichstelle laufen. Das verringert die Schwellung und hilft gut gegen die Schmerzen. Reiner Alkohol (96 Prozent) kann ein Brennen auf der Haut verursachen, aber ebenfalls zur Desinfektion angewendet werden. Träufeln Sie ein paar Tropfen auf die Einstichstelle. Der Alkohol zerstört die im Insektengift enthaltenen Eiweißmoleküle und lindert so Schwellungen und Rötungen.

3. Kühlen

Kühlen Sie anschließend die Wunde. Kälte bewirkt, dass sich die Blut-und Lymphgefäße zusammenziehen. Das verhindert, dass der Stich anschwillt. Dafür eignen sich Eiswürfel, Eis-Akkus oder im Notfall ein in kaltes Wasser getauchter Waschlappen. Wichtig: Wickeln Sie die Eiswürfel oder Akkus in ein Tuch ein, um Erfrierungen zu vermeiden und legen Sie dieses anschließend für mindestens zehn Minuten auf die Einstichstelle. Auch kühlende Gels oder Stifte aus der Apotheke verschaffen Linderung.

 

Ist ein Hornissenstich gefährlich?

Entgegen aller Vorurteile ist die Hornisse kein gefährliches Insekt. Ganz im Gegenteil: Sie ist sehr friedfertig und nicht giftiger als Wespen oder Bienen.

Hornissen stechen nur, wenn sie extrem in die Enge getrieben werden, etwa wenn ihr Nest zerstört wird. Nur etwa ein Zehntel aller Hornissen eines Nests stechen überhaupt.

Ansonsten werden sie den Menschen selten lästig. An Süßem sind Hornissen nur wenig interessiert: Sie ernähren ihre Brut mit Insekten wie z. B. Fliegen, Wespen, Heuschrecken, Raupen oder Käfern.

Hornisse
Da Hornissen sehr friedliebende und scheue Tiere sind, kommt es sehr selten zu einem Hornissenstich Foto: istock/Gregory_DUBUS
 

Wann werden Hornissenstiche tödlich?

Tatsächlich wären 500 bis 1.000 Hornissenstiche nötig, bevor Lebensgefahr besteht. Aber: Haben Sie eine Allergie gegen das Insektengift, kann bereits ein Stich Atembeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen oder Herz-Kreislauf-Probleme auslösen. Bei diesen allergischen Reaktionen muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

 

Hausmittel beim Hornissenstich

Essig

Kalte Umschläge mit Essigwasser (Verhältnis ein Teil Essig auf zwei Teile Wasser) wirken bei einem Hornissenstich entzündungshemmend und lindern den Juckreiz. Umwickeln Sie die betroffene Stelle mit der Essig-Bandage und wechseln Sie diese jede Stunde. Alternativ können Sie auch einen Wattebausch oder ein Papiertuch in Essig tauchen und die Einstichstelle damit einreiben.

Quark gegen Hornissenstiche
Quarkwickel können den Juckreiz nach einem Hornissenstich lindern Foto: istock/Melissandra

Quarkwickel

Quarkwickel wirken abschwellend, entzündungshemmend, kühlend und schmerzlindernd. Tragen Sie dazu Quark (z.B. Magerquark, da er nicht so leicht fließt wie Quark höherer Fettstufen) etwa einen halben Zentimeter dick auf ein Tuch (Baumwolle oder Leinen, z.B. Geschirrtuch, um einen Wärmestau zu vermeiden) auf. Schlagen Sie nun das Tuch ein, so dass sich der Quark im Inneren befindet. Die Quarkkompresse kann nun für etwa 15 Minuten auf die Einstichstelle gelegt werden. Achten Sie darauf, dass der Quark nicht direkt aus dem Kühlschrank kommt, sondern  Zimmertemperatur hat. Wiederholen Sie den Vorgang mehrmals am Tag.

Zwiebel

Sehr wirksam ist auch dieses alte Hausmittel: Schneiden Sie eine Zwiebel auf und drücken Sie sie diese für fünf Minuten mit der Schnittfläche auf den Hornissenstich. Alternativ können Sie auch ein bisschen Zwiebelsaft auf die Einstichstelle geben. Halbieren Sie dafür eine Zwiebel, schneiden Sie die Schnittstelle gitterförmig ein und drücken Sie den Saft heraus.

Zitrone

Eine Zitrone desinfiziert und beruhigt die Haut. Schneiden Sie eine Scheibe von einer Zitrone ab und legen Sie diese auf den Hornissenstich für etwa fünf Minuten.

Zitrone gegen Hornissenstich
Zitrone desinfiziert und beruhigt die Haut nach einem Insektenstich Foto: istock/wmaster890

Spitzwegerich

Nutzen Sie die Heilkräfte des Spitzwegerichs. Zerreiben Sie dafür einfach ein Blatt zwischen den Fingern und drücken Sie es für einige Minuten auf die Einstichstelle.

Gewürznelkenöl

Gewürznelkenöl hat eine abschwellende, juckreizlindernde und betäubende Wirkung und eignet sich bei einem Hornissenstich als Akuthilfe. Das Nelkenöl wird pur auf die betroffene Hautstelle aufgeträufelt und leicht einmassiert. Wiederholen Sie diese Prozedur mehrfach am Tag.

4. Hilfe aus der Apotheke

Für alle Stiche gilt: Antihistaminikum-Gels lindern Juckreiz, Schwellungen und Rötungen. Hat sich ein Stich entzündet, hilft Arnika-Salbe (ca. 6 Euro, Apotheke).

5. Homöopathie

Wer homöopathische Mittel nutzen möchte, sollte bei einem Hornissenstich zu "Apis D6" greifen. Die Globuli möglichst gleich nach dem Stich auf der Zunge zergehen lassen, anfangs alle 15 Minuten eine Gabe (= 5 Kügelchen). Wenn Schmerzen und Schwellung zurückgehen, können Sie die Abstände vergrößern.

 
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