Hormonstäbchen plötzlich in der Lunge

Verena Elson Medizinredakteurin

Das Verhütungsimplantat einer Portugiesin ging in ihrem Körper „auf Wanderschaft“ und landete schließlich in ihrer Lunge.

Einer Frau wird ein Hormonstäbchen eingesetzt
Hormonstäbchen gehören zu den sichersten Verhütungsmethoden – in seltenen Fällen können sie im Körper wandern Foto:  gettyimages/RAUL ARBOLEDA

Ungewöhnlich lange anhaltende Blutungen waren das einzige Anzeichen dafür, dass etwas mit dem Verhütungsimplantat der 31-Jährigen nicht stimmte. Nach drei Monaten kontinuierlicher Blutungen suchte sie ihren Frauenarzt auf. Dieser überwies sie an die Gynäkologieabteilung eines Krankenhauses, um das Hormonstäbchen entfernen zu lassen.

Dort wurden die Ärzte stutzig: Im Oberarm der Portugiesin – wo das Hormonstäbchen zwei Jahre zuvor eingesetzt worden war – war kein Implantat zu finden. Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen brachten schließlich Klarheit über den Verbleib des Stäbchens: Es steckte im linken Lungenflügel.

In einem operativen Eingriff entfernten die Ärzte das Hormonstäbchen aus der Lunge der Patientin. Die Operation verlief ohne Komplikationen und nach vier Tagen konnte die Frau das Krankenhaus wieder verlassen. In einem Fallbericht schilderten ihre Ärzte die Wanderschaft des Hormonstäbchens.

Die Verhütung ist meist Frauensache – Forscher auf der ganzen Welt arbeiten daran, das zu ändern
Service Verhütungsmittel für Männer: der Stand der Forschung

 

Hormonstäbchen kann im Körper wandern

In der Vergangenheit kam es bereits mehrmals zu einer solchen „Implantatmigration“ – diese Fälle sind aber extrem selten. 2017 war ebenfalls ein Hormonstäbchen in die Lunge einer Anwenderin gewandert. Die Ärzte der 37-jährigen Patientin berichteten in dem Fachblatt Obstetrics & gynecology science über den Fall. 2006 war laut Bericht der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft ein Verhütungsimplantat im Körper der Trägerin „verschwunden“: Weder in Ultraschall- und MRT-Untersuchungen noch während operativer Eingriffe konnten die Ärzte es ausfindig machen. Seither müssen die Verhütungsimplantate geringe Mengen Kontrastmittel enthalten, damit sie bei Röntgenuntersuchungen gefunden werden.

Laut dem aktuellen Fallbericht steigt das Risiko einer Implantatmigration, wenn das Hormonstäbchen zu tief eingesetzt wurde. Dann kann es passieren, dass es in ein Blutgefäß gelangt und über den Blutkreislauf im Körper wandert. Anwenderinnen von Hormonstäbchen raten die Autoren, einen Arzt aufzusuchen, wenn sich das Implantat nicht mehr am Arm ertasten lässt.

Die monatelangen Blutungen der Portugiesin rührten vermutlich von einer Zyklusstörung, nachdem das Verhütungsimplantat nicht mehr an seinem Platz war.

Was ist ein Hormonstäbchen?

Ein Hormonstäbchen ist ein etwa streichholzgroßes Kunststoffstäbchen, das an der Innenseite des Oberarms unter die Haut implantiert wird und kontinuierlich geringe Mengen des Hormons Etonolgestrel abgeben. Dieses hemmt den Eisprung und verändert den Schleim des Gebärmutterhalses derart, dass es den Spermien erschwert wird, die Gebärmutter zu erreichen. Zusätzlich verhindert Etonolgestrel den regulären Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, mit der Folge, dass sich dort keine befruchtete Eizelle einnisten kann. Nach drei Jahren muss das Hormonstäbchen ausgetauscht werden. Das Verhütungsimplantat gehört zu den sichersten Verhütungsmethoden.

Quellen:
Carlos-Alves, M. et al. (2019): Lung migration of contraceptive Implanon NXT, in: BMJ Case Reports.

Choi, Ji Hui, et al. (2017): Migration of a contraceptive subdermal device into the lung, in: Obstetrics & gynecology science.

Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (2006): Misslungene Explantation des implantierbaren Kontrazeptivums Implanon® (Aus der UAW-Datenbank).
https://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/Bekanntgaben/Archiv/2006/765-20060623.html (Abrufdatum: 29.07.2019)

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2020 praxisvita.de. All rights reserved.