Hormonspirale – harmlos oder nicht?

Michelle Kröger

Die Hormonspirale hat viele Vorteile. Ist sie erst einmal in die Gebärmutter eingesetzt, kann sie dort bis zu fünf Jahre verbleiben. Doch die Hormonspirale verursacht in einigen Fällen auch Probleme. Handelt es sich bei der Hormonspirale um eine harmlose Verhütungsmethode oder nicht? Für wen ist sie zu empfehlen?

Ein Paar liegt im Bett und turtelt
Die Hormonspirale ist ein sicheres Verhütungsmittel, hat aber auch einige Nachteile Foto:  iStock/AleksandarNakic
Inhalt
  1. Was ist eine Hormonspirale und wie wirkt sie?
  2. Vorteile der Hormonspirale
  3. Nachteile der Hormonspirale
  4. Nebenwirkungen der Hormonspirale
  5. Wann Sie auf die Hormonspirale verzichten sollten
 

Was ist eine Hormonspirale und wie wirkt sie?

Bei der Hormonspirale handelt es sich um einen t-förmigen Kunststoffstab, der einen Zylinder trägt. Dieser Zylinder enthält das Hormon Levenorgestrel (ein künstliches Gestagen), welches dem körpereigenen Gelbkörperhormon ähnelt und den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut verhindert. Außerdem bildet sich durch den Einfluss dieses Hormons ein dickflüssiger Schleimpfropf im Gebärmutterhals, der Spermien daran hindert, in die Gebärmutter vorzudringen. Im unteren Teil der Hormonspirale sind zwei dünne Rückholfäden zum Entfernen des Verhütungsmittels angebracht.

Sollten Spermien in einzelnen Fällen doch hindurchgelangen und eine Eizelle befruchten, so kann diese sich nicht einnisten. Hinweis: Durch das Gestagen wird nicht der Eisprung verhindert. Jedoch verändert sich die Hormonproduktion in den Eierstöcken.

Die Hormonspirale zählt zu den sogenannten Langzeitkontrazeptiva und kann bis zu fünf Jahre lang in der Gebärmutter verbleiben.

Dieses Verhütungsmittel wird erst nach einem ausführlichen Beratungsgespräch in die Gebärmutter eingesetzt, und zwar ausschließlich von einem Frauenarzt. Es gibt unterschiedliche Hormonspiralen mit unterschiedlichen Hormonkonzentrationen und in unterschiedlichen Größen. Der Gynäkologe entscheidet, welche am besten zum Körper der jeweiligen Frau passt. 

 

Vorteile der Hormonspirale

Viele Frauen empfinden die Hormonspirale als äußert praktisch. Generell ist diese Form der Verhütung besonders für Frauen geeignet, die langfristig verhüten möchten. Das sind die Vorteile der Hormonspirale: 

  • Die Hormonspirale gehört zu den zuverlässigsten Verhütungsmitteln. Mit 0,16 hat sie einen sehr niedrigen sogenannten Pearl-Index. Dieser sagt aus, wie sicher ein Verhütungsmittel ist. Dabei gilt: Je niedriger der Pearl-Index, desto sicherer das Verhütungsmittel. Zum Vergleich: Die Anti-Baby-Pille hat einen Pearl-Index von 0,1-0,9, Kondome von 2-12.
  • Keine Einnahmefehler (wie bspw. bei der Pille) möglich. 
  • Es werden ausschließlich Gestagene freigesetzt – davon geht nur ein sehr geringer Anteil in den Körper über. Deshalb treten in der Regel weniger Nebenwirkungen auf als bei z.B. der niedrig dosierten Mikropille. 
  • Die Hormonspirale beeinflusst die Monatsblutung: Sie wird schwächer, weniger schmerzhaft und bleibt bei einigen Frauen sogar gänzlich aus. Das liegt daran, dass das Hormon Levonorgestrel den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut verhindert.
  • Geringes Eingreifen in den Zyklus: Dadurch, dass die Hormonspirale vorwiegend lokal wirkt, werden der Zyklus und Eisprung in den meisten Fällen nicht beeinflusst. 
  • Eignet sich besonders für Frauen mit sehr starker Monatsblutung. 
  • Niedrigeres Risiko einer Thrombose als bei anderen vergleichbaren Verhütungsmittel wie etwa der Pille oder Verhütungspflastern.
  • Option für die Stillzeit (Einsetzen erst drei Monate nach Geburt): Das Gestagen geht nur minimal in die Muttermilch über – weniger als bei der Minipille. 
  • Keine schwerwiegenden Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt. Das freigesetzte Gestagen wirkt überwiegend nur örtlich.
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Nachteile der Hormonspirale

  • Das Einsetzen der Spirale kann schmerzhaft sein, besonders junge Frauen empfinden dabei größere Schmerzen.
  • Sehr selten kann es zu einer Verletzung der Gebärmutter kommen. 
  • Direkt nach dem Einsetzen der Spirale kann es zu einer Infektion in Gebärmutter oder Eileitern kommen – diese kann sich durch Unterleibschmerzen und Fieber äußern. 
  • Die Hormonspirale kann verrutschen. In seltenen Fällen wird sie vom Körper ausgestoßen. Die Folge: Blutungen und Schmerzen. 
  • Auch wenn das Risiko einer Schwangerschaft sehr gering ist: Sollte es dennoch zu einer Schwangerschaft kommen, ist das Risiko einer Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft leicht erhöht. 
  • Höhere Ansteckungsgefahr mit sexuell übertragbaren Erregern.
 

Nebenwirkungen der Hormonspirale

Durch den Einsatz der Hormonspirale können gewisse Nebenwirkungen auftreten. Ähnlich wie bei anderen hormonellen Verhütungsmitteln klagen Frauen mit der Hormonspirale über Brustspannen, Gewichtsprobleme, Kopfschmerzen, Akne, Libidoverlust, unkontrollierte Gefühlsausbrüche oder depressive Verstimmungen. Diese Nebenwirkungen treten häufig in den ersten Wochen nach dem Einsetzen in die Gebärmutter auf, lassen aber in der Regel nach drei bis sechs Monaten wieder nach. Zusätzlich treten anfangs häufig Zwischenblutungen oder Schmierblutungen auf. 

Einige Frauen nehmen das Ausbleiben der Periode (Amenorrhö) als positiv wahr, andere jedoch als negativ. 

Bei etwa jeder zehnten Trägerin einer Hormonspirale treten funktionelle Zysten des Eierstocks auf. Diese äußern sich nur selten durch leichte Bauchschmerzen und bleiben deshalb häufig unentdeckt. Solche Zysten verschwinden meist von allein wieder. Seltener müssen sie durch eine Operation entfernt werden.

Die Kupferspirale besteht aus einem Kunststoffkörper, der mit einem feinen Kupferdraht umwickelt ist
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Wann Sie auf die Hormonspirale verzichten sollten

In diesen Fällen wird Ihnen der Frauenarzt von einer Hormonspirale abraten: 

  • Vermutete Schwangerschaft
  • Empfindlichkeit gegenüber Levonorgestrel
  • Fehlbildungen der Gebärmutter
  • Gutartige Wucherungen in der Gebärmuttermuskulatur (Myome)
  • Neigung zu Unterleibsentzündungen
  • Eileiterschwangerschaften in der Vergangenheit
  • Fehlgeburt innerhalb der letzten drei Monate
  • Infektionen oder Entzündungen der Geschlechtsorgane oder des Beckenbereiches
  • Nachweis von Krebsvorstufen
  • Gebärmutterhalskrebs oder Gebärmutterkörperkrebs
  • Blutkrebs
  • Lebererkrankungen oder Lebertumore
  • Blutungen in der Gebärmutter mit nicht geklärter Ursache
  • Gelbsucht
  • Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen
     
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