Hormonfreie Verhütung – diese Methoden gibt es

hormonfreie Vehütung - Temperaturmessung
Wer auf hormonfreie Verhütung verzichten möchte, kann mittlerweile unter einer Vielzahl hormonfreier Alternativen wählen © istock/simpson33
Inhalt
  1. Die bekannteste hormonfreie Verhütung: Das Kondom
  2. Hormonfreie Verhütung mit dem Kondom für die Frau
  3. Hormonfreie Verhütung mit der Kupferspirale
  4. Hormonfreie Verhütung mit chemischen Verhütungsmittel
  5. Hormonfreie Verhütung mit dem Diaphragma oder Pessar
  6. Hormonfreie Verhütung mit der Portiokappe

Viele Frauen würden gerne auf hormonfreie Verhütung umsteigen. Doch welche Möglichkeiten gibt es überhaupt? PraxisVITA hat eine Übersicht der Methoden und ihrer Vor- und Nachteile zusammengestellt.

Weshalb hormonfreie Verhütung?

In Deutschland ist das beliebteste Verhütungsmittel die Pille. Gerade Mädchen und junge Frauen, für die Familienplanung noch keine Rolle spielt, setzen auf die Zuverlässigkeit und die dauerhafte Wirkung des Hormonpräparats. Allerdings bedeuten die zusätzlichen Hormone immer einen Eingriff in natürliche Abläufe des Körpers. Häufig sind unerwünschte Nebenwirkungen die Folge. Um den natürlichen Zyklus wiederherzustellen, steigen viele Frauen auf hormonfreie Verhütung um.

Sicherheit für hormonfreie Verhütung über den Pearl-Index vergleichen

Der Pearl-Index dient dazu, die Sicherheit von Verhütungsmethoden vergleichbar zu machen und beurteilen zu können. Grundlage ist dabei die Anzahl von Schwangerschaften, die trotz Verwendung der jeweiligen Methode in einem gewissen Zeitraum auftreten.
Der PI von vier hieße beispielsweise, dass in 12 Monaten vier von 100 Frauen trotz Nutzung der Methode schwanger wurden. Je niedriger der Pearl-Index, desto sicherer also die Verhütungsmethode. Ohne Verhütung liegt der PI (je nach Alter) bei etwa 60 bis 90. Bislang gilt die Pille mit einem Index von 0,2-2 (je nach Präparat) als die sicherste Methode.

Das wohl bekannteste Mittel für hormonfreie Verhütung ist das Kondom
Das wohl bekannteste Mittel für hormonfreie Verhütung ist das Kondom© iStock TethysImagingLLC
 

Die bekannteste hormonfreie Verhütung: Das Kondom

Das Kondom ist für hormonfreie Verhütung gerade deshalb so beliebt, weil es neben dem Schutz vor Schwangerschaften auch die Infektion mit vielen sexuell übertragbaren Krankheiten vermeidet. So simpel die Nutzung erscheint, kommt es durch Anwendungsfehler doch häufig zu unerwünschten Komplikationen. Etwa wird oft vergessen, das Reservoir (den Zipfel) des Kondoms beim Überstreifen zuzudrücken. Ist dort Luft, entsteht beim Samenerguss Druck und die Gefahr, dass das Kondom reißt.
Dadurch hängt die Sicherheit der Methode von vielen Faktoren ab.

Vorteile bei richtiger Anwendung:

  • Schutz vor vielen sexuell übertragbaren Krankheiten
  • Relativ spontaner Verkehr möglich
  • Verhütung nur bei Bedarf

Nachteile:

  • Viele Fehlermöglichkeiten
  • Kurze Unterbrechung zum Überstreifen von einigen als störend empfunden
  • Nach Samenerguss muss der Penis herausgezogen werden, bevor die Erektion anfängt nachzulassen (ansonsten Abrutschgefahr)

Pearl-Index: 4-20

Ein wenig bekanntes Mittel für hormonfreie Verhütung: das Kondom für die Frau
Ein wenig bekanntes Mittel für hormonfreie Verhütung: das Kondom für die Frau© iStock Lalocracio
 

Hormonfreie Verhütung mit dem Kondom für die Frau

Das Frauenkondom ist derzeit das einzige Produkt auf dem deutschen Markt, durch das sich Frauen selber vor sexuell übertragbaren Erregern schützen können. Es besteht aus Polyurethan, ist auf Silikonbasis befeuchtet und wie herkömmliche Kondome etwa 18 cm lang. Dabei ist es aber deutlich weiter als ein Kondom und hat einen zweiten biegsamen Ring am geschlossenen Ende. Mit diesem wird das Frauen-Kondom tief in der Scheide platziert. Der äußere Ring ist von außen sichtbar und sollte beim Einführen des Penis festgehalten werden. Nach dem Verkehr wird der äußere Ring vor dem vorsichtigen Entfernen einige Male gedreht um das Auslaufen der Samenflüssigkeit zu verhindern. Die Zuverlässigkeit dieser Methode hängt wie bei der Kondomnutzung von der richtigen Anwendung ab, was sich in dem stark schwankenden Pearl-Index ausdrückt.

Vorteile bei richtiger Anwendung:

  • Schutz vor vielen sexuell übertragbaren Krankheiten
  • Relativ spontaner Verkehr möglich
  • Verhütung nur bei Bedarf
  • Einführen schon vor Erektion des Penis möglich

Nachteile:

  • Einige Fehlermöglichkeiten
  • Knistert leicht beim Verkehr
  • Verrutscht leicht

Pearl-Index: 5-25

Die Kupferspirale stellt die alternative, hormonfreie Verhütung zur Hormonspirale dar
Die Kupferspirale stellt die alternative, hormonfreie Verhütung zur Hormonspirale dar© iStock Lalocracio
 

Hormonfreie Verhütung mit der Kupferspirale

Die Kupferspirale (auch Intrauterinpessar) stellt die alternative, hormonfreie Verhütung zur Hormon-Spirale dar. Hierbei handelt es sich um einen T-förmigen Kunststoffkörper, der mit Kupferdraht umwickelt ist und von einem Gynäkologen in die Gebärmutter eingesetzt wird. Am unteren Ende in ein Nylonfaden angebracht, der zur Kontrolle des richtigen Sitzes und zum Entfernen der Spirale dient.
Das Kupfer gibt kontinuierlich Kupferionen ab, die das Hochwandern der Spermien zur Eizelle im Eileiter verhindern. Außerdem wird zusätzlich die Einnistung eines eventuell doch befruchteten Eis verhindert. Die Kupferkette besteht aus an einem Nylonfaden aufgereihte Kupferzylinder und wirkt nach demselben Prinzip.
Da die Kupferspirale Menstruationsbeschwerden verstärken kann, wird sie eher für Frauen empfohlen, die von Natur aus keine starken Beschwerden haben. Auch für Frauen, die häufig Probleme mit Entzündungen haben, ist diese Verhütungsmethode nicht geeignet, da die Spirale bestehende Entzündungen verstärken kann.

Vorteile:

  • Drei bis fünf Jahre Wirkzeit
  • Spontaner Verkehr jederzeit möglich


Nachteile:

  • Das Einsetzen und Entnahme kann als schmerzhaft empfunden werden
  • Häufig werden Menstruationsbeschwerden verstärkt
  • Gerade zur Anfangszeit wird der Nylonfaden von einigen Männern gespürt, was schmerzhaft sein kann. Nach einer Zeit legt der Faden sich so, dass er verdeckt ist, ansonsten lässt er sich auch beim Gynäkologen kürzen (gekürzter Faden führt zu mehr Schmerzen beim Entfernen der Spirale)
  • Kein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten

Pearl-Index: 0,3 – 0,8

 

Hormonfreie Verhütung mit chemischen Verhütungsmittel

Zusätzlich zu anderen Methoden für hormonfreie Verhütung, können Verhütungsmittel in Form von Zäpfchen, Tabletten, Gels oder Cremes verwendet werden. Diese müssen vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt werden und wirken spermizid (töten Spermien bei Kontakt ab) oder hemmen deren Beweglichkeit. Heutzutage sind Spermien lähmende Cremes auf Milchsäurebasis am Häufigsten. Diese erhöhen den Säuregrad des Scheidenmillieus und sind ebenso sicher wie Spermizide, haben dabei aber weniger Nebenwirkungen.
Bis die Mittel diese Wirkung entfalten dauert je nach Präparat unterschiedlich lange. Da die Methode für sich nicht zuverlässig genug ist, sollte sie nur in Kombination mit anderen Verhütungsmitteln verwendet werden (Diaphragma). Die Anwendung reicht nur für einen Samenerguss und muss dann bei Bedarf wiederholt werden.

Vorteile:

  • Relativ spontaner Verkehr möglich
  • Verhütung nur bei Bedarf

Nachteile:

  • Die Wartezeit und das Wiederholen der Anwendung können als störend empfunden werden
  • Die Chemischen Substanzen reizen die Schleimhäute und können als unangenehm empfunden werden (Wärmegefühl, Brennen)
  • Schädigungen der Scheidenschleimhäute oder Scheidenentzündungen sind möglich
  • Kein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten

Pearl Index: 3-21

Für die sichere, hormonfreie Verhütung mit dem Diaphragma bedarf es einiger Übungszeit für das richtige Einsetzen
Für die sichere, hormonfreie Verhütung mit dem Diaphragma bedarf es einiger Übungszeit für das richtige Einsetzen© iStock jenjen42
 

Hormonfreie Verhütung mit dem Diaphragma oder Pessar

Eine weitere Methode für hormonfreie Verhütung ist das Diaphragma. Das ist ein biegsamer, elastischer Ring, der mit einer Gummimembran bespannt ist. Wird die etwa handtellergroße Kappe aus Silikon in die Vagina eingeführt und losgelassen, nimmt sie ihre Ausgangsform an. Auf diese Weise verschließt das Diaphragma den Muttermund. Der Penis kommt nicht in direkten Kontakt mit dem Muttermund und die Samen können nicht aufsteigen, um eine Eizelle zu befruchten.
Da Spermien bis zu fünf Tage im östrogenstimulierten Zervixschleim am Muttermund überleben können, sollte zusätzlich ein Verhütungsgel verwendet werden. Da dieses mit der Zeit an Wirkung verliert, darf das Diaphragma maximal zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden. Die Wirkung des Gels reicht nur für einen Samenerguss, so muss dann bei Bedarf neues Gel aufgetragen werden (mittels Aplikator).
Es darf frühestens acht Stunden nach dem letzten Verkehr wieder herausgenommen werden (spätestens nach 24 Stunde).
Die Größe des Diaphragmas sollte durch eine Ärztin/Arzt oder in einer Beratungsstelle angepasst und das richtige Einsetzen geübt werden.

Vorteile:

  • Relativ spontaner Verkehr möglich
  • Verhütung nur bei Bedarf

Nachteile:

  • Viele Fehlermöglichkeiten bei Anwendung (richtiges Einsetze, Menge an Verhütungsgel, Zeit bis zur Entfernung)
  • Bei Frauen mit flacher Schambeinnische oder Gebärmuttersenkung findet das Diaphragma nicht genügend Halt
  • Die Wartezeit und das Wiederholen der Anwendung können als störend empfunden werden
  • Kein Schutz vor vielen sexuell übertragbaren Krankheiten

Mehr Informationen zur Verhütung mit Diaphragma finden Sie hier.

Pearl Index: 2-20 (Sicherer in Kombination mit Verhütungs-Gel)

 

Hormonfreie Verhütung mit der Portiokappe

Portio ist der medizinische Fachbegriff für den Übergang vom Gebärmutterhals in die Vagina und beschreibt den Einsatzort der kleinen Silikon- oder Latexkappe. Sie wirkt wie das Diaphragma, sitzt aber (bei den meisten Frauen) etwas fester.
Die fingerhutförmige Kappe wird vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt und wie ein Verschluss über den Muttermund gestülpt. Dort „saugt“ sie sich fest und verhindert so das Durchkommen von Samenzellen.
Genau wie das Diaphragma wird diese hormonfreie Verhütung sicherer, wenn in Kombination mit Verhütungsgel verwendet, um die spätere Befruchtung durch im Körper verbliebene Spermien zu verhindern. Auch die Portiokappe sollte daher maximal zwei Stunden vor dem Verkehr eingeführt und frühestens sechs bis acht Stunden später entnommen werden. Die Zeit, bis die Kappe sich angesaugt hat, variiert von Frau zu Frau. Sie sollte fest sitzen, bevor der Penis eindringt, so ergibt sich die Zeit, die die Kappe mindestens vor dem Verkehr eingesetzt werden muss.

Vorteile:

  • Relativ spontaner Verkehr möglich
  • Verhütung nur bei Bedarf

Nachteile:

  • Viele Fehlermöglichkeiten bei Anwendung (richtiges Einsetze, Menge an Verhütungs-Gel, Zeit bis zur Entfernung)
  • Die Wartezeit und das Wiederholen der Anwendung können als störend empfunden werden
  • Nicht bei jeder Frau sitzt die Kappe ausreichend fest
  • Die Kappe kann verrutschen
  • Kein Schutz vor vielen sexuell übertragbaren Krankheiten

Pearl-Index: 2-20 (Sicherer in Kombination mit Verhütungs-Gel)

 
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