Homöopathie für die Wechseljahre

Susanne Petersen Medizinredakteurin

Hitzewallungen, Gewichtszunahme, Schlafprobleme: Für viele Frauen sind die Wechseljahre kein Zuckerschlecken. Wie zeigen sie sich, welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es, und wie kann die Homöopathie die Wechseljahre angenehmer machen?

Inhalt
  1. Was sind die Wechseljahre?
  2. Welche Beschwerden können im Klimakterium auftreten?
  3. Wechseljahresbeschwerden homöopathisch behandeln
 

Was sind die Wechseljahre?

Das sogenannte Klimakterium bezeichnet die Zeit der hormonellen Umstellung vor und nach der letzten Menstruationsblutung. Das weibliche Sexualhormon Östrogen, das den Menstruationszyklus regelt, wird weniger oder gar nicht mehr in den Eierstöcken gebildet. Die Abstände zwischen den Regelblutungen werden länger, die Blutungen stärker oder schwächer, irgendwann bleiben sie endgültig aus (dieser Zeitpunkt wird als Menopause bezeichnet) und die fruchtbare Zeit der Frau endet.

 

Welche Beschwerden können im Klimakterium auftreten?

Das Klimakterium ist ein natürlicher Prozess, der Frauen in eine neue Lebensphase führt und die einige Jahre umfassen kann. Die Wechseljahre vollziehen sich für viele Frauen ohne belastende Beschwerden, etwa ein Drittel der Frauen jedoch hat schwere Symptome, die die Lebensqualität einschränken können. Dazu gehören:

  • Hitzewallungen
  • Schweißausbrüche (auch nachts, so schlimm, dass teilweise die Bettwäsche gewechselt werden muss)
  • Schlafstörungen
  • Herzrasen
  • Kreislaufstörungen
  • Erschöpfung
  • depressive Verstimmungen

In der Phase der Postmenopause, also ungefähr 12 Monate nach dem Ausbleiben der letzten Monatsblutung, treten durch den Östrogenabfall begünstigt möglicherweise weitere Beschwerden auf.

Postmenopause:

  • Trockenheit der Scheide
  • Gewebeschwund der genitalen Schleimhaut (Atrophie)
  • evtl. Blasenschwäche
  • Gewichtszunahme
  • Haarausfall
  • Hauterschlaffung
  • Osteoporose
  • Herz- und Kreislauferkrankungen

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Hormonbehandlungen in der Diskussion

Bei einer Hormonersatztherapie (HRT) wird der niedrigere Hormonspiegel in den Wechseljahren künstlich durch Medikamente ausgeglichen. Dies geschieht in Form von Tabletten oder Cremes. Dabei sollen die durch den Östrogenmangel begünstigten Beschwerden und Erkrankungen der Wechseljahre gebessert werden. Im Vordergrund der Entscheidung für oder gegen die HRT stehen der persönliche Leidensdruck und die Ausprägung der Beschwerden. Diese werden gemeinsam mit dem Gynäkologen gegenüber den möglichen Risiken abgewogen. Dabei spielt das Lebensalter eine Rolle. Die Ersatzbehandlung sollte idealerweise mit dem Eintritt der Wechseljahre, aber nicht später als mit 60 Jahren erfolgen. Außerdem erhöhen bestimmte Vorerkrankungen das Risiko für Brustkrebs oder für Herz-Kreislauferkrankungen.

Die Dosierung der Hormone sollte sich laut dem Berufsverband der Frauenärzte nach der geringsten Dosis richten, mit der sich die klimakterischen Beschwerden behandeln lassen. Unter einer Langzeitanwendung der Ersatztherapie (ca. drei bis fünf Jahre) kann ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs nicht ausgeschlossen werden. Der Berufsverband weist zudem auf ein gesteigertes Risiko für Krebserkrankungen der Gebärmutterschleimhaut hin. Bei Vorbelastung und höherem Lebensalter scheint es durch die HRT außerdem ein Risiko von Thrombosen (Verstopfungen der Blutgefäße durch körpereigene Substanzen) zu geben.

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Neben den Risiken der medizinischen Hormonersatzgabe soll es auch vorbeugende Effekte bei jüngeren Frauen geben. Dazu gehört die mögliche Schutzwirkung gegen Dickdarmkrebs oder gegen Altersdiabetes.

Für einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren ist eine Hormonersatztherapie eine Möglichkeit, Wechseljahresbeschwerden zu lindern. Im Vordergrund der Entscheidung für oder gegen die HRT stehen der persönliche Leidensdruck und die Ausprägung der Beschwerden. Diese werden gemeinsam mit dem Gynäkologen gegenüber den möglichen Risiken abgewogen.

 

Wechseljahresbeschwerden homöopathisch behandeln

Im Gegensatz zur HRT, die den Körper einem Hormonspiegel aussetzt, der für diese Lebensphase eigentlich nicht vorgesehen ist, bietet die Homöopathie einen natürlichen Weg an, Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder depressive Verstimmungen zu lindern. Homöopathische Mittel sollen die Selbstheilungskräfte des Organismus anregen und haben so gut wie keine Nebenwirkungen.

Homöopathie für die Wechseljahre bei Hitzewallungen und Schweißausbrüchen

Weit verbreitet in den Wechseljahren sind die sogenannten Hitzewallungen. Meist ohne Vorwarnung erstreckt sich die Hitze über den Oberkörper bis hin zum Gesicht. Oft kommt es zu Schweißausbrüchen und im Anschluss zum Frösteln. Besonders unangenehm sind diese Hitzewallungen in der Öffentlichkeit. Homöopathische Mittel können natürlich und sanft helfen:

Lachesis D6 oder D12, die Buschmeisterschlange, unterstützt die Betroffenen, wenn die Hitze zu Beengungsgefühl oder Atemproblemen führt. Die Beschwerden sind morgens schlimmer und treten vorzugsweise auf der linken Körperseite auf.

Sanguinaria D6 oder D12 hilft bei Hitzewallungen und Gesichtsrötungen, bei Herzrasen und Migräneattacken.  Cimicifuga D6 oder D12 ist das Mittel bei Hitzewallungen gepaart mit Kreislaufstörungen. Bei nächtlichen Hitzewallungen und auffälligem Schweißgeruch kann Sulfur D6 oder D12 eingesetzt werden.

Homöopathie in den Wechseljahren lindert Schlafstörungen

Nicht nur wegen nächtlicher Hitzeattacken leiden Frauen im Klimakterium unter Schlafproblemen. Die hormonelle Dysbalance sorgt für unruhige Nächte. Frauen, die tagsüber unter Hitzewallungen besonders zu kämpfen haben, schlafen auch nachts schlechter. Das liegt an der Abnahme des Hormons Östrogen. Pulsatilla D12 hilft bei Einschlafstörungen durch Grübeln und bei Hitzewallungen. Lilium tigrinum D12 kann bei unruhigem Schlaf eingesetzt werden. Lachesis D12 bei nächtlichem Erwachen. 

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Homöopathie für die Wechseljahre gegen Stimmungsschwankungen

Schwankende Hormone sorgen für schwankende Seelenzustände. Viele Frauen leiden in den Wechseljahren unter belastenden Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen. Eines der am meisten in der Homöopathie eingesetzten „Frauenmitteln“ ist Sepia, das aus der Tinte des Tintenfisches gewonnen wird. Sepia D12 hilft gegen Reizbarkeit und Wut (vor allem gegen die engsten Familienmitglieder) wie auch gegen Depressive Verstimmung und Verzweiflung. Lachesis D12 wird eingesetzt, wenn die Stimmung stark schwankt und mit Redeschwall oder Eifersucht verbunden ist.

Gelenkschmerzen in den Wechseljahren mit Homöopathie behandeln

Wechseljahre und Gelenkschmerzen hängen zusammen? Wer hätte das gedacht? Tatsächlich sorgt der Östrogenmangel dafür, dass die Gelenke schmerzen. Zum Beispiel an den Fingern und Händen oder an der Schulter. Gerade bei aktiven Frauen treten solche Beschwerden in den Wechseljahren besonders morgens nach dem Aufstehen auf.

Östrogene haben Einfluss auf die Ernährung des Gelenkknorpels, außerdem wirkt das weibliche Hormon schmerzlindernd. Homöopathische Arzneien wie Rhus toxicodendron D12 können diese Schmerzen sanft beseitigen. 

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Wechseljahre und ein dicker Bauch: Was kann die Homöopathie tun?

Habe ich schon wieder zu viel oder zu blähende Sachen gegessen? Warum ist mein Bauch so dick? Dies fragen sich viele Frauen in den Wechseljahren, die teilweise erheblich an Gewicht zunehmen. Das liegt am langsamer werdenden Stoffwechsel, aber auch an Heißhungerattacken, die zusammen mit Stimmungsschwankungen auftreten können. Aber auch an der Hormonverteilung, denn Testosteron sorgt dafür, dass das Bauchfett gerade am Unterbauch in den Wechseljahren zunimmt.

Bei ständiger Aufblähung des Bauches kann Lycopodium D6 oder D12 helfen. Es wird auch eingesetzt, wenn die Verdauung träge und der Stoffwechsel langsam ist. Calcium carbonicum D6 oder D12 wird eingesetzt, wenn der Heißhunger auf Süßes und Teigwaren groß ist und das Gewicht steigt. Graphites D6 oder D12 ist in der Homöopathie ein Mittel, das zum Zuge kommt, wenn Gesicht und Körper fettleibig werden, Arme und Beine aber normal bleiben.

Für alle genannten Mittel gilt: Dreimal täglich fünf Globuli können die Beschwerden lindern.

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Homöopathie für die Wechseljahre mit Komplexmitteln

Eine weitere Alternative sind sogenannte Komplexmittel, die mehrere homöopathische Einzelmittel enthalten. Durch eine wissenschaftliche Studie erwiesen ist der positive Effekt der Wirkstoff-Kombination aus Cimicifuga (Traubensilberkerze), Ignatia (St.-Ignaz-Bohne), Sanguinaria (Kanadische Blutwurzel) und Sepia (Tintenfisch) – (Prüfpräparat Klimaktoplant, Apotheke). Innerhalb von 12 Wochen besserten sich bei mehr als 90 Prozent der in der Studie teilnehmenden Patientinnen die Symptome.

Diese Kombination homöopathischer Mittel gehört zu den meistverkauften Mitteln, die Hitzewallungen, Schweißausbrüche, innere Unruhe, Schlafstörungen und Herzklopfen auf ganz natürliche Weise beheben können. Eine Einnahme von dreimal täglich einer Tablette ist empfehlenswert, bei Besserung zweimal täglich eine Tablette. Sogar manche Krankenkassen bezuschussen die Therapie.

Entspannungsübungen, sportliche Betätigung und eine gesunde Ernährung helfen neben Homöopathie in den Wechseljahren, dass diese Phase das Frausein neu definieren kann.

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So finden Sie Ihr homöopathisches Mittel

Es gibt zahlreiche homöopathische Einzelmittel wie Sepia oder Lachesis, aber welches ist wirklich geeignet, Hitzewallungen oder Reizbarkeit zu lindern? Wechseljahresbeschwerden sind bei jeder Frau unterschiedlich ausgeprägt. Während die eine zum Beispiel mehr unter intensiven trockenen Hitzewallungen leidet, ist die andere bei kleinstem Anlass nass geschwitzt. Manche Frauen im Klimakterium sind gleich beim Aufwachen reizbar, andere eher abends.

Achten Sie darauf, wann und wie das Symptom auftritt, aber auch, was es bessert oder verschlimmert und welche Begleitsymptome auftreten. (Beispiel: Bei Frauen, denen Sulfur hilft, treten Hitzewallungen oft gepaart mit Hautjucken auf).

Eine passende Selbstmedikation zu finden, ist für Einsteiger oft eine Herausforderung. Verschiedene Mittel auszuprobieren sowie die Lektüre von homöopathischen Ratgebern können helfen, ein wirksames homöopathisches Mittel für die eigenen Beschwerden zu finden. Wählen Sie das Arzneimittel, in dessen Beschreibung Sie sich am ehesten wiedererkennen. Oder wählen Sie ein Komplexmittel, das mehrere homöopathische Wirkstoffe enthält – etwa das oben beschriebene. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass eines dieser Mittel die Beschwerden lindert.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, Homöopathie für die Wechseljahre einzusetzen und parallel einen fachlichen Rat bei einem Arzt mit homöopathischer Zusatzausbildung einzuholen.

Hinweis: Die spezifische Wirksamkeit von Homöopathie wird in der Wissenschaft diskutiert. Dennoch ist Homöopathie als sanfte Heilmethode sehr beliebt.

Quellen:

Hormonersatztherapie - Hormone in den Wechseljahren, in: frauenaerzte-im-netz.de

Wechseljahre (Klimakterium), in: gynecology-guide.com

Majer-Julian, Evelyne, Homöopathie für die Wechseljahre (2012), Narayana Verlag, Kandern

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