Hoffnung für Millionen Betroffene: Erstes Heilmittel für Alzheimer entwickelt?

Phyllis Kuhn
Arzt mit Röntgen-Bildern
Könnte Alzheimer bald zu den behandelbaren Krankheiten zählen? © Shutterstock

Ein neues Antikörper-Präparat ist in der Lage, Plaque-Ablagerungen im Gehirn zu entfernen und so den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung aufzuhalten.

Amerikanischen Forschern ist es erstmals gelungen, den schädlichen Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung zu unterbrechen und Demenz-Symptome von Patienten zu verbessern. Die Wissenschaftler um Jeff Sevigny, die für das in Cambridge ansässige Biotech-Unternehmen Biogen forschen, verwendeten dafür den Antikörper Aducanumab.

 

Schädliche Plaques-Ablagerungen

Alzheimer entsteht wissenschaftlichen Theorien zufolge durch Plaques-Ablagerungen im Gehirn. Diese Ablagerungen bestehen aus verklumpten Beta-Amyloid-Proteinen. Sie scheinen der Grund zu sein, warum bei Alzheimer-Patienten gesunde Hirnzellen absterben und die Gehirnleistung infolgedessen rapide abnimmt. Bisher war es noch keinem Forscherteam gelungen, die Protein-Ablagerungen nachhaltig zu entfernen.

Dr. Alfred Sandrock, ebenfalls Mitglied der Forschergruppe, ist deshalb überzeugt: „Das ist die beste Neuigkeit der letzten 25 Jahren, sie gibt Alzheimer-Patienten neue Hoffnung“.

Was ist Alzheimer?

Alzheimer ist eine neurodegenerative Krankheit, die das Gehirn befällt und zu Demenz, also einer Verschlechterung des Denkvermögens und des Gedächtnisses führt. Die Betroffenen leiden unter immer größeren Gedächtnislücken, können sich nur noch schlecht orientieren und haben Wahrnehmungsstörungen. Obwohl die Charakteristika und Begleitumstände von Alzheimer inzwischen gut bekannt sind, ist es immer noch unklar, was die Ursache von Morbus Alzheimer ist. 

 

„Die Wirkung des Antikörpers ist beeindruckend“

Der Antikörper Aducanumab zeigte schon in ersten Versuchen mit Mäusen gute Ergebnisse. In einer aktuellen Studie, die mit 165 Alzheimer-Patienten durchgeführt wurde, bestätigten sich die positiven Beobachtungen der Wissenschaftler. In der Studie wurde den Patienten über einen Zeitraum von 54 Wochen einmal im Monat eine Infusion mit dem Antikörper verabreicht. Dabei variierten die Dosierungen des zwischen einem, drei, sechs oder zehn Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Eine zweite Gruppe von Probanden erhielt ein Placebo-Präparat. Nach Ablauf der Behandlungsdauer zeigte sich ein überwältigendes Ergebnis: Die Anzahl der Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn der Probanden hatte signifikant abgenommen. „In der Gruppe, der die hohe Dosis verabreicht wurde, verschwand das Amyloid fast vollständig“, berichtet Roger Nitsch, Professor an der Universität von Zürich und Koautor der Studie. „Die Ergebnisse dieser klinischen Studie stimmen uns optimistisch, bei der Behandlung von Alzheimer einen großen Schritt vorwärts zu kommen", betont Koautor Roger Nitsch von der Universität Zürich. „Die Wirkung des Antikörpers ist beeindruckend und völlig unvorhergesehen.“

 

Demenz-Symptome werden verringert

Da sich in der Gruppe, der das Placebo-Präparat verabreicht wurde, keine Veränderung an den Plaques-Ablagerungen ergeben hatte, kann ein Placebo-Effekt des Antikörpers ausgeschlossen werden. Scheinbar schafft es Aducanumab, aus dem Blut ins Gehirn vorzudringen und sich dort gezielt an das Amyloid-Beta zu binden und es zu beseitigen. Dosisabhängig hatten sich auch die mentalen Fähigkeiten der Probanden verbessert. Ergänzende Tests ergaben, dass sich durch den Antikörper Demenz-Symptome verringert hatten.

Ob das neu entwickelte Medikament tatsächlich eine Revolution in der Alzheimer-Therapie auslösen kann, muss nun jedoch im nächsten Forschungsschritt geklärt werden. In der 3. Phase der Versuche mit Aducanumab wird nun eine größere Probandengruppe mit 2700 Patienten untersucht. Diese Folge-Studie soll im Jahr 2020 abgeschlossen werden. Bestätigen sich die überzeugenden Ergebnisse aus den bisherigen Untersuchungen, könnte ein passendes Medikament schon in den nächsten Jahren zur Behandlung von Alzheimer zugelassen werden.

Hamburg, 01. September 2016

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