Hodenkrebs, Brustkrebs ... Kann Kosmetik krank machen?

. Jedes dritte davon enthält Stoffe, die so ähnlich wie Hormone wirken und damit Krankheiten, wie zum Beispiel Hodenkrebs, auslösen können
Eine aktuelle Studie des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hat über 60.000 Kosmetik-Produkte getestet. Jedes dritte davon enthält Stoffe, die so ähnlich wie Hormone wirken und damit Krankheiten, wie zum Beispiel Hodenkrebs, auslösen können © Fotolia

Mit Pflegeprodukten möchten wir uns etwas Gutes tun: Mehrmals am Tag die Zähne zu putzen beugt Karies und anderen Erkrankungen vor, Sonnencremes schützen unsere Haut vor schädlicher UV-Strahlung, Deodorants und Duschgels pflegen den Körper. Allerdings stecken in den meisten Kosmetika Chemikalien – und einige davon sind gesundheitsschädigend.

Eine aktuelle Studie des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hat über 60 000 Produkte getestet. Mit dem Ergebnis: Jedes dritte davon enthält Stoffe, die so ähnlich wie Hormone wirken. Sie könnten Krankheiten auslösen, warnen die BUND-Experten.

 

Wieso stecken Hormone in Kosmetik?

Pflegeprodukte enthalten Konservierungsstoffe – die sogenannten Parabene. Sie wirken ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen. Auch UV-Filter in Sonnenschutzmitteln haben diesen Effekt. Die BUND-Experten befürchten, dass diese hormonähnlichen Substanzen über die Haut auf unseren Organismus einwirken und dort Schaden anrichten. Bei Männern könnte ein Überschuss an Östrogen die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen oder zu starker Gewichtszunahme führen. Vor allem aber stehen die Stoffe unter Verdacht, das Risiko für hormonell bedingte Krebsarten erhöhen: zum Beispiel Brust-, Prostata- und Hodenkrebs. Die Experten machen außerdem auf das besondere Risiko für Kinder aufmerksam: Gefährdet seien schon Föten im Mutterleib. Bei ihnen sowie bei Kleinkindern und Pubertierenden könne die gesunde Entwicklung durch die hormonartigen Substanzen gestört werden. Die Palette belasteter Produkte reicht von Sonnencremes und Duschgel über Bodylotions zu Haargel und Zahnpasta.

 

Wie groß ist die Gefahr wirklich?

Wir können uns unbesorgt weiter mit Kosmetikartikeln pflegen. Das meint zumindest Thomas Platzek vom Bundesinstitut für Risikobewertung: "Denn die Menge hormonähnlicher Substanzen ist in den Pflegeprodukten so niedrig dosiert, dass sie faktisch nicht wirksam ist", erklärt er. "Über die Nahrung nehmen wir viel mehr von diesen Stoffen auf. Sie stecken zum Beispiel auch in Sojaprodukten wie Tofu." Die BUND-Experten warnen allerdings vor einem "Hormoncocktail im Badezimmer": Die Wirkung der hormonähnlichen Stoffe werde durch die Kombination unterschiedlicher Pflegeprodukte gesteigert. Aber auch diese Einschätzung teilt Risikoforscher Platzek nicht: "Sie können ohne Bedenken mehrere Produkte miteinander kombinieren. Denn alle zum Gebrauch zugelassenen Stoffe wurden von unabhängigen Gremien bewertet. Es ist keine Wirkung auf den Hormonhaushalt zu erwarten."

Diese Schadstoffe stecken in Kosmetikprodukten

Parabene

Der Konservierungsstoff ähnelt dem weiblichen Sexualhormon Östrogen. Nach Ansicht einiger Experten können Parabene deswegen den Hormonhaushalt durcheinanderbringen.

Schwermetalle

Quecksilber, Cadmium, Arsen, Blei u.v.a. können Krebs erregen.

Chemische UV-Filter

Sie sind in Sonnencremes, aber auch in Gesichtscremes oder Make-up enthalten und schützen vor den negativen Effekten der Sonneneinstrahlung. Der Mensch kann Chemikalien über Haut, Lippen und Lunge aufnehmen.

 

Wie riskant sind Schwermetalle?

Platzek weist aber auf ein anderes Problem hin: Kosmetikprodukte wie Lidschatten, Lippenstift oder Kajal können mit Schwermetallen belastet sein. Über die Mineralien, die für die Farbpigmentierung verwendet werden, gelangt beispielsweise Blei in den Organismus. Das Schwermetall wird nur langsam vom Körper ausgeschieden und reichert sich anstelle von Kalzium in den Knochen an. Die möglichen Folgen einer solchen Bleivergiftung sind schwere Schäden des Nervensystems, Magen-Darm-Beschwerden, Kreislaufprobleme sowie Einschränkungen der Nierenfunktion. Aber nicht nur Blei, sondern auch die Schwermetalle Cadmium und Chrom sind in manchen Produkten enthalten. Sie können Hautirritationen und Leberschäden verursachen. Ob die Konzentrationen der Metalle in Lippenstiften tatsächlich gefährlich für den menschlichen Organismus sind, wird noch untersucht.

Jede Frau, die mehrmals pro Woche Lippenstift trägt, verschluckt im Laufe ihres Lebens etwa ein Kilogramm des Farbstifts. Das kann gesundheitliche Folgen haben. Denn ein kleiner Teil der noch gebräuchlichen Lippenkosmetik enthält das sogenannte Triclosan – ein Konservierungsstoff, der das Bakterienwachstum hemmen soll. In Labortests haben Forscher herausgefunden, dass diese Substanz den Herzmuskel angreift und die Pumpleistung des Organs um bis zu 25 Prozent verringern kann. Erste Studienergebnisse dazu zeigen aber, dass die meisten in der EU zugelassenen Lippenstifte eher harmlos sind.

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