HIV: Wer verdrängt, riskiert sehr viel

Rote Aids-Schleife als Symbol gegen Aids
Im Jahr 1988 führte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Welt-Aids-Tag am 1. Dezember ein. Als Symbol für den Kampf gegen Aids stecken sich dann viele Menschen eine rote Schleife an die Kleidung © Fotolia

Es gibt nur wenige Worte, die so schnell und so sehr Angst machen wie Aids. "Schwulenkrankheit", denkt man, ob man will oder nicht. Die haben das doch? Die und diese Sextouristen, die das Virus als tödliches Souvenir aus Fernost mitbringen. Und die, die sich Nadeln in die Arme drücken.

Wenn es nur so einfach wäre. Dann könnten wir die Augen schließen und Aids verdrängen. Können wir aber nicht. Dürfen wir auch nicht. Wenn wir das täten, setzt sich die Entwicklung fort, vor der das Robert-Koch-Institut in Berlin schon vor Jahren gewarnt hat: Der HI-Virus breitet sich nur noch schneller aus.

Weltweit tragen rund 40 Millionen Menschen den HI-Virus in sich, die Hälfte davon sind Frauen. Jährlich sterben knapp drei Millionen an der Immunschwäche. In manchen Staaten Afrikas, wie Südafrika und Botswana, ist jeder Fünfte infiziert. In Ost- und Zentralasien rollt die Seuche seit einigen Jahren wie eine Tsunami-Welle über die Menschen. Die Gründe: unzureichende medizinische Versorgung, fehlende sexuelle Aufklärung und schlichte Unkenntnis von dem HI-Virus. Wer sich in diesen Ländern infiziert, kassiert meist sein Todesurteil, denn teure Medikamente können sich dort nur sehr wenige leisten.

In Europa sind die Menschen zwar prinzipiell besser informiert, doch trotzdem steigt die Quote der Neu-Infektionen an. Wie kann das passieren? Paradoxerweise ist die Medizin selbst mit schuld daran, denn sie vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Die Behandlung mit den modernen Medikamenten, den so genannten Virushemmern, verlängert die Lebenserwartung eines HIV-Infizierten erheblich, unterdrückt den Virusgehalt im Blut und verhindert ein Ausbrechen der Krankheit – manchmal jahrzehntelang.

 

HIV-positiv – Medikamente helfen

„Wenn heute ein Patient mit einer HIV-Infektion zu mir kommt, sage ich ihm, dass es gar nicht unwahrscheinlich ist, dass er 75 Jahre alt wird“, sagt Johannes Bogner, Leiter der Aids-Ambulanz an der Universität München. Ein grandioser Erfolg, doch leider mit fatalen Folgen: Die gute Medikation machte aus einer tödlichen Krankheit in den Köpfen der Menschen eine chronische, händelbare – so ähnlich wie Diabetes oder Rheuma.

 

Infektionsquelle für Aids: ungeschützter Sex

Früher gab es dubiose Infektionsquellen wie verseuchte Blutkonserven. Diese Gefahr ist heute so gut wie gebannt – ganz im Gegensatz zu der anderen. „Den HI-Virus holt man sich nicht beim Händeschütteln, sondern beim ungeschützten Sex“, bringt es Jörg Litwinschuh von der Deutschen AIDS-Hilfe auf den Punkt. „Auch wenn es niemand mehr hören kann: ‚Kondome sind der beste Schutz.’“ Die kleine Kautschuk-Hülle schützt nicht nur vor Aids und ungewollter Schwangerschaft, sondern auch vor allen anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Syphilis, die ebenfalls wieder auf dem Vormarsch ist. Warum die Kondome, wenn es drauf ankommt, in der Packung bleiben, versteht von den Experten niemand.

Was also tun mit dieser Krankheit, die die Welt seit den 80er-Jahren wie eine Seuche heimsucht und gegen die es kein Heilmittel gibt? „Kämpfen“, sagt Jörg Litwinschuh. „Vor allem gegen das Vergessen. Aids ist und bleibt eine gefährliche Krankheit. Das zu verdrängen, kann tödlich sein.“ Aus diesem Grund gibt es einen Tag im Jahr, der seit vielen Jahren nur diesen vier Buchstaben gehört: Es ist der 1. Dezember. Die Weltgesundheitsorganisation machte ihn 1988 zum Welt-Aids-Tag. Damit die vier Buchstaben nicht nur Angst, sondern auch Hoffnung schenken.

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