HIV-Tests: Versorgungslücken durch Corona

Verena Elson Medizinredakteurin

Die deutsche Aidshilfe warnt: Die Corona-Pandemie führt zu Lücken in der Versorgung mit HIV-Tests und kann so Spätdiagnosen und Übertragungen fördern.

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Eine HIV-Diagnose ist heute kein Todesurteil mehr – wenn die Betroffenen rechtzeitig von ihrer Infektion erfahren und entsprechend früh mit der Therapie beginnen. Damit dies geschieht, muss eine wichtige Voraussetzung erfüllt sein: HIV-Tests müssen für jeden leicht zugänglich sein.

 

Weniger anonyme Testangebote durch Corona

Doch gerade in diesem Bereich bereitet jetzt die Corona-Pandemie Probleme, wie die deutsche Aidshilfe (DAH) berichtet. Die anonymen Testangebote seien vielerorts stark eingeschränkt, da viele Gesundheitsämter aufgrund von Überlastung keine HIV-Tests mehr anbieten. In den Checkpoints der Aidshilfen, die sich bemühen, diese Versorgungslücken auszugleichen, seien die Testangebote durch Corona-Maßnahmen ebenfalls eingeschränkt. Dazu komme, dass viele Kommunen im nächsten Jahr die Finanzierung der HIV-Testangebote in den Aidshilfen nicht mehr übernehmen wollen.

„Um Aids-Erkrankungen und HIV-Neuinfektionen weiter zu reduzieren, dürfen keine Testangebote wegfallen, sie müssen vielmehr weiter ausgebaut werden“, betont DAH-Vorstand Sven Warminsky. „Hier stehen Länder und Kommunen in der Verantwortung.“

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HIV-Neuinfektionen leicht angestiegen

Aus dem Epidemiologischen Bulletin (Lagebericht zu meldepflichtigen Infektionskrankheiten) des Robert Koch-Instituts (RKI) geht hervor, dass die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland im Jahr 2019 leicht angestiegen ist. Etwa gleichgeblieben ist demnach die Zahl der Menschen, die nichts von ihrer HIV-Infektion wissen – das waren Ende 2019 in Deutschland etwa 10.800 Menschen. Bei rund einem Drittel der Betroffenen wird die Diagnose erst gestellt, wenn bereits eine schwere Erkrankung aufgetreten ist.

„Diese Zahlen können uns nicht zufrieden stellen“, so Warminsky. „Es wäre möglich, deutlich mehr HIV-Infektionen und schwere Erkrankungen zu verhindern. Nun drohen stattdessen Rückschritte und Schäden, weil die Corona-Pandemie Lücken bei den Testangeboten reißt. Es gilt jetzt dringend, mit zusätzlichen Ressourcen gegenzusteuern – denn die Corona-Pandemie wird uns noch erhalten bleiben und darf nicht dauerhaft die Maßnahmen gegen HIV behindern.“

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Testangebote als wichtiger Teil der HIV-Prävention

Frühe Diagnosen durch leicht zugängliche Testangebote sind ein wichtiger Teil der HIV-Prävention, wie die DAH betont. Denn: HIV-positive Menschen, die Medikamente gegen das Virus nehmen, sind nicht mehr ansteckend.

Dass RKI betont in seinem Lagebericht zu Verbreitung und Therapie von HIV in Deutschland die Erfolge, die durch verbesserte Testangebote bereits erzielt wurden. Allerdings weisen auch die RKI-Experten auf die durch die Corona-Pandemie verursachten Probleme bei den Testangeboten hin. Sie fordern darum eine „Ausweitung und aktivere Bewerbung von HIV-Einsende- und HIV-Selbsttests“. Solche Tests werden in Deutschland bisher vom Kooperationsprojekt s.a.m health angeboten, das die DAH koordiniert.

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Quellen:

HIV-Zahlen: Deutsche Aidshilfe warnt vor Versorgungslücken – auch durch Corona, in: aidshilfe.de

Epidemiologisches Bulletin 48/2020: Schätzung der Zahl der HIV-Neuinfektionen im Jahr 2019 und der Gesamtzahl von Menschen, die Ende 2019 mit HIV in Deutschland leben, in: rki.de

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