HIV: Ist bald eine Heilung möglich?

Rasmus Cloes

HIV lässt sich bislang gut kontrollieren, aber nicht heilen. Deutsche Forscher haben jetzt eine Methode entwickelt, die Heilung verspricht. Doch dabei gibt es noch eine Hürde zu überwinden.

Mit 37 Millionen HIV-positiven Menschen und über zwei Millionen Neuinfektionen jährlich stellt HIV weiterhin eine große Herausforderung für die Weltgesundheit dar. Trotz enormer Fortschritte sind die derzeitigen Behandlungsmethoden nicht dazu in der Lage, die Infektion vollständig zu heilen: Zwar können Medikamente die Vermehrung des HI-Virus verhindern, das in das Genom der Zellen integrierte HIV Erbgut, das sogenannte Provirus, bleibt jedoch erhalten. Bis jetzt.

 

Wie funktioniert die Methode?

Denn: Wissenschaftlern aus Dresden und Hamburg ist es gelungen, ein Enzym zu entwickeln, das gezielt diese Proviren angreift. Das Enzym mit dem Namen „Designer-Rekombinase (Brec1)“ funktioniert in diesem Fall wie eine Schere. Es erkennt die wandelbaren HI-Viren und schneidet sie aus der DNA – möglichst ohne andere Teile davon zu schädigen. Nach Aussage der Wissenschaftler erkennt es dabei mehr als 90 Prozent aller HIV-Varianten.

Die Ergebnisse der Forschung sind nun in der renommierten Fachzeitschrift Nature Biotechnology erschienen. Finanziert wurde das Projekt durch die Else Kröner-Fresenius-Stiftung, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und ein Programm des Heinrich-Pette-Instituts. Vier der Autoren haben ein Patent angemeldet, das mit der Methode in Verbindung steht.

„Das Generieren von molekularen Skalpellen, wie der Brec1 Rekombinase, wird die Medizin verändern. Von dieser Entwicklung werden nicht nur HIV Patienten, sondern auch viele andere Patienten mit genetisch-bedingten Erkrankungen profitieren. Wir stehen kurz davor, das Zeitalter der Genom-Chirurgie einzuläuten“, prognostiziert Prof. Frank Buchholz, der Leiter der Studie.

 

Was ist eigentlich eine Gentherapie?

Wie Buchholz es sagt, kling es einfach und vom Prinzip her ist es das auch: Wird eine Krankheit durch ein defektes Gen (Träger der Erbinformationen) ausgelöst, muss man eigentlich nur ein gesundes Gen in den Körper schleusen. Um das gesunde Gen in die Körperzellen zu transportierten, werden normalerweise abgeschwächte Viren, die sich nicht mehr verbreiten können, als "Taxi" benutzt. Denn sie sind darauf gepolt, ihr Erbgut in die Zellen zu geben und sich darin zu vermehren. Bei der Gentherapie tauschen die Wissenschaftler in den Viren den Teil des Erbgutes, der für die Vermehrung zuständig ist, mit dem heilenden Gen. Bei den folgenden Zellteilungen wird die neue Erbanlage ständig weitergegeben. Und schon bald ist der Patient gesund – zumindest in der Theorie.

Denn: ähnlich euphorisch wie Buchholz heute waren viele Wissenschaftler schon einmal Anfang der 90er-Jahre, als die Gentherapie entwickelt wurde. Doch das legte sich schnell. Gerade in den Jahren danach erlitten die Forscher immer wieder Rückschläge. So landeten zum Beispiel die Viren nicht dort, wo sie sollten. Bei einigen Patienten bildeten sich Krebszellen. Mehrere Menschen starben an den Folgen der Behandlung.

 

Wann kann sie angewendet werden?

Bei der aktuellen Studie lassen sich bislang noch keine Nebenwirkungen erkennen. Die Forscher schreiben, dass weder Zell schädigende noch gentoxische Nebeneffekte zu beobachten waren. Sie fügen allerdings an, dass Probleme auftreten könnten, wenn sich zwei Proviren in einer Zelle einnisten. Diesen Fall halten sie jedoch für eher unwahrscheinlich. Ob die Methode die großen Erwartungen erfüllen kann, wird sich allerdings erst zeigen, wenn sich die Ergebnisse in weiteren Studien an Mäusen und später am Menschen wiederholen lassen.

Hamburg, 23. Februar 2016

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