HIV-Immunität bei Babys implantiert?

Verena Elson
Genschere
Die CRISPR/Cas-Methode funktioniert wie eine Schere: Der unerwünschte Abschnitt im Erbgut wird "herausgeschnitten" und durch einen anderen ersetzt © Fotolia

Wie wäre es, wenn alle Menschen immun wären gegen schlimme Erkrankungen wie AIDS, und das schon vor ihrer Geburt? Die neue Methode CRISPR/Cas ermöglicht es Medizinern, das menschliche Erbgut gezielt zu verändern. Chinesische Forscher haben sie jetzt genutzt, um Embryos immun gegen HIV zu machen.

 

Was war das Ziel des Experiments?

Das Team der Guangzhou Medical University in China verwendete die sogenannte „Genschere“ CRISPR/Cas, die es Forschern seit kurzem ermöglicht, aus der DNA gezielt Abschnitte herauszuschneiden und auszutauschen. So versuchten die Wissenschaftler, eine Genmutation in die DNA menschlicher Embryos einzufügen, die diese immun gegen das HI-Virus machen sollte. Sie verhindert die Aktivierung eines bestimmten Rezeptoren (CCR5), der dem Virus als Zugang zur Zelle dient.

Für ihr Experiment verwendeten die chinesischen Wissenschaftler Embryos, die als ungeeignet für die künstliche Befruchtung „aussortiert“ worden waren, weil sie ein überschüssiges Chromosomenpaar besaßen.

 

Ist das Experiment geglückt?

Der Versuch der chinesischen Forscher war nur mäßig erfolgreich. Von 26 mit CRISPR/Cas behandelten Embryos wiesen lediglich vier die gewünschte Mutation auf. Und selbst diese vier Embryos waren nicht vollkommen immun gegen HIV. Denn die Mutation tauchte nur in einer Kopie des für CCR5 zuständigen Gens auf. Von jedem Gen gibt es jedoch zwei Kopien – und die Mutation müsste in beiden vorliegen, um sicherzugehen, dass CCR5 „ausgeschaltet“ ist.

Die für die Versuche verwendeten Embryos wurden anschließend entsorgt. Hätten sie sich weiterentwickelt, wäre CCR5 nicht in allen Körperzellen deaktiviert gewesen – und es hätten immer noch „Eingänge“ für das HI-Virus existiert.

 

Sind genmanipulierte Babys heute schon möglich?

Bei dem Experiment handelte es sich nicht um den ersten Versuch mit der CRISPR/Cas-Methode. Wissenschaftler derselben Universität setzten sie bereits einmal zur Prävention der schweren Blutkrankheit Beta-Thalassämie ein. Im April berichteten sie über entsprechende genetische Veränderungen an Embryos. Auch dieses Experiment war nur teilweise erfolgreich – nur vier von ursprünglich 86 Embryos trugen die beabsichtigten Änderungen im Erbgut.

Bei diesen Erfolgsquoten ist die genetische Manipulation menschlicher Embryos zwar theoretisch möglich, aber noch lange nicht ausgereift genug, um im Rahmen der künstlichen Befruchtung zum Einsatz zu kommen. Und wenn es so weit kommen sollte, müssen zunächst zahlreiche neue Gesetze verabschiedet werden, um die Technik zu legalisieren.

Hamburg, 13. April 2016

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