Hirntumor war in Wirklichkeit ein Pilz

Verena Elson
Gehirnscan
Ein Gehirnscan deutete bei einem 70-jährigen US-Amerikaner zunächst auf eine Krebserkrankung hin. Stattdessen steckte hinter seinen Beschwerden aber eine sogenannte Histoplasmose © iStock/haydenbird

Als ein US-Amerikaner über mentale Veränderungen klagte, fiel der Verdacht schnell auf einen Hirntumor. Doch in Wirklichkeit steckte hinter seinen Beschwerden eine Pilzinfektion – die er bereits seit 30 Jahren hatte.

Ein wenig verwirrt wirkte der 70-jährige Patient, als er eine Klinik im US-amerikanischen Arizona aufsuchte. Er klagte über seit vier Tagen andauernde „mentale Veränderungen“, wie seine Ärzte in einem kürzlich veröffentlichten Report berichten.

Ein CT-Scan und eine darauf folgende MRT-Untersuchung zeigten eine Veränderung in seinem Gehirn, die die Ärzte eine Krebserkrankung vermuten ließen. Zusätzlich stießen sie bei weiteren MRT-Scans auf Geschwulste in seinen Nebennieren.

 

Histoplasmose statt Krebs

Eine Laboranalyse von Proben dieser Geschwulste führte schließlich zur richtigen Diagnose: Der Mann litt an einer sogenannten Histoplasmose, einer Infektion mit dem Pilz Histoplasma capsulatum (auch Darling-Krankheit genannt nach dem Entdecker Samuel Taylor Darling). Der Pilz kommt im Erdboden, Vogel- und Fledermauskot in einigen Regionen der Erde vor und die Ansteckung erfolgt über die Einatmung der Sporen – meist in Arealen, die stark mit Vogel- oder Fledermauskot verschmutzt sind.

In den meisten Fällen bleibt es bei einem Befall der Lunge, doch die Infektion kann auch – wie im Fall des US-Amerikaners – zu anderen Organen wandern. Bei dem 70-Jährigen bestätigte die Analyse einer Probe des veränderten Gehirngewebes den Befall des Gehirns mit dem Pilz. Später wurden auch entsprechende Ansammlungen in seiner Leber gefunden.

 

Pilzinfektion erst nach 30 Jahren entdeckt

Die Ärzte des Mannes kamen erst sehr spät auf den Verdacht einer Histoplasmose. Der Grund: Der Pilz Histoplasma capsulatum kommt nur in Gegenden mit bestimmten Bedingungen vor, die sein Überleben sichern: So muss die Erde einen bestimmten Säuregehalt haben, und die Luftfeuchtigkeit muss hoch sein. Diese Bedingungen sind in Süd-, Mittel- und Teilen Nordamerikas, Indonesien und einigen afrikanischen Ländern gegeben.

Im US-Bundesstaat Arizona, wo der Patient lebt, kommt Histoplasma capsulatum nicht vor – und der Mann hatte seine Heimat seit vielen Jahren nicht verlassen. Das letzte Mal, dass er sich in einer Gegend aufgehalten hatte, wo eine Ansteckung möglich gewesen wäre – ein Kurzbesuch in North Carolina – lag 30 Jahre zurück.

 

Wie äußert sich eine Histoplasmose?

Normalerweise zeigen sich die Symptome der Histoplasmose drei bis 17 Tage, nachdem die Sporen eingeatmet wurden. Meist kommt es zu einem trockenen Husten, Fieber und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Zusätzlich können Brustschmerzen und Gelenkschmerzen auftreten. Breitet sich die Infektion weiter im Körper aus, zeigen sich weitere Symptome wie Kurzatmigkeit, Gewichtsverlust und Aphthen.

Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem (beispielsweise HIV-Patienten) können die Histoplasmose-Symptome denen einer Blutvergiftung gleichen – es kommt zu Atemnot, Leber- oder Nierenversagen oder zum Schock. Unbehandelt kann die Infektion in schweren Fällen tödlich verlaufen.

In vielen Fällen verläuft die Histoplasmose auch „stumm“, also ohne Krankheitsanzeichen. Dass aber nach 30 Jahren die ersten Symptome auftreten, ist ungewöhnlich.

 

Geschwächtes Immunsystem fördert Ansteckung

Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind allgemein häufiger von einer Histoplasmose betroffen und zeigen bei einem Befall meist stärkere Symptome. Auch auf den Patienten aus Arizona trifft das zu: Im Jahr 1986 war bei ihm eine Herztransplantation durchgeführt worden. Um zu verhindern, dass der Körper das Spenderherz abstößt, musste er langfristig sogenannte Immunsuppressiva einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken.

Inzwischen durfte er die Klinik wieder verlassen und wird mit sogenannten Antimykotika (Anti-Pilz-Medikamenten) behandelt. Seine Ärzte wollen mit der Veröffentlichung ihres Berichts dazu aufrufen, den Verdacht einer Histoplasmose nicht vorschnell auszuschließen – auch, wenn der Betroffene sich schon Jahrzehnte lang nicht mehr in einer Region mit Histoplasma capsulatum aufgehalten hat.

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