Hirntoter nach Medikamententest

Das Biotrial-Labor in Rennes
Das Biotrial-Labor in Rennes, wo der tragische Unfall passierte: Sechs Probanden mussten in ein Krankenhaus eingeliefert werden, einer von ihnen ist hirntot © gettyimages

In Frankreich mussten sechs Probanden bei Medikamententests in eine Klinik gebracht werden – einer von ihnen ist hirntot. Getestet wurde ein Schmerzmittel eines europäischen Herstellers.

Wie das französische Gesundheitsministerium mitteilte, passierte bei Medikamententests in Frankreich ein „schwerer Unfall“. Sechs Studienteilnehmer wurden in das Universitätsklinikum in Rennes eingeliefert – einer von ihnen ist hirntot.

Laut Behördenangaben handelte es sich bei dem getesteten Medikament um ein Schmerzmittel eines europäischen Herstellers, das sich in einer Phase-I-Studie befand – das bedeutet, er wurde nach erfolgreichen Tierversuchen erstmals an gesunden Freiwilligen getestet.

 

Zwischenfälle „unglaublich selten“

Prof. Jayne Lawrence von der „Royal Pharmaceutical Society“ in Großbritannien kommentiert den Vorfall: „Diese Art Unfall ist tragisch aber sehr selten in der Welt klinischer Studien. Es gibt sehr strenge Vorschriften in der gesamten EU für die Durchführung klinischer Studien, wo ein Medikament erstmals an Menschen getestet wird (...). Alle Medikamente haben Nebenwirkungen, aber die fallen normalerweise mild aus und schwerwiegende Reaktionen sind unglaublich selten.“

 

Tragischer Vorfall 2006

Im Jahr 2006 hatte es in Großbritannien einen ähnlichen Vorfall gegeben. Damals wurde ein Medikament gegen Multiple Sklerose von einem deutschen Hersteller getestet. Sechs von acht Probanden erlitten multiples Organversagen und schwebten über mehrere Tage in Lebensgefahr. Daraufhin wurden die Vorschriften für Medikamententests verschärft. Das Unternehmen musste nach wenigen Monaten Insolvenz anmelden.

Hamburg, 15. Januar 2016

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