Kann dieses Gerät Alzheimer besiegen?

Verena Elson Medizinredakteurin
Deep Brain Stimulation Hirnschrittmacher
Die sogenannte tiefe Hirnstimulation kann Alzheimer-Patienten helfen, im Alltag wieder besser zurechtzukommen © Phanie / Alamy Stock Foto

Sogenannte Hirnschrittmacher werden seit Längerem bei der Behandlung von Parkinson eingesetzt – US-Forscher konnten jetzt zeigen, dass sie auch bei Alzheimer-Patienten eine deutliche Verbesserung der Symptome bewirken können.

Während sich viele Therapieansätze bei Alzheimer darauf konzentrieren, das Erinnerungsvermögen der Patienten zu erhalten beziehungsweise zu verbessern, ging es den Forschern des Ohio State University Wexner Medical Center vorrangig darum, den Betroffenen den Alltag zu erleichtern.

Denn Menschen mit Alzheimer haben mit fortschreitender Erkrankung zunehmend Schwierigkeiten damit, Situationen richtig einzuschätzen, Entscheidungen zu treffen und sich auf die Aufgabe zu konzentrieren, die sie gerade ausführen. „Diese Fähigkeiten sind notwendig, um tägliche Aufgaben zu erfüllen wie das Bett machen, eine Mahlzeit auswählen und sinnvolle Gespräche mit Freunden und Familienangehörigen zu führen“, sagt Dr. Douglas Scharre, Co-Autor der Studie.

 

So funktioniert der Hirnschrittmacher

Um diese Fähigkeiten bei Betroffenen zu verbessern, wandten die US-Forscher ein Verfahren an, das sich bereits bei der Behandlung von Parkinson-Patienten bewährt hat: Mit dem sogenannten Hirnschrittmacher werden bestimmte Hirnregionen stimuliert, um Vorgänge im Gehirn zu beeinflussen. Die Stimulation erfolgt über Elektroden, die in der betreffenden Hirnregion implantiert werden und mit einem Schrittmacher verbunden sind, der im Bereich des Schlüsselbeins eingesetzt wird. Die Elektroden geben regelmäßig schwache Stromstöße ab.

Bei Parkinson-Patienten zielt die Hirnstimulation auf die sogenannten Basalganglien ab, die unter anderem für die Kontrolle von Bewegungen zuständig sind. Durch die Stimulation werden Signale im Gehirn gehemmt, die beispielsweise Gang- und Gleichgewichtsstörungen bei den Patienten verursachen. Nach dem Eingriff können Betroffene häufig wieder gehen, schreiben oder ein Instrument spielen.  

 

Neue Hoffnung: Hirnschrittmacher auch bei Alzheimer

Für ihre Studie implantierten die US-Forscher den Hirnschrittmacher bei drei Patienten mit Alzheimer – und zwar in die sogenannten Frontallappen. „Die Frontallappen sind verantwortlich für unsere Fähigkeiten, Probleme zu lösen, zu organisieren und zu planen und unser Urteilsvermögen gut einzusetzen. Wenn wir diese Hirnregion stimulierten, nahmen die kognitiven und alltäglich-funktionalen Fähigkeiten der Probanden mit Alzheimer langsamer ab als bei Alzheimer-Patienten in einer Kontrollgruppe, die nicht mit einem Hirnschrittmacher behandelt wurde“, so Dr. Scharre.

In einigen Bereichen verbesserten sich die Fähigkeiten der Studienteilnehmer sogar, wie der Fall der Probandin LaVonne Moore aus Delaware in Ohio zeigte. Nach zwei Jahren mit dem Hirnschrittmacher konnte sie wieder eine einfache Mahlzeit zubereiten, einen Ausflug planen und organisieren und selbstständig ihre Kleidung auswählen – alles Fähigkeiten, die sie zu Studienbeginn 2013 bereits verloren hatte.

Heilen kann die Hirnstimulation die Alzheimer-Demenz nicht, betonen die Forscher – aber sie kann das Fortschreiten der Erkrankung verzögern und Betroffenen und deren Angehörigen zu mehr Lebensqualität verhelfen.

Die Forscher aus Ohio sind nicht die ersten, die die Hirnschrittmacher-Therapie bei Alzheimer-Patienten anwenden – entsprechende Studien wurden beispielsweise bereits an der Uniklinik in Köln durchgeführt. Doch die Forschung steht in diesem Bereich noch am Anfang. Das US-Team möchte in weiteren Studien herausfinden, ob es Möglichkeiten gibt, die Frontallappen ohne einen operativen Eingriff zu stimulieren – das würde die Behandlung risikoärmer und für mehr Patienten zugänglich machen.
 

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