Hirnhautentzündung durch Ziegenmilch?

Stephanie Pingel
FSME-Erreger können bei einem Zeckenstich übertragen werden
FSME-Erreger können bei einem Zeckenstich übertragen werden. In Deutschland gab es nun erstmals zwei Infektionen durch den Verzehr von Rohmilch © iStock

Normalerweise wird eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) durch Viren ausgelöst, die von Zecken übertragen werden. Zwei deutsche Patienten sind jetzt erstmals auf einem anderen Weg erkrankt.

Langsam beginnt wieder die Zeckenzeit – und Experten empfehlen besonders Menschen aus Regionen, in denen die Tiere häufig vorkommen, sich impfen zu lassen. Denn gerade im Süden Deutschlands trägt beinahe jede Zecke Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in sich. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die durch einen Zeckenstich ausgelöst werden kann und bei der sich sowohl die Hirnhäute, als auch das Rückenmark und das Gehirn entzünden können. Forscher der Universität Hohenheim raten jetzt zu einer weiteren Vorbeugungsmaßnahme der Krankheit: Wer sich nicht mit FSME anstecken will, sollte keine Rohmilch von Ziegen trinken.

 

Haben infizierte Ziegen auch infizierte Milch?

Der Hintergrund der Empfehlung: Im letzten Jahr untersuchten die Wissenschaftler zwei FSME-Patienten, die nicht von einer Zecke gestochen worden waren. Stattdessen hatten beide Betroffene Rohmilch von Ziegen getrunken. Offenbar waren die Tiere zuvor von Zecken gestochen worden und die FSME-Viren hatten sich bis in die Milch ausgebreitet. Laut den Forschern seien diese beiden Fälle die ersten in Deutschland, bei denen sich Menschen durch den Verzehr von Rohmilch mit FSME infiziert haben. In Osteuropa dagegen gab es bereits zuvor einige Berichte von Infektionen durch Milch. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, Rohmilch generell nur abgekocht zu verzehren. Da die FSME-Erreger hitzeempfindlich sind, werden sie dadurch abgetötet.

 

Auwaldzecke als neuer Überträger

Die Forscher der Universität Hohenheim haben außerdem einen neuen Träger des FSME-Erregers identifiziert: Die Auwaldzecke. Sie stammt ursprünglich aus Südeuropa, breitet sich aber durch Klimaveränderungen seit den 70er Jahren auch immer mehr in Nordeuropa aus. Man erkennt die Tiere an einer grau-schwarzen Marmorierung auf dem Rücken.

 

Wie reagiere ich nach einem Zeckenstich richtig?

Generell gilt: Die Zecke sollte nach einem Stich so schnell wie möglich entfernt werden. Während das Spinnentier herausgezogen wird, ist es wichtig, den Körper nicht zu stark zu quetschen – denn sonst gelangen die Bakterien leichter durch den Einstich ins Blut. Wer keine Erfahrung in der Entfernung von Zecken hat, sollte das besser von einem Arzt übernehmen lassen.

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