Hilft Kleidung aus Seide gegen Ekzeme?

Dr. med. Nadine Hess

Bei Ekzemen spielt die richtige Kleidung eine große Rolle. Oft wird dafür Seide als Stoff empfohlen – aber ist das wirklich sinnvoll? Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt die Ergebnisse einer neuen Studie.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Ekzeme werden in der Regel mit Medikamenten behandelt. Laut einer Studie kann das Tragen von Kleidung aus Seide die Beschwerden nicht signifikant verbessern.“ © Privat
 

Das sagt Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Besonders für Kinder sind Hautentzündungen lästig, da es ihnen oft sehr schwerfällt, den Juckreiz zu ignorieren und sie mit einer hohen Wahrscheinlichkeit wunde Stellen durch das Kratzen bekommen. Wichtig bei der Behandlung ist unter anderem, die Haut nicht noch weiter zu reizen – und dabei spielt die richtige Kleidung eine wichtige Rolle.

 

Seide gegen Ekzeme – ist das sinnvoll?

In der Regel werden bei Ekzemen weiche Stoffe – vor allem Seide – aber auch Baumwolle zum Tragen empfohlen. Grobe Materialien wie Wolle können den Juckreiz dagegen noch verstärken. Es gibt in vielen Ländern sogar spezielle, aber auch oft teure Seidenkleidung für Ekzempatienten, die die Haut besonders schonen und den Juckreiz vermindern soll. Englische Forscher haben nun erstmals untersucht, ob Seide die Symptome der Hautentzündung wirklich lindern kann. Ihr Fazit: Es macht im Vergleich keinen großen Unterschied bei den Beschwerden, ob man Kleidung aus Seide oder andere Stoffe trägt. Die Ergebnisse veröffentlichten Studienautorin Kim Thomas und ihre Kollegen der University of Nottingham im PLOS Medicine.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Es schadet nicht, ein Kind, das unter Ekzemen leidet, in weiche Stoffe zu kleiden. Allerdings verbessert es die Symptome wie Juckreiz auch nicht© iStock

Insgesamt wurden 300 Kinder zwischen einem und 15 Jahren, die bereits wegen wiederkehrender moderater bis starker Ekzeme in Behandlung waren, untersucht. Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Gruppen zugewiesen: Die erste Gruppe erhielt die Standardbehandlung bei Ekzemen und trug zusätzlich über den Untersuchungszeitraum von sechs Monaten hinweg Kleidung aus reiner Seide. Die zweite bekam nur die Standardbehandlung. Die Forscher untersuchten die Ausmaße und Symptome der Ekzeme zu Beginn der Studie sowie nach zwei, vier und sechs Monaten. Dabei stellte sich heraus, dass sich bei 25 Prozent der Kinder aus der ersten Gruppe während des Untersuchungszeitraums neue Ekzeme entwickelten oder dass sich die Symptome bereits bestehender Entzündungen verschlimmerten. Bei der zweiten Gruppe waren es 28 Prozent. Laut den Wissenschaftlern sei der prozentuale Unterschied von einem statistischen und klinischen Standpunkt aus betrachtet zu gering, um zu behaupten, dass Seide zu einer bemerkenswerten Verbesserung der Symptome geführt hätte. Dieses Ergebnis könne Eltern künftig bei der Entscheidung helfen, ob sie wirklich teure Kleidung aus Seide kaufen möchten, um die Ekzeme ihrer Kinder so verbessern.

 
 

Was hilft gegen Ekzeme?

Je nach Art der Hautreizung werden gegen Ekzeme in Absprache mit dem Arzt Medikamente eingesetzt. Dabei kommen beispielsweise entzündungshemmende Salben mit Cortison zum Einsatz. Auch Kühlende Umschläge können die Beschwerden mindern. Wenn die Behandlung der betroffenen Hautstelle allein nicht ausreicht, um die Symptome zu vermindern, wird die Therapie in der Regel auf den gesamten Körper ausgeweitet.

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