Hilfeschreie der Seele: Psychosomatische Erkrankung

Redaktion PraxisVITA
Angst kann zu psychosomatischen Krankheiten führen
Angst, Kummer und Stress können psychosomatische Erkrankungen wie Migräne, Tinnitus oder Gastritis begünstigen. Die Krankheit erhöht den Stress oft noch mehr. Wichtig ist dann der Ausbruch aus dieser Spirale, etwa mithilfe einer Gesprächstherapie © Fotolia

Von Gastritis bis Schuppenflechte: Rund 70 Prozent aller Krankheiten sind seelisch bedingt. Ein Fakt, den viele Mediziner leider übersehen. Welche Leiden SOS-Rufe der Seele sein können – und was gegen eine psychosomatische Erkrankung hilft.

 

Magenschleimhautentzündung (Gastritis): Wenn Ärger neuen Ärger schafft

Sie ist eine klassische psychosomatische Erkrankungen: eine Magenschleimhaut-Entzündung. Weil die Betroffenen ihren Ärger hinunterschlucken, staut er sich auf und verursacht entzündliche Prozesse, sagen Experten. Das hilft: Bei akuten Schmerzen und Krämpfen bringt Kamillentee erste Linderung. Doch das kann die Krankheit nicht heilen. Langfristig: Sorgen Sie für seelische Entlastung zum Beispiel durch Lach-Yoga. Auch Sport kann Ärger abbauen.

 

Migräne: Wenn die Nerven überreizt sind

Laut Erfahrungen aus der Praxis nehmen Migräne-Patienten emotionale Schwankungen besonders intensiv wahr, daher ist Migräne eine psychosomatische Erkrankung. Kommt noch eine zusätzliche Belastung wie Stress hinzu, bricht die Reizverarbeitung im Gehirn zusammen. Die Folge: Die Nerven sind überreizt, es entstehen kleinste Gefäßentzündungen, die den pochenden Schmerz verursachen. Das hilft: im Akutfall Schmerztabletten. Langfristig: Behandlung in einer psychosomatischen Schmerzklinik.

Psychosomatische Erkrankungen
Eine psychosomatische Erkrankung wie Migräne kann das Leben Betroffener stark einschränken© iStock
 
 

Schlafstörungen: Wenn Sorgen wach halten

Gerade Frauen nehmen ihre Sorgen mit ins Bett. Diese seelische Belastung bremst die Produktion des Schlafhormons Melatonin. Zusätzlich erscheinen nachts Probleme größer, weil der Körper bei Dunkelheit keine stimmungsaufhellenden Hormone produziert. Die Folge: Man kann nicht einschlafen. Das hilft: Vor dem Zubettgehen ein Glas warme Milch mit Honig trinken. Das harmonisiert den Hormonhaushalt. Langfristig: Einmal pro Woche Probleme mit dem Partner/einer Freundin besprechen.

 

Verdauungsprobleme: Wenn Stress auf den Darm schlägt

Jeder vierte Deutsche leidet unter dem Reizdarmsyndrom (RDS) – eine typische psychosomatische Erkrankung. Dabei wechseln sich Blähungen und Verstopfungen ab. Experten vermuten, dass die Kommunikation zwischen Gehirn und Verdauungssystem gestört ist – Ängste und unterdrückte Aggressionen können die Auslöser sein. Das hilft: bei leichten Beschwerden Fencheltee. Langfristig: Ursachenklärung bei einem Psychotherapeuten.

 

Tinnitus als psychosomatische Erkrankung: Wenn es im Ohr pfeift und brummt

Die nervigen Ohrgeräusche zählen zu den häufigsten Hilferufen der Seele und ist daher ebenfalls eine psychosomatische Erkrankung. Denn bei emotionaler Belastung schüttet die Nebenniere mehr Stresshormone (Cortisol) aus. Die Folge: Die Blutgerinnung steigt, was in den Gefäßen im Innenohr zu Durchblutungsstörungen führen kann – ein Tinnitus entsteht. Das hilft: Im Akutfall Infusionen beim HNO-Arzt und Akupunktur. Langfristig: Machen Sie unter Anleitung eines Psychotherapeuten ein Anti-Stress-Training.

Psychosomatische Erkrankungen
Auch Tinnitus ist eine häufige Folge von seelischem Ungleichgewicht© iStock
 

Herzrhythmus-Störungen: Wenn das Herz den Takt verliert

Betroffene nehmen es als Herzrasen oder -stolpern wahr. Neben Erkrankungen können Angst, Nervosität und Aufregung die Auslöser sein. Eine Abklärung der Ursache durch ein Langzeit-EKG ist deshalb unerlässlich. Lässt sich keine organische Ursache finden, sind Herz-Rhythmusstörungen häufig ein Hilferuf der Seele. Das hilft: Im Akutfall ein Glas kaltes Wasser mit Zucker in kleinen Schlucken trinken. Der folgende Kältereiz dämpft die Überaktivität des Herzens. Langfristig: Wer ohne körperlichen Befund unter unregelmäßigen Herzschlägen leidet, sollte einen Arzt für psychosomatische Medizin aufsuchen.

 

Haarausfall: Wenn das Immunsystem verrückt spielt

Chronischer Stress als psychosomatische Erkrankung kann sogar Haare kosten. Der Fachbegriff lautet Alopecia areata, kreisrunder Haarausfall. Dabei richtet sich das eigene Immunsystem gegen die Haarwurzelzellen und zerstört sie. Die Ursache dafür konnten Forscher bisher noch nicht entschlüsseln. Als sicher gilt, dass Stress zu den Auslösern zählt. Er bringt das Immunsystem so aus dem Gleichgewicht, dass es nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden kann. Das hilft: Biotin (Vitamin H, Drogerie) stärkt die Haarfolikel. Langfristig: Stressreduzierung durch Erlernen einer Entspannungsmethode, zum Beispiel nach Jacobson.

 

Schuppenflechte: Wenn Stress die Haut reizt

Konflikte, Ängste, Kränkungen, der Verlust eines geliebten Menschen – die Liste der möglichen Mitverursacher von Schuppenflechte ist lang. Bis heute ist nicht hundertprozentig erwiesen, was Schuppenflechte auslöst. Doch Dermatologen und Psychologen sind sich sicher, dass seelische Belastungen einen Entzündungsschub begünstigen. Das hilft: Basis-Hautpflege nach Absprache mit dem Hautarzt. Langfristig: Eine psychotherapeutische Therapie hilft aktuelle und zukünftige Konflikte besser zu bewältigen.

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