Hilfe, mein Kind will nicht essen!

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Wenn ein Kind länger als vier Wochen immer wieder das Essen verweigert, sollte ein Kinderarzt hinzugezogen werden, um eine Mangelernährung zu verhindern.“ © Privat

Laut einer neuen Studie kann Mangelernährung einem Kind besonders in den ersten Lebensjahren schaden. Doch was kann man tun, wenn der Nachwuchs einfach nicht essen mag? Kinderärztin Dr. Nadine Hess weiß Rat.

 

Das sagt Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Sitzen Sie auch oft mit Ihrem Kind zuhause beim Mittagessen und der Nachwuchs schiebt einfach  nur die Kartoffeln von einem Tellerrand zum anderen? Damit sind Sie nicht allein! Studien zeigen, dass jedes vierte Kind in den ersten drei Jahren eine vorrübergehende Essstörung hat – das kommt besonders häufig bei der Umstellung von Brei auf feste Nahrung vor. Laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychologie gehört Essverweigerung sogar zur Persönlichkeitsentwicklung des Kindes.

 

Wann ist es mehr als eine Phase?

Wenn ein Kind augenscheinlich sonst gesund ist, aber über mehr als vier Wochen hinweg immer wieder das Essen verweigert und jede Mahlzeit zum Kampf wird, sollte ein Kinderarzt hinzugezogen werden. Dieser kann schauen, ob irgendwelche körperlichen Probleme die Ursache sind. Ist das nicht der Fall, sollte professionelle Hilfe konsultiert werden. Es gibt verschiedene Ansätze, um Kindern das Essen wieder schmackhaft zu machen. Oft loten die Kleinen mit der Essverweigerung einfach ihre Grenzen aus. In diesen Fällen hilft es, ein gutes Vorbild zu sein: Bleiben Sie am Tisch sitzen, essen Sie in Ruhe Ihren Teller leer und weisen Sie das Kind auch darauf hin, dass es bis zum Abendbrot noch ein paar Stunden sind, in denen es dann nichts zu Essen gibt. Will der Nachwuchs trotzdem nicht, zwingen Sie ihn nicht – oft kommt der Hunger dann bei der nächsten Mahlzeit von ganz allein. Noch mehr Tipps zum Umgang mit Essverweigerern und auch selektiven Essgewohnheiten finden Sie im Artikel „Suppenkasper? So wird aus  „Mag ich nicht!“ ein „Mhhh!“.

Das Kind will nicht essen
Wenn das Kind bereits im Kindergarten hinterherhängt, lohnt es sich, einen Blick auf die Ernährung zu werfen© iStock
 

Warum ist eine ausgewogene Ernährung überhaupt so wichtig?

Besonders in den ersten fünf Lebensjahren spielt die Ernährung eine große Rolle für die kognitive und soziale Entwicklung des Kindes. Eine neue US-Studie hat das gerade wieder bestätigt: Forscher der Georgetown University und der University of Virginia analysierten Daten einer bereits vorhandenen Untersuchung zur Kindesentwicklung in den ersten Lebensjahren. Dabei konzentrierten sich die Wissenschaftler auf die Daten von insgesamt 3.700 Kindern aus Haushalten, die an oder unter der amerikanischen Armutsgrenze leben. Die betroffenen Kinder wurden im Alter von neun Monaten sowie nach zwei, vier und fünf Jahren untersucht und die Eltern parallel zu den Essgewohnheiten der Kinder und der generellen Lebenssituation befragt. Das Ergebnis: Kinder, die oft zu wenig aßen oder nur unausgewogen ernährt wurden, hatten im Vergleich mit ausgewogen ernährten Gleichaltrigen häufiger Schwierigkeiten, aufmerksam zu sein, hingen beim Lesen und Rechnen hinterher und litten eher an Hyperaktivität.

„Die Kinder bekommen durch die Mangelernährung nicht alle Nährstoffe, die sie brauchen, wodurch sich ihr Gehirn nicht altersgerecht entwickeln kann“, fasst Studienautorin Dr. Anna Johnson die Ergebnisse zusammen. Die ersten negativen Auswirkungen der Mangelernährung machten sich laut der Analyse bereits im Kindergarten bei vielen Betroffenen bemerkbar: Die Kinder waren sowohl im sozialen als auch im kognitiven Bereich im Rückstand – und konnten diesen meist auch nicht mehr aufholen. Genau an dieser Stelle muss nun laut den Forschern angesetzt werden: „Schon unsere Fähigkeiten im Kindergarten legen einen Grundstein für unseren späteren Erfolg. Wenn es uns gelingt, eine Mangelversorgung in diesem frühen Lebensabschnitt zu verhindern, haben die Kinder später bessere Erfolgsaussichten“, so Johnson.

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