Hilfe, mein Kind knirscht mit den Zähnen

Junge schläft im Bett
Ob nächtliches Zähneknirschen besorgniserregend ist, hängt vor allem vom Alter Ihres Kindes ab. © Alamy

Wenn Ihr Kind nachts mit den Zähnen knirscht, muss das nicht in jedem Fall ein beunruhigendes Zeichen sein. Es kommt dabei nämlich vor allem darauf an, wie alt Ihr Kind ist.

Bei Erwachsenen ist der Fall meistens eindeutig: Das nächtliche Knirschen (Bruxismus) wird durch Stress und Anspannung ausgelöst. In der Folge kann es zu Zahnabrieb, Muskelverspannungen und Schlafstörungen kommen.

Bei Kindern ist die Sachlage nicht so eindeutig. Hätten Sie zum Beispiel gewusst, dass etwa 20 Prozent aller Kinder regelmäßig mit den Zähnen knirschen? Das muss bei Kleinkindern aber nicht unbedingt Anlass zur Sorge sein. Babys fangen häufig mit dem Zusammenpressen der Zähne an, wenn sie das Zahnen gerade hinter sich haben. Durch das Aufeinanderpressen verringern sie den Wachstumsschmerz. Zähneknirschen am Tag kann auch einfach daher kommen, dass Ihr Nachwuchs noch am Ausprobieren ist, was mit den neu gewonnen Beißgeräten alles angestellt werden kann.

Weitere biologische Ursachen für Bruxismus bei Kindern können entstehen, wenn einzelne Milchzähne oder Zahngruppen das Wachstum neuer Zähne behindern. In diesem Fall neigen Kinder instinktiv dazu, vorstehende Zahnecken abzuschmirgeln (Abrasion). Aufmerksam sollten Eltern werden, wenn das Knirschen noch anhält, wenn das Kind bereits alle bleibenden Zähne hat. Beißschienen, die nachts getragen werden, können dann helfen, werden aber nicht von allen Kindern akzeptiert. Außerdem helfen die Schienen nur dabei, den Zahnschmelz zu schonen, ändern aber nicht viel an der Kieferbewegung.

 

Abklären: Was sind die Ursachen?

Neben einem Besuch beim Zahnarzt, der abklärt, wie stark die Abnutzungserscheinungen an den Zähnen sind, sollte nun herausgefunden werden, ob es auch seelische Gründe für das Knirschen gibt. Auch Kinder haben schon häufig unter Stress zu leiden, der sich unter anderem durch Bruxismus äußern kann. Dann sollte geklärt werden, woher der Stress oder die psychische Belastung kommt und wie man das Kind davor schützen kann. Handelt es sich um Stress, der durch ein zu anspruchsvolles Schulpensum bedingt ist, sollte Termine aus dem Kalender Ihres Kindes gestrichen werden. Manchmal hilft es auch schon ein für den Kopf anspruchsvolles Hobby (etwa Geigenunterricht) durch ein körperbetonteres Hobby wie Fußball auszutauschen. Kinder sprechen außerdem häufig besser auf Entspannungstherapien an, als Erwachsene. Zu empfehlen sind hier Phantasie-Reisen vor dem Schlafengehen oder Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen und Autogenes Training.

 

Entspannungsübungen vor dem Einschlafen

Die Übungen sollten als regelmäßiges Ritual vor dem Schlafengehen durchgeführt werden. Bei der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobsen werden nach und nach einzelne Muskelgruppen angespannt und wieder entspannt. Dadurch können gezielt Anspannungen im Körper identifiziert werden. Die Übungen kann Ihr Kind durchführen, wenn es bereits im Bett liegt. Arbeiten Sie sich gemeinsam von den Füßen bis zum Kopf vor. Das Kind soll dabei einzelne Körperteile immer für zehn Sekunden anspannen und dann für jeweils 30 Sekunden entspannen. Oft hilft es, wenn Sie als Elternteil dabei die Hand auflegen und Ihrem Kind sagen, ob der betreffende Körperteil wirklich vollkommen entspannt ist.

Autogenes Training eignet sich gut für etwas ältere Kinder und Jugendliche. Hier helfen Übungen, bei den sich das Kind bestimmte Sätze verinnerlicht. Etwa „Mein Atem fließt ruhig und gleichmäßig" oder „Die Arme und Beine sind ganz schwer."

Laut einer Studie leidet fast jedes sechste Kind (18 Prozent) und jeder fünfte Jugendliche (19 Prozent) unter Stress.

Hamburg, 02. August 2016

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