Hilfe – mein Kind hat Scharlach!

Dr. med. Nadine Heß

Scharlach tritt besonders häufig bei kleinen Kindern auf. Unsere Expertin Dr. Nadine Hess erklärt, warum die Infektionskrankheit im Gegensatz zu anderen Kinderkrankheiten immer wieder kommen kann und warum Eltern den Kindergarten oder die Schule verständigen müssen.

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Scharlach ist unbehandelt sehr ansteckend – fahren Sie deshalb bei Verdacht auf die Krankheit am besten sofort zum Kinderarzt.“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Es beginnt mit typischen Erkältungssymptomen wie Halsschmerzen, Schluckproblemen und Kopfschmerzen, die Eltern meist noch nicht sonderlich beunruhigen. Spätestens aber, wenn das Kind dann noch einen Hautausschlag bekommt, sollten Sie mit ihm dringend zum Kinderarzt – vermutlich hat Ihr Nachwuchs Scharlach! Dabei handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die besonders häufig Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter betrifft.

 

Scharlach kann mehrfach ausbrechen

Im Gegensatz zu anderen Kinderkrankheiten wie Masern oder Mumps hinterlässt Scharlach keine vollständige Immunisierung. Verantwortlich für die Krankheit sind bestimmte Bakterien, nämlich die sogenannten A-Streptokokken. Sie bilden Giftstoffe, die Scharlach auslösen können. Dabei wird aber leider nicht nur ein einziger Giftstoff gebildet, sondern verschiedene. Wer erkrankt, ist anschließend nur gegen genau den Giftstoff immun, der die Krankheit verursacht hat – daher ist es möglich, mehrfach Scharlach zu bekommen – insgesamt bis zu vier Mal.

Übertragen wird die Krankheit meist durch eine Tröpfcheninfektion, also beispielsweise durch Niesen oder Husten. Neben den anfänglichen erkältungsartigen Symptomen fällt zu Beginn der Krankheit meist ein geröteter Gaumen und Rachen auf. Nach einem bis zwei Tagen bildet sich ein (selten juckender) Hautausschlag. Bei Kindern beginnt dieser oft in der Leistengegend und weitet sich nach und nach über die Achseln, den Brustkorb und schließlich den gesamten Körper aus. Der Ausschlag verschwindet erst nach etwa sechs bis neun Tagen. Ein weiteres typisches Symptom für Scharlach ist die sogenannte „Himbeerzunge“: Am Anfang der Krankheit bildet sich ein weißer Belag auf der Zunge, nach einigen Tagen färbt sie sich rötlich. Schließlich beginnt die Haut etwa eine Woche nach Ausbruch der Krankheit damit, sich zu schuppen.

 

Scharlach – ein Fall für Antibiotika

In der Regel muss Scharlach mit Antibiotika behandelt werden. Dadurch wird auch die Ansteckungsgefahr gemindert: Bereits zwei Tage nach dem Beginn der Behandlung sind die Patienten nicht mehr ansteckend. In den meisten Fällen wird dafür Penicillin verabreicht. Die medikamentöse Behandlung von Scharlach ist auch deshalb so wichtig, weil die Infektion ansonsten schwere Folgeerkrankungen auslösen kann. Dazu gehört beispielsweise akutes rheumatisches Fieber. Dieses kann zu Entzündungen in den großen Gelenken wie den Kniegelenken, dem Herzmuskel, dem Herzbeutel, den Herzklappen sowie der Nieren führen. Im schlimmsten Fall können dadurch bleibende Schäden entstehen.

Junge im Bett mit Scharlach
Ihr Kind sollte sich nach einer Scharlach-Infektion ein paar Tage zu Hause erholen, bevor es wieder soziale Einrichtungen wie den Kindergarten oder die Schule besuchen kann© Fotolia
 

Eine Infektion mit Meldepflicht

Da Scharlach unbehandelt stark ansteckend ist, sollte Ihr Kind nicht nur unbedingt das Bett hüten. Sie müssen auch umgehend den Kindergarten oder die Schule über die Krankheit informieren. Generell gilt: Patienten sollten den Kontakt mit anderen Menschen so gut es geht meiden. Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie Ihr krankes Kind alleine lassen sollen. Aber je früher die Infektion festgestellt und mit Antibiotika behandelt wird, desto geringer ist das Risiko der Ansteckung. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind im Bett bleibt und verabreichen Sie ihm vor allem warme Getränke und weiche Nahrung, beispielsweise Suppe oder Brei. Kräutertee und Wasser eignen sich besonders gut für die Flüssigkeitszufuhr.

Das Antibiotikum muss meist je nach Fall zwischen acht und zehn Tagen genommen werden. Um Komplikationen zu vermeiden, sollten die Behandlung nicht vorher abgebrochen werden, auch wenn sich das Kind in der Zwischenzeit bereits wieder gut fühlt. Generell gilt, dass sich der kleine Patient ein paar Tage zu Hause erholen sollte, bevor er wieder die Schule oder den Kindergarten besuchen kann.

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