Hilfe für Alzheimerpatienten: Frische Gehirnzellen bringen Gedächtnis zurück

Hilfe für Alzheimerpatienten
Forscher fanden einen Weg, mithilfe der Transplantation von gesunden Nervenzellen in das Gehirn, Alzheimer-bedingte Gedächtnisstörungen langfristig zu heilen © Fotolia

Mit der Transplantation von neuen Gehirnzellen gelang es Forschern Alzheimer-bedingte Lern- und Gedächtnisschäden wiederherzustellen. Die aktuelle Studie könnte den Weg zu einer neuen Behandlungsmethode für Demenzerkrankte aufzeigen. Bisher galt es als unmöglich, funktionierende Nervenzellen dem Gehirn hinzuzufügen. Lesen Sie bei Praxisvita, wie die Forscher das medizinische Wunder fertiggebracht haben.

Erstmals gelang einem Forscherteam die „funktionale Integration von Nervenzellen in den Hippocampus“ – oder anders gesagt, die Transplantation gesunder Gehirnzellen in den Bereich des Gehirns, der bei Menschen maßgeblich für Erinnerung und Lernfähigkeit verantwortlich ist. Auf diese Weise konnten die Mediziner Alzheimer-bedingte Lern- und Gedächtnisschäden vollständig wiederherstellen. Veröffentlicht wurde die Studie des Gladstone Instituts der University of California kürzlich in dem renommierten Fachmagazin Journal of Neuroscience.

Das an einem sogenannten „gealterten Mausmodell“ – also alte Mäuse, die an Alzheimer leiden – getestete Verfahren ist nicht weniger als eine wissenschaftliche Sensation, denn es galt bisher als unmöglich lebende Nervenzellen in ein Gehirn zu transplantieren.

 

Protein beschädigt Regulatorzellen im Gehirn

Obwohl die genauen Ursachen von Alzheimer nach wie vor unklar sind, konnten Mediziner in der Vergangenheit zumindest einen wichtigen Faktor für den mit der Krankheit einhergehenden Verlust der Gedächtnis- und Lernfähigkeit identifizieren: Das sogenannte Protein E4 (ApoE4). Forschungen haben gezeigt, dass dieses Protein – nachgewiesen bei rund 75 Prozent der Alzheimerpatienten – verantwortlich ist für die Zurückbildung der sogenannten inhibitorischen Regulatorzellen. Diese Nervenzellen besitzen wiederum eine entscheidende Rolle für die normalen, kognitiven Funktionen des Gehirns.

Die an der aktuellen Studie beteiligten Forscher berichten, das die in Zusammenhang mit Alzheimer auftretenden Proteine besonders im Speicher- und Erinnerungszentrum des Gehirns – dem Hippocampus – die wichtigen Regulatorzellen beschädigen und damit zu den typischen Alzheimer-Symptomen führen

 

Kann man Gehirnzellen nachfüllen?

Vor diesem Hintergrund fragte sich das US-amerikanische Forscherteam unter Leitung von Professor Yadong Huang, ob es möglich ist, die durch das AppE4-Gen beschädigten Regulatorzellen durch gesunde Nervenzellen zu ersetzen und so den Alzheimer-bedingten Lern- und Gedächtnisverlust zu „restaurieren“.

Um das zu schaffen, bedienten sich die Wissenschaftler schließlich eines Tricks. Anstatt die Gehirnzellen direkt nachzufüllen, transplantierten sie Nervenzellen im Frühstadium – sogenannte „Inhibitory-Neuron-Progenitors-Early-Stage-Brain-Cells“ –, die nach der Verpflanzung im Gehirn zu gesunden Regulatorzellen reifen.
Tatsächlich funktionierten die transplantierten Regulatorzellen normal und glichen den Alzheimer-bedingten Lern- und Gedächtnisverlust vollständig aus. Überraschender Weise stellte sich dabei heraus, dass die frischen Nervenzellen offensichtlich nicht – wie ihre regulatorischen Vorgänger – von dem ApoE4-Gen beschädigt wurden, was von Professor Huang als bedeutende Erkenntnis bei der Suche nach einem Verfahren, das eine dauerhafte Gedächtniswiederherstellung von Alzheimerpatienten, ermöglicht.

Hamburg, 17. Juli 2014

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