Hilfe bei Grünem Star: Was funktioniert wirklich?

Bei Grünen Star Sehnerv schlecht durchblutet
Bei einem Grünen Star ist der Sehnerv schlecht durchblutet und verliert dadurch Nervenfasern © iStock

Durch einen kleinen operativen Eingriff kann Grüner Star jetzt aufgehalten werden – und gleichzeitig wird Grauer Star geheilt. Wie die neue Hilfe bei Grünem Star aussieht, erfahren Sie hier.

Michaela M. fühlte sich vom Schicksal schwer geschlagen. Gleich zwei schlimme Diagnosen stellte ihr der Augenarzt. Zuerst hieß es, die 45-Jährige leide ungewöhnlich früh an grauem Star. Dann kam auch noch der grüne Star hinzu. Eine Erkrankung, die im Endstadium zur Erblindung führen kann. Doch gerade der Umstand, dass Michaela M. beide Erkrankungen auf einmal hatte, war für sie von Vorteil. Denn so kam sie für eine neuartige Operation infrage, die als beste Hilfe bei Grünem Star gehandelt wird.

 

Zusätzlicher Schnitt: Hilfe bei Grünem Star

Dabei wird während der normalen Operation des grauen Stars ein zusätzlicher Schnitt gemacht. Er nimmt übermäßigen Druck vom Auge und kann so den grünen Star zum Stillstand bringen. „Denn den grünen Star kann man zwar nicht heilen, aber aufhalten", sagt Augenarzt Dr. Christoph Tornow von der Park-Klinik Manhagen.

 

Eine halbe Million Fälle von Grauen Star

Der graue Star (Katarakt) ist eine der häufigsten Augen-Erkrankungen überhaupt. Ihr Kennzeichen ist eine immer trüber werdende Linse. Die einzige Methode zur Heilung ist die Operation. Sie wird in Deutschland etwa eine halbe Million Mal pro Jahr durchgeführt. Es ist ein schwieriger Eingriff, der aber durch die hohe Zahl der Fälle für viele Operateure Routine geworden ist, sagt Dr. Tornow. Eigentlich handelt es sich um eine typische Alterskrankheit. Sie kann in seltenen Fällen aber auch in jüngerem Alter auftreten. Etwa einer von 20 Patienten hat zusätzlich zum grauen auch den grünen Star. Bei der Katarakt-OP wird die getrübte Linse mechanisch zerkleinert und dann durch einen etwa drei bis fünf Millimeter kleinen Schnitt abgesaugt. Danach wird eine Kunstlinse eingesetzt. Dieser Eingriff dauert circa eine halbe Stunde.

 

Ein schlecht versorgter Sehnerv begünstigt Grünen Star

  • Welche Brechkraft die Kunstlinse haben muss, kann der Augenarzt vorher genau berechnen.
  • Beim grünen Star (Glaukom) ist dagegen nicht die Linse betroffen, sondern der Sehnerv. Er wird schlecht durchblutet und verliert Nervenfasern. Hauptursache ist ein zu hoher Augeninnendruck.
 

Bislang aufwendige OP bei Grünen Star

Die herkömmliche Hilfe bei Grünem Star besteht in einer Tropfen-Therapie. „Mindestens die Hälfte der Patientinnen wendet die Augentropfen aber nicht regelmäßig an", sagt Dr. Tornow. Hilft die Therapie aus diesem oder anderen Gründen nicht, konnte bislang nur in einer aufwendigen OP, zum Beispiel mit einem Laser, ein Abfluss für das Kammerwasser geschaffen werden.

Grüner Star
Eine neue Operationstechnik verspricht schnelle Hilfe bei Grünem Star© Fotolia
 

Katarakt-OP hilft auch bei Grünen Star

Bei der neuen Operation kann man jetzt den grauen und grünen Star gemeinsam behandeln. Dr. Tornow hat die Methode anderthalb Jahre lang mit großem Erfolg getestet. „Bei der Katarakt-OP können wir auch gleich mit einem kleinen Schnitt einen Abfluss für die Flüssigkeit im Auge schaffen. Der Eingriff dauert so nur etwa 15 Minuten länger. Nach vier bis sechs Wochen ist das Auge verheilt." Bei dem Schnitt wird so viel Gewebe entfernt, dass er nicht wieder zuwächst. Der Druck wird also dauerhaft vom Auge genommen, der Sehnerv leidet nicht weiter.

 

Früherkennung gibt Ihnen Sicherheit

Testen lassen:

Ab 40 Jahren sollte man alle zwei Jahre den Augeninnendruck messen lassen (20 bis 40 Euro). Wer sichergehen will, lässt den Arzt auch den Augenhintergrund und den Sehnerv kontrollieren. Nur so kann ein Glaukom erkannt werden.

Kassen zahle folgende Hilfe bei Grünem Star:

Wenn Sie zu einer Risiko-Gruppe gehören, also zum Beispiel stark kurzsichtig sind, Augenverletzungen hatten oder einen zu kurzen Augapfel haben, übernehmen auch die gesetzlichen Kassen die Kosten der Vorsorgeuntersuchung.

Blutzucker kontrollieren:

Diabetiker laufen Gefahr, eine spezielle Form des grünen Stars zu entwickeln. Denn ein zu hoher Zuckerspiegel schädigt die kleinsten Blutgefäße – auch die im Auge. So werden die Zellen der Netzhaut schlechter versorgt, ein Sekundärglaukom entsteht. Lassen Sie Ihren Blutzucker vom Arzt optimal einstellen.

 

Hoher Druck schädigt den Sehnerv

Es gibt verschiedene Formen des grünen Stars. Am häufigsten ist das sogenannte Offenwinkel-Glaukom. Vor der Linse zirkuliert das Kammerwasser. Bei einem Glaukom ist meist der Abfluss dieses Kammerwassers behindert. Dann steigt der Innendruck im Auge. Der hohe Druck schädigt mit der Zeit die empfindlichen Zellen am Augenhintergrund. Sie werden nicht mehr ausreichend durchblutet, sterben ab und der Sehnerv leidet. Wenn der Patient das bemerkt, ist es meist schon zu spät. Sicherheit bieten Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt.

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