Hexenzahn: Gefahr für Mutter und Kind?

Stephanie Pingel Medizinredakteurin
Hexenzahn
Ein Baby in Großbritannien wurde mit zwei sogenannten Hexenzähnen geboren © PeopleImages/iStock

In Großbritannien ist ein Baby mit zwei Zähnen geboren worden. Doch wie kommt es zu einem so genannten Hexenzahn und birgt er Risiken für Mutter und Kind? PraxisVITA klärt auf!

Die kleine Ella-Rose in Großbritannien sorgte direkt nach ihrer Geburt für Erstaunen bei ihren Eltern und den Ärzten: Das Mädchen kam mit zwei kleinen Zähnchen zur Welt. Normalerweise beginnen Babys erst in einem Alter ab sechs Monaten mit dem Zahnen – der sogenannte Hexenzahn ist ein recht seltenes Geburtsphänomen, das bei einem von rund 2.000 Babys auftritt. Dass Ella-Rose sogar gleich zwei davon hat, ist ein extrem ungewöhnlicher Fall.

 

Wie entsteht ein Hexenzahn?

Hexenzähnchen können zwei verschiedene Ursachen haben: Meistens handelt es sich einfach um einen bereits durchgewachsenen Milchzahn (Dens natalis). Falls dieser ausfällt, bleibt eine Zahnlücke bestehen, bis die zweiten Zähne kommen – deshalb wird meist versucht, diese Form des Hexenzahns zu erhalten. Manchmal kann jedoch auch eine fehlgebildete Zahnentwicklung verantwortlich sein. In diesen Fällen ist der Zahn Teil einer sogenannten versprengten Zahnleiste („prälaktaler Zahn“) und deshalb auch instabil: Ihm fehlt eine feste Wurzelstruktur und er ist lediglich durch Weichgewebe befestigt. Man erkennt einen solchen Hexenzahn daran, dass er sich bewegen lässt. Oftmals fällt er von alleine aus, wenn das Baby mit dem Saugen beginnt. Eltern sollten also anfangs unbedingt darauf achten, ob sich der Zahn löst, damit das Baby ihn nicht versehentlich verschluckt.

 

Stellen Hexenzähnchen eine Gefahr dar?

In der Regel ist der Hexenzahn ungefährlich – um die Brust der Mutter beim Stillen zu schützen, gibt es spezielle Schutzklappen. Dennoch sollte ein Zahnarzt das Baby zumindest einmal untersuchen, denn in manchen Fällen ist der Zahn besonders spitz, wodurch sich der Säugling beispielsweise an der Zunge schneiden kann. Dann ist es sinnvoll, den Zahn zu entfernen. Sofern er keine Beschwerden macht, kann der Hexenzahn aber auch einfach im Mund verbleiben.

Normalerweise ist ein Hexenzahn also kein Grund zur Sorge. Es gibt zwar auch einige Krankheiten, für die das Phänomen ein Symptom sein kann – diese sind allerdings äußerst selten. Dazu zählt beispielsweise das sogenannte Ellisvan-Creveld-Syndrom, von dem weltweit nur 150 Fälle dokumentiert sind. Die unheilbare Erbkrankheit kann unter anderem Wuchsstörungen und Herzfehler auslösen. Ebenso selten treten das Hallermann-Streiff-Syndrom (auch Vogelkrankheit), das Pierre-Robin-Syndrom oder das Sotos-Syndrom auf, die verschiedene Fehlbildungen verursachen können. Allerdings gibt es weltweit bei jeder dieser Erkrankungen nur 100 bis 200 dokumentierte Fälle. Durch eine ärztliche Untersuchung lassen sich die Krankheiten auch schnell ausschließen.

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