Herzrasen nach Alkohol: Kann das gefährlich werden?

Alkohol greift auf vielfältige Weise in die biochemischen Prozesse des Körpers ein. Verwunderlich ist es daher nicht, dass sich Herzrasen nach Alkohol einstellen kann. Aber woran genau liegt es, dass das Herz selbst nach nur einem Glas Wein oder Bier anfängt zu rasen? Ein Überblick über die Ursachen und was man tun kann.

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Herzrasen nach Alkohol ist ein weit verbreitetes Phänomen. Das jedenfalls offenbart eine im Jahr 2015 durchgeführte Studie auf dem Oktoberfest. EKG-Aufzeichnungen zeigten, dass rund ein Viertel aller Bierzeltbesucher akutes Herzrasen aufwiesen. Von Pulsveränderungen sind jedoch nicht nur Menschen, die viel trinken, betroffen. Bereits geringe Mengen Alkohol können das Herz zum Rasen bringen.

Eine Frau mit einem Glas Wein in der Hand
Schon nach einem Glas Wein kann sich Herzrasen einstellen. Die Gründe dafür sind vielfältig Foto: iStock_Iuliia Pilipeichenko

Herzrasen nach Alkohol: Was ist eine Tachykardie?

Das Herz erwachsener Menschen schlägt normalerweise 60 bis 80 Mal pro Minute. Ab einer Herzfrequenz von 100 Mal pro Minute sprechen Mediziner von Herzrasen (Tachykardie). Ist Alkohol der Auslöser, wird der hohe Puls von weiteren Symptomen der Alkoholisierung begleitet wie Schwindel, Übelkeit und Ohrensausen.

Das Herzklopfen kann sowohl während als auch nach dem Konsum von Alkohol einsetzen. Wie viel man trinkt, ist dabei nicht der ausschlaggebende Faktor. Viel entscheidender ist die individuelle Alkoholverträglichkeit. So muss man nicht unbedingt über die Stränge geschlagen haben, wenn Herzrasen auftritt.

Alkohol kann zu Herzinsuffizienz führen

Bei Menschen mit einer Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck kann Alkohol eine stärkere Wirkung auf das Herz haben. Gleichzeitig kann Alkohol eine bestimmte Form der Herzinsuffizienz, die sich unter anderem durch Herzrasen äußern kann, begünstigen. Bei der sogenannten alkoholischen Kardiomyopathie führt das Ethanol-Abbauprodukt Acetaldehyd zum irreparablen Absterben von Herzmuskelzellen – das Herz vernarbt und wird nachhaltig geschädigt.

Nach Alkohol Herzrasen wegen Alkoholunverträglichkeit

Wer immer wieder Herzrasen durch Alkohol hat, könnte an einer Alkoholintoleranz leiden. Die Unverträglichkeit kann sich durch Symptome ähnlich einer Allergie äußern. Neben einer hohen Herzfrequenz können Rötungen und Schwellungen im Gesicht sowie Magenbeschwerden auftreten. Die Beschwerden entstehen, weil der Körper den Alkohol nicht richtig abbauen kann. Verantwortlich dafür ist ein genetisch bedingter Mangel an bestimmten Enzymen, die in der Leber am Abbau von Alkohol beteiligt sind.

Herzklopfen nach Alkohol: Ist es eine Alkoholvergiftung?

Wenn sich Herzklopfen während oder nach Alkoholkonsum bemerkbar macht, kann das ein Symptom einer Alkoholvergiftung sein. Eine mittelschwere Alkoholvergiftung setzt ab einem Promillewert von 2,0 Promille ein. Betroffene leiden dann unter Koordinations- und Sprachstörungen, Amnesie („Filmrisse“) und Erbrechen.

Ein Wert über 2,5 bis 4,0 Promille kann zu Bewusstlosigkeit und einem Schockzustand führen, der sich durch Herzrasen ankündigen kann. Bei einer Alkoholunverträglichkeit ist die individuell verträgliche Promillegrenze jedoch sehr viel niedriger.

Schilddrüsenerkrankung und Hashimoto können Herzrasen nach Alkohol auslösen

Wenn das Herzrasen regelmäßig und auch unabhängig von Alkoholkonsum auftritt, kann dies ein Zeichen für eine Stoffwechselerkrankung sein. So kann der Puls etwa durch eine Schilddrüsenüberfunktion steigen. Weil sich zu viele Schilddrüsenhormone im Körper befinden, geraten die Körperfunktionen, darunter auch die Herzfrequenz, aus demTakt. Typische Symptome sind innere Unruhe, Zittern, Bluthochdruck – und Herzrasen.

Auch Hashimoto kann einen hohen Puls durch Alkohol begünstigen. Die Autoimmunerkrankung, bei der die Schilddrüse langsam zersetzt wird, beginnt mit Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion und geht im weiteren Verlauf in eine Schilddrüsenunterfunktion über.

Herzrasen nachts wegen Alkohol – daran liegt es

Als Erklärung für Herzrasen nach Alkohol kommen zwei Wirkmechanismen in Betracht, wenn keine Erkrankung oder Unverträglichkeit vorliegt: Zum einen weitet Alkohol die Gefäße, sodass der Blutdruck sinkt. Darauf reagiert der Körper mit einem erhöhten Puls, damit noch ausreichend sauerstoffreiches Blut durch die Gefäße gepumpt werden kann.

Zum anderen wirkt Alkohol auf den Sympathikus, der zum unwillkürlichen vegetativen Nervensystem gehört und in Stresssituationen aktiviert wird. Dominiert der Sympathikus, stößt der Körper Stresshormone aus, was den Puls steigen lässt. Das passiert jedoch erst, wenn der Alkohol abgebaut wird. Darum kann gerade nachts Herzrasen nach einem alkoholreichen Abend auftreten.

Panikattacken und Herzrasen nach Alkohol: Symptome von „Hangxiety“

Alkohol versetzt den Körper zunächst in einen losgelösten, euphorischen Zustand, der am nächsten Tag von einer depressiven Verstimmung abgelöst wird. Auch Angst und Panikattacken können hinzukommen. Die Angstzustände nach übermäßigem Alkoholkonsum werden als „Hangxiety“ bezeichnet. Der Begriff setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern „hangover“ (deutsch: „Kater“) und „anxiety“ (deutsch: Angst).

Durch Alkohol werden Gaba-Rezeptoren aktiviert, die angstlösend und beruhigend wirken. Damit der Körper dennoch bewegungsfähig bleibt, setzt das Gehirn gleichzeitig aufputschende Stoffe frei. Diese befinden sich noch im Blut, wenn die Wirkung des Alkohols bereits nachgelassen hat. Die Folge: Starke Angstgefühle und innere Unruhe, die von einem hohen Puls begleitet wird.

„Holiday-Heart-Syndrom“: Herzrhythmusstörungen nach Alkohol

Dass Herzrasen und Alkohol im direkten Zusammenhang stehen und dieser gar nicht so selten auftritt, zeigt sich am Beispiel des Holiday-Heart-Syndroms. Es beschreibt den Umstand, dass gesunde und auch junge Menschen nach zumeist starkem Alkoholkonsum – z.B. in einem Party-Urlaub – vorübergehend an Herzrasen und Vorhofflimmern leiden. Das Herz schlägt dann nicht nur schnell, sondern auch unregelmäßig.

Lebensgefährlich ist kurzzeitiges Vorhofflimmern nicht, allerdings erhöht es dauerhaft das Risiko für einen Herzinfarkt und Schlaganfall.

Hoher Puls durch Alkohol: Wechseljahre als möglicher Auslöser

Besonders Frauen in den Wechseljahren können schnell einen hohen Puls nach Alkohol bekommen. Herz-Kreislauf-Beschwerden treten aufgrund der hormonellen Veränderungen in der Menopause häufig auf. Denn der Progesteron- und Östrogenmangel hat einen Einfluss auf die Herzfunktion. Zudem kann Herzrasen ein Begleitsymptom von typischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen sein, die durch Alkoholkonsum ausgelöst oder noch verstärkt werden können.

Was tun gegen Herzrasen nach Alkohol?

Wenn Herzrasen während oder nach dem Alkoholkonsum einsetzt, sollte die erste Maßnahme darin bestehen, sofort mit dem Trinken aufzuhören und den Körper mit Wasser zu versorgen – dadurch ziehen sich die Blutgefäße zusammen und der Blutdruck steigt. Setzt das Herzrasen erst einige Stunden nach dem Alkoholkonsum ein, hilft nur Ausnüchtern. Die Beschwerden können so lange bestehen, bis der Alkohol aus dem Körper ausgeschieden ist.

Durchschnittlich baut der Körper 0,1 Promille pro Stunde ab – den Großteil über die Leber. Bei Männern verläuft der Abbauprozess etwas schneller. Nach einer durchzechten Nacht sollte man dem Körper viel Flüssigkeit und Mineralstoffe zuführen. Die Tätigkeit der Leber lässt sich durch viel Ruhe und Schlaf beschleunigen. So kann sich der Körper nämlich darauf konzentrieren, den Restalkohol abzubauen.

Besteht Verdacht auf eine Alkoholvergiftung, misst der Arzt oder die Ärztin den Blutalkoholspiegel, den Blutdruck und den Puls. Zusätzlich kann ein EKG durchgeführt werden, um die Herzfunktion zu untersuchen. Starke Vergiftungssymptome wie häufiges Erbrechen können mittels Elektrolytlösungen behandelt werden.

Vorbeugen lässt sich Herzrasen nach Alkohol nur, indem man den Konsum einschränkt oder gänzlich darauf verzichtet – das tut nicht nur Herz und Gefäßen gut, sondern dem gesamten Körper.

Quellen:

Tachykardie, in:kardionetzwerk.de

Vorhofflimmern: Bereits geringe Mengen Alkohol erhöhen das Risiko, in: herzstiftung.de

Herzrhythmusstörungen, in: amboss.com