Herzmuskelentzündung bei Biontech: Paul-Ehrlich-Institut reagiert

Ines Fedder Medizinredakteurin

Können nach einer Corona-Impfung mit dem Vakzin von Biontech schwerwiegende Herzmuskelentzündungen auftreten? Nachdem die israelische Gesundheitsbehörde einen Zusammenhang sieht und auch die USA eine mögliche Verbindung prüft, äußert sich nun auch das Paul-Ehrlich-Institut zu dem Verdacht.

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Nachdem die ersten Fälle von Herzmuskelentzündungen in Verbindung mit einer Biontech-Impfung in Israel aufgefallen sind, prüft nun auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) einen Zusammenhang. Im aktuellen Lagebericht äußerte sich das PEI und erklärt, dass man sich bisher kein "klares" Bild diesbezüglich machen könne.

Zwar habe man "zunehmend" Meldungen über einen Verdacht von Myokarditis im zeitlichen Zusammenhang mit der Verabreichung von mRNA-Impfstoffen erhalten, allerdings weise nichts auf ein Risikosignal hin. Wenn man die Fälle ins Verhältnis setze, könne man nicht sicher davon ausgehen, dass die Herzmuskelentzündungen nicht auch ohne eine Impfung erwartbar wären. Bislang sind dem Paul-Ehrlich-Institut 92 Fälle bekannt.

 

Paul-Ehrlich-Institut zu Herzmuskelentzündungen bei Jüngeren nach mRNA-Impfungen

Es fehle laut dem Paul-Ehrlich-Institut schlichtweg an Daten um zu beurteilen, "ob die Zahl der gemeldeten Fälle einer (Peri)myokarditis in jüngeren Altersgruppen höher ist, als statistisch zufällig in ihrer Altersgruppe zu erwarten wäre", so heißt es im aktuellen Sicherheitsbericht des PEI.

Kann nun also eine Biontech-Impfung möglicherweise zu einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) führen oder nicht? Dieser Frage ging auch die israelische Gesundheitsbehörde nach. Und kommt zu einem anderen Ergebnis als das Paul-Ehrlich-Institut.

Denn nachdem in Israel bereits 275 Fälle im Zusammenhang mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff aufgetreten sind, bestätigt die israelische Gesundheitsbehörde nun offiziell: Ja, es gibt einen Zusammenhang. Zuvor zeigte sich die Behörde wegen des Verdachts noch zögerlich.

 

Biontech: Herzmuskelentzündung steht im Zusammenhang mit Impfung

275 gemeldete Fälle von Herzmuskelentzündungen nach einer Biontech-Impfung - die Bilanz der umfangreichen Impf-Kampagne in Israel im Zeitraum von Dezemer 2020 bis Mai 2021. Eine vergleichsweise geringe Zahl angesichts von rund 5 Millionen Geimpften in Israel und dennoch musste der Zusammenhang weiter untersucht werden. Das hat das israelische Gesundheitsministerium nun getan.

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Eine Untersuchung ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es einen möglichen Zusammenhang zwischen den Fällen einer Myokarditis und der Immunisierung durch das Vakzin von Biontech/Pfizer gibt. Betroffen bzw. gefährdet seien in erster Linie Männer im Alter von 16 bis 30 Jahren laut Informationen der Behörde.

Die Gefahr einer solchen Nebenwirkung sei jedoch nicht allzu groß. Man habe zwar den Zusammenhang erkannt, dennoch werden in Israel die Impfungen mit dem BiontevhVakzin in der kommenden Woche auch für Jugendliche im Alter von 12- bis 15-Jahren gestartet. "Die Vorteile überwiegen die Risiken", erklärt der israelische Koordinator für die Pandemiebekämpfung, Nachman Asch, gegenüber dem israelischen Radiosender "103 FM". 

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Biontech-Impfung und Herzmuskelentzündungen: Seuchenbehörde untersucht weitere Fälle

Eine Beratungsgruppe der US-Seuchenbehörde hat ebenfalls Untersuchungen wegen des Verdachts angeordnet, um weitere Fälle aus den vergangenen Monaten zu untersuchen. Auch sie empfiehlt, einen möglichen Zusammenhang von Herzmuskelentzündungen und einer mRNA-Impfung mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer weiter zu prüfen. Die Zwischenbilanz der Behörde lautet jedoch: Man habe aktuell nicht mehr Fälle von Myokarditis nach einer Impfung beobachtet, als man erwaret habe.

 

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Medienberichte: 62 Fälle von Myokarditis nach Biontech-Impfung in Israel

Aber wie kam es überhaupt zu diesem Verdachtsmoment? Bereits Anfang April berichteten israelische Medien von einer medizinischen Analyse, die besagt, dass insgesamt 62 Fälle von Myokarditis nach einer Biontech-Impfung aufgetreten sein sollen, darunter vor allem bei jungen Männern im Alter von 18 bis 30 Jahren. Laut den israelischen Medien seien sogar zwei der Patienten aufgrund von Myokarditis verstorben. Die Behörden dementieren zunächst den Verdacht.

 

Keinen Anstieg der Sterblichkeit bei Biontech

Doch obwohl der Bericht, der durch die Medien ging, nicht vom Gesundheitsministerium stammte, wolle man innerhalb eines Expertenteams in den kommenden Tagen über die Vorfälle beraten, erklärte die Sprecherin des Gesundheitsministeriums anschließend. Es sei aktuell aber kein eindeutiger Anstieg der Sterblichkeit wegen der Impfung zu verzeichnen und es sei auch keinesfalls sicher, dass es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg der Zahl von Herzmuskelentzündungen gibt, so die Aussage des Ministeriums. 

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Herzmuskelentzündung: Biontech/Pfizer sieht keinen kausalen Zusammenhang

Pfizer, das Unternehmen, welches den Impfstoff gemeinsam mit Biontech entwickelt hat, äußerte sich ebenfalls zu den Vorfällen. Man sei über die Berichte aus Israel informiert. „Wir haben keine Rate von Myokarditis beobachtet, die höher wäre, als man es in der allgemeinen Bevölkerung erwarten würde“, wird Pfizer in einer aktuellen Mitteilung zitiert. Von Hersteller-Seite heißt es: Es gibt zum aktuellen Zeitpunkt keinen Beweis für einen Zusammenhang zwischen einer Herzmuskelentzündung und dem Corona-Impfstoff. 

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Weltweit werden immer mehr Menschen mit den neu entwickelten Impfstoffen immunisiert. Berichte von möglichen Nebenwirkungen wie die der Hirnvenen-Thrombosen bei AstraZeneca werden aufgenommen und analysiert und gehen bei Bestätigung eines Zusammenhangs mit in die Impfempfehlung ein.

Nicht jede Nebenwirkung ist jedoch auf den Impfstoff zurückzuführen, da sich unter den aktuell Geimpften auch häufig Personen mit einer Vielzahl an Vorerkrankungen befinden. Zudem müssen bei den möglichen Nebenwirkungen die Risiken und den Nutzen abgewogen werden. Einen Zusammenhang zwischen Herzmuskelentzündungen und dem Biontech/Pfizer-Impfstoff konnte sich in diesem Fall laut Hersteller und Ministerium nicht bestätigen.

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Quelle:

Israel: Kein Zusammenhang zwischen Herzerkrankung und Impfung, in: t-online.de

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