Herzmuskelentzündung bei Biontech: Hier ist das Risiko höher!

Ines Fedder Medizinredakteurin

Nach einer Corona-Impfung mit dem Vakzin von Biontech können seltene Herzmuskelentzündungen auftreten. Eine neue Studie aus den USA differenziert etwas genauer: Hier ist das Risiko einer Herzmuskelentzündung höher. Alles über Häufigkeit, Symptome und Experten-Einschätzung zur Impfnebenwirkung hier!

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Gerade jetzt, wo auch in Deutschland Coronaschutzimpfungen bei Jugendlichen durchgeführt werden, ist es wichtig, über eine mögliche Herzmuskelentzündung in Verbindung mit einer Corona-Impfung aufzuklären. Eine neue Studie aus den USA sorgt bezüglich der Häufigkeit von Herzmuskelentzündungen für mehr Klarheit.

Viele fragen sich jetzt: Welche Symptome gibt es bei einer möglichen Herzmuskelentzündung nach einer Biontech-Impfung gegen Corona, wer ist betroffen und wie oft treten sie auf? Alle Infos hier!

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+++Herzmuskelentzündung durch Biontech-Impfung? Neue Studie sorgt für weitere Klarheit+++

Eine neue Studie aus den USA bestätigt das, was in Israel bereits aufgefallen ist. Das Risiko für eine Herzmuskelentzündung nach einer Corona-Impfung ist für Jungen höher als für Mädchen. In der Studie, die bereits in einem Preprint veröffentlicht wurde, haben Forscher:innen untersucht, wie häufig sich eine Myokarditis nach einer Corona-Impfung bei der Altersgruppe zwischen 12- und 17-Jährige entwickelt und wie häufig sie im selben Zeitraum sich bei der entsprechenden Altersgruppe nach einer Corona-Erkrankung zeigt. Dafür wurden insgesamt 257 Fälle von Herzmuskelentzündungen untersucht, die im ersten Halbjahr 2021 in den USA verzeichnet wurden.

Das Ergebnis: Mädchen waren deutlich weniger von einer Herzmuskelentzündung betroffen – ob nach einer Corona-Impfung oder einer Erkrankung. Jedoch: Die Gefahr nach einer Erkrankung war deutlich höher. Jungs in der Altersgruppe zwischen 12 bis 15 Jahren waren am häufigsten von Herzmuskelentzündungen betroffen, auch wenn der Anteil dennoch sehr gering ist. Die Rate der Erkrankungen lag hier bei 162,2 pro eine Million, bei den Mädchen bei 13,0 pro eine Million. Schwere Verläufe oder gar Todesfälle wurden nicht verzeichnet. 

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+++Herzmuskelentzündung bei Biontech/Pfizer als Nebenwirkung mit aufgeführt+++

Eine Herzmuskelentzündung, auch Myokarditis genannt, gilt nun offiziell als mögliche Nebenwirkung infolge einer Corona-Impfung durch einen mRNA-Impfstoff. In einem gemeinsamen "Roten Handbrief" informiert Biontech gemeinsam mit dem Hersteller Moderna über die Möglichkeit, an einer nachfolgenden Myokarditis zu erkranken. Das ärztliche Fachpersonal ist ab sofort angehalten, vor einer möglichen Herzmuskelentzündung durch das Vakzin von Biontech/Pfizer zu warnen.

 

+++Herzmuskelentzündung nach Biontech-Impfung: Diese Symptome weisen auf eine Myokarditis hin+++

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA rät, bei diesen Symptomen nach einer mRNA-Impfung einen Arzt aufzusuchen:

  • Kurzatmigkeit
  • ein starker, manchmal auch unregelmäßiger Herzschlag
  • Brustschmerzen

Die Symptome können auf eine Herzmuskelentzündung hindeuten. Es bedarf in jedem Fall eine schnelle und gründliche Abklärung durch einen Arzt. 

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+++Myokarditis durch Corona-Impfung: Wie häufig treten Herzprobleme auf?+++

Der Pharmakovigilanzausschuss (PRAC) der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat in der letzten Erhebung (Stand: Mai 2021) 145 Myokarditis-Fälle nach einer Impfung mit Biontech (Comirnaty) im europäischen Wirtschaftsraum verzeichnet. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden circa 177 Millionen Biontech-Dosen verimpft. 

Nach Zulassung des Impfstoffs in Deutschland auch für Kinder und Jugendliche hat das Paul-Ehrlich-Institut ebenfalls neue Daten erhoben.

 

+++Herzmuskelentzündung nach Biontech-Impfung bei Jüngeren: 24 weitere Fälle gemeldet+++

Bis Ende Juli wurden dem Paul-Ehrlich-Institut 24 Fälle einer Herzmuskelentzündung nach einer Corona-Impfung durch das Vakzin Biontech bei Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren registriert. Die Fälle seien häufiger nach der zweiten Impfung beobachtet worden, geht aus dem Sicherheitsbericht des Instituts hervor. Betroffen seien 22 männliche und zwei weibliche Jugendliche. Es wurde kein Todesfall gemeldet. Die Daten wiesen darauf hin, dass mehr Fälle berichtet wurden als statistisch zufällig zu erwarten sei, berichtet das "Ärzteblatt"

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Myokarditis als Nebenwirkung: Wie kam es überhaupt dazu?

Bereits vor der Warnung der EMA und des Paul-Ehrlich-Instituts hatte sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Herzmuskelentzündungen durch eine Biontech-Impfung geäußert. Vom Verdachtsfall, der erstmals von der israelischen Gesundheitsbehörde angestoßen wurde, bis zur offiziellen Bestätigung als mögliche Nebenwirkung auch in Deutschland verging nur ein kurzer Zeitraum.

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Herz-Probleme durch Biontech-Impfung: WHO erhärtet Verdacht

Im Zuge dessen, dass die US-Behörden nach abschließender Prüfung bereits einen Zusammenhang von Herzmuskelentzündungen und einer Impfung mit dem mRNA-Impfstoff Biontech/Pfizer bestätigten, zog die Weltgesundheitsorganisation in den vergangenen Tagen nach. Auch sie bestätigte, dass ein Zusammenhang von selten auftretenden Nebenwirkungen und einer Biontech-Impfung "wahrscheinlich" sei. Da die Herzmuskelentzündungen aber nur "sehr selten" auftreten, würde der Nutzen einer Impfung aber immer noch überwiegen.

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EMA stuft Herzmuskelentzündung als "seltene Nebenwirkung" ein

Und auch die EMA bezog zur Debatte einer möglichen Herzmuskelentzündung als Nebenwirkung einer Biontech-Impfung in den vergangenen Wochen bereits Stellung. So stuft die EU-Behörde das Risiko einer Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung als seltene Impfnebenwirkung nach der Verabreichung des Vakzins Biontech/Pfizer ein. Damit reagierten die Behörden auf neue Erkenntnisse, die das Paul-Ehrlich-Institut noch im vergangenen Lagebericht als ziemlich undurchsichtig deklarierte.

 

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In diesem äußerte sich das PEI zu dem Verdacht einer Herzmuskelentzündung als Nebenwirkung einer Biontech/Pfizer-Impfung und erklärt, dass man sich bisher kein "klares" Bild diesbezüglich machen könne. Zwar habe man "zunehmend" Meldungen über einen Verdacht von Myokarditis im zeitlichen Zusammenhang mit der Verabreichung von mRNA-Impfstoffen erhalten, allerdings weise nichts auf ein Risikosignal hin.

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Bei der Frage, ob eine Biontech-Impfung möglicherweise zu einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) führen kann oder nicht, hatte sich die israelische Behörde bereits vor längerer Zeit geäußert. 

Denn nachdem in Israel bereits 275 Fälle im Zusammenhang mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff aufgetreten sind, bestätigt die israelische Gesundheitsbehörde bereits vor Monaten: Ja, es gibt einen Zusammenhang. Wie es dazu kam?

 

Biontech: Herzmuskelentzündung steht im Zusammenhang mit Impfung

275 gemeldete Fälle von Herzmuskelentzündungen nach einer Biontech-Impfung - die Bilanz der umfangreichen Impf-Kampagne in Israel im Zeitraum von Dezemer 2020 bis Mai 2021. Eine vergleichsweise geringe Zahl angesichts von rund 5 Millionen Geimpften in Israel und dennoch musste der Zusammenhang weiter untersucht werden. Das hat das israelische Gesundheitsministerium bereits sehr frühzeitig getan.

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Eine anschließende Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass es einen möglichen Zusammenhang zwischen den Fällen einer Myokarditis und der Immunisierung durch das Vakzin von Biontech/Pfizer gibt.

Betroffen bzw. gefährdet seien in erster Linie Männer im Alter von 16 bis 30 Jahren laut Informationen der Behörde.

Die Gefahr einer solchen Nebenwirkung sei jedoch nicht allzu groß. Man habe zwar den Zusammenhang erkannt, dennoch werden in Israel aktuell die Impfungen mit dem Biontech-Vakzin auch für Jugendliche im Alter von 12- bis 15-Jahren angeboten. "Die Vorteile überwiegen die Risiken", erklärte der israelische Koordinator für die Pandemiebekämpfung, Nachman Asch, gegenüber dem israelischen Radiosender "103 FM". 

 

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Erste Medienberichte im April: 62 Fälle von Myokarditis nach Biontech-Impfung in Israel

Aber wie kam es überhaupt zu diesem Verdachtsmoment? Bereits Anfang April berichteten israelische Medien von einer medizinischen Analyse, die besagt, dass insgesamt 62 Fälle von Myokarditis nach einer Biontech-Impfung aufgetreten sein sollen, darunter vor allem bei jungen Männern im Alter von 18 bis 30 Jahren. Laut den israelischen Medien seien sogar zwei der Patienten aufgrund von Myokarditis verstorben. Die Behörden dementieren zunächst den Verdacht.

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Keinen Anstieg der Sterblichkeit bei Biontech

Doch obwohl der Bericht, der durch die Medien ging, nicht vom Gesundheitsministerium stammte, wollte man innerhalb eines Expertenteams über die Vorfälle beraten, erklärte die Sprecherin des Gesundheitsministeriums anschließend. Es sei zu dem Zeitpunkt aber kein eindeutiger Anstieg der Sterblichkeit wegen der Impfung zu verzeichnen gewesen und es sei auch keinesfalls sicher, dass es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg der Zahl von Herzmuskelentzündungen gäbe, so die damalige Aussage des Ministeriums. Ein Trugschluss, wie sich nun zeigt.

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Weltweit werden immer mehr Menschen mit den neu entwickelten Impfstoffen immunisiert. Berichte von möglichen Nebenwirkungen wie die der Hirnvenen-Thrombosen bei AstraZeneca werden aufgenommen und analysiert und gehen bei Bestätigung eines Zusammenhangs mit in die Impfempfehlung ein.

Nicht jede Nebenwirkung ist jedoch auf den Impfstoff zurückzuführen, da sich unter den aktuell Geimpften auch häufig Personen mit einer Vielzahl an Vorerkrankungen befinden. Zudem müssen bei den möglichen Nebenwirkungen die Risiken und den Nutzen abgewogen werden. Einen Zusammenhang zwischen Herzmuskelentzündungen und dem Biontech/Pfizer-Impfstoff hat sich nun jedoch von seitens mehrerer offiziellen Prüfstellen wie der EMA und der WHO erhärtet - und auch auf mögliche Symptome einer Herzmuskelentzündung muss nun zukünftig hingewiesen werden.

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Quellen:

Israel: Kein Zusammenhang zwischen Herzerkrankung und Impfung, in: t-online.de
Herzmuskelentzündung - Risiko bei Jungs nach Impfung größer? in: morgenpost.de
Hoeg, T. B., Krug, A., Stevenson, J., & Mandrola, J. (2021). SARS-CoV-2 mRNA Vaccination-Associated Myocarditis in Children Ages 12-17: A Stratified National Database Analysis. medRxiv.

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