Herzmuskel-Entzündung durch verschleppte Erkältung

Bei Atemnot nach einer Erkältung zum Arzt gehen
Wenn Erkältungen länger als vier Tage dauern, mit einer Kombination aus Atemnot und dicken Beinen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Es könnte sich um eine Verschleppte Erkältung handeln die zu einer Herzmuskelentzündung führen kann © imago

Praxisvita stellt eine Junge Frau vor, deren Herz nach einer verschleppten Erkältung erkrankt war. Erfahren Sie, wie eine Organspende ihr Leben rettete.

Es beginnt meistens mit Schnupfen, Husten, Heiserkeit: Dreimal im Jahr erkältet sich jeder Deutsche im Schnitt, liegt so lange flach, bis das Immunsystem die Krankheitserreger in den Griff bekommt. Auch Vanessea M. aus Flensburg dachte, nur eine harmlose Erkältung hätte sie gepackt. Doch beinahe hätte die Virusinfektion die damals 17-Jährige das Leben gekostet!

Ich bin die Erkältung nie ganz losgeworden", erzählt die Studentin. „Trotz aller Medikamente war ich über Monate immer wieder krank. Am Ende war ich so schwach, dass ich nicht mal mehr aus dem Bett aufstehen oder mir die Zähne putzen konnte."

Im Krankenhaus macht ein Kardiologe die schlimme Entdeckung: Vanessa hat die Grippe verschleppt. Die Viren haben unbemerkt ihr Herz befallen, schlimme Herzrhythmusstörungen verursacht. Ihr Herz arbeitet sogar nur noch zu zehn Prozent! „Der Arzt sagte mir: Lange würde ich damit nicht mehr leben", erinnert Vanessa sich.

Doch es gibt Hoffnung! Ein Spenderherz kann sie retten – vorausgesetzt, es wird rechtzeitig ein passendes Organ gefunden.

Spenderherz
Bei einer Herzmuskelentzündung ist ein Spenderherz häufig die einzige Rettung. Doch die Warteliste für Organspenden ist lang© Fotolia

Tage vergehen. Dann Wochen. Dann Monate. Die ganze Zeit liegt Vanessa auf der Intensivstation. Ihren 18. Geburtstag, Weihnachten – all das erlebt sie im Krankenbett. „Zum Glück waren meine Eltern jeden Tag da", so Vanessa. „Und auch viele Freunde haben mir die Zeit vertrieben."

Sieben Mal soll ihr ein Herz transplantiert werden. Sieben Mal eignet es sich am Ende doch nicht. Erst nach acht Monaten heißt es: Ab in den OP! „Da wusste ich: Entweder ich komme gesund mit einem neuen Herzen wieder aus dem OP heraus oder aber ich komme gar nicht zurück."

Vanessa kommt zurück. Und von da an geht es bergauf. Heute ist sie wieder gesund. Damit ihr Körper das Herz nicht abstößt, muss sie zwar täglich 30 Tabletten schlucken. Aber sie lebt! Und das genießt sie in vollen Zügen.

„Sport ist mein größtes Hobby. Ich liebe es, zu skateboarden!" Die Fachhochschulreife hat sie nachgeholt. Inzwischen studiert sie Marketing und Psychologie, jobt nebenher als Kellnerin. "Ich bin so dankbar für meine zweite Chance!", sagt sie. „Mein größter Wunsch ist, dass mehr Menschen Organe spenden. Denn ohne hätte auch ich nicht überlebt."

 

So erkennen Sie eine verschleppte Erkältung

Wer einen grippalen Infekt nicht richtig auskuriert, riskiert im schlimmsten Fall eine Herzmuskelentzündung. Prof. Dr. Ulrich Laufs, Facharzt für Kardiologie an der Uniklinik des Saarlandes, erklärt, woran Sie eine verschleppte Erkältung erkennen:

„Verdacht sollten Sie schöpfen, wenn die Symptome wie eine verstopfte Nase, Husten oder Fieber schon wieder abgeklungen sind, Sie sich aber immer noch sehr schlapp fühlen."

Weitere Anzeichen: Bei Anstrengung bekommen Sie plötzlich Atemnot. Abends haben Sie dicke Beine. Und die Erkältung hält länger als vier Tage an.

„In all diesen Fällen sollten Sie zur Sicherheit einen Arzt aufsuchen", rät Dr. Laufs.

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