Herzklappe aus eigenem Gewebe

Verena Elson Medizinredakteurin
Herzklappe
Eine neue Operationsmethode erleichtert den Herzklappenaustausch © iStock

Wenn die Herzklappe nicht mehr richtig arbeitet, muss sie ausgetauscht werden. In der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Deutschen Herzzentrums München wird das seit kurzem mit einer neuen Operationsmethode gemacht. Besonders für Kinder bringt sie große Vorteile.

Das Herz pumpt ständig sauerstoffreiches Blut der Lunge durch die Aorta (Hauptschlagader) in den Körper. Die Aortenklappe dient dabei als Sicherheitsventil: sie sorgt dafür, dass das Blut nicht wieder in die Herzkammer zurückfließt. Sie besteht aus drei Segeln, die an einem Ring (Klappenring) befestigt sind. Haben Patienten einen angeborenen Fehler, eine Infektion an der Herzklappe oder, was am häufigsten ist, eine Einengung, kann sie nicht mehr zuverlässig arbeiten.

 

Herzklappenaustausch: Bei Kindern besonders problematisch

Rund 1.000 Kinder werden in Deutschland jedes Jahr mit einem Herzklappenfehler geboren. Häufig ist ein Austausch der Herzklappe unumgänglich, um das Leben des Kindes zu retten. Doch gerade bei Kindern bringt der Herzklappen-Ersatz Probleme mit sich.

Bisher bekamen Patienten dann eine künstliche Klappe aus Titan oder eine biologische Spenderklappe aus Rindern oder Schweinen. Wird eine Metallklappe eingesetzt, muss der Patient lebenslang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, damit keine Blutgerinnsel am Implantat entstehen. Schon bei kleinen Verletzungen werden dann zum Problem, weil das Blut nur langsam gerinnt. Bei Kindern, die sich viel bewegen und häufiger stürzen, ist das ein besonders kritisch.

Spenderklappen von Tieren werden vom Körper als fremd erkannt. Seine Antwort darauf ist eine Abwehrreaktion, die bei Kindern besonders heftig ausfällt. In der Folge nutzt sich die Spenderklappe ab und muss schließlich ausgetauscht werden. Während Rinder- und Schweineklappen allgemein eine Lebensdauer von 10-15 Jahren haben, ist ihre Haltbarkeit bei Kindern und jungen Erwachsenen häufig deutlich geringer. Das führt dazu, dass bei betroffenen Kindern immer wieder komplexe Eingriffe am offenen Herzen vorgenommen werden müssen.

 

Neue Methode: Herzklappe aus körpereigenem Gewebe

Eine neue Methode ermöglicht es Medizinern nun, Herzklappen aus körpereigenem Gewebe herzustellen. Das Verfahren wird bisher nur an einigen wenigen Kliniken weltweit durchgeführt – die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herzzentrum München gehört zu ihnen.

„Wir haben den Eingriff von Prof. Shigeyuki Ozaki aus Japan gelernt, der ihn auch entwickelt und vor allem standardisiert hat. Dabei wird eine neue Klappe aus körpereigenem Gewebe geformt. Viele bisherige Probleme können damit umgangen werden – vor allem für Kinder und junge Patienten ist das ein Vorteil“, erklärt der Direktor der Klinik und Professor für Herz- und Gefäßchirurgie an der Technischen Universität München (TUM), Prof. Dr. Rüdiger Lange.

Der große Vorteil der neuen Herzklappe: Ihre deutlich längere Haltbarkeit. „Die Klappe wird am natürlichen Klappenring (die Herzklappe stützender Gewebering) des Patienten aufgebaut. Wir brauchen deshalb keinen künstlichen Prothesenring, der fest und unbeweglich ist. Damit bleiben die natürlichen mechanischen Eigenschaften einer Herzklappe weitestgehend erhalten.  Zudem ist die Einnahme von Gerinnungshemmern nach der Operation nicht mehr notwendig“, so Dr. Markus Krane, stellvertretender Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herzzentrum München.

 

Eine Schablone für die neue Herzklappe

Bei dem neuen Verfahren wird die alte, defekte Aortenklappe zuerst vollständig entfernt und der natürliche Aortenklappenring gereinigt. Der Chirurg entnimmt ein Stück Gewebe aus dem Herzbeutel des Patienten – das ist das Material für die neue Klappe. Daraus werden nun die drei Segel der Aortenklappe nachgebildet.

Doch noch ist das entnommene Herzbeutelgewebe nicht bereit für die Rekonstruktion der Herzklappe. „Das Gewebe ist nach der Entnahme noch sehr weich, um es als robuste und dauerhafte Klappe einsetzen zu können, müssen wir es gerben – vergleichbar mit der Herstellung von Leder“, erklärt Krane. Da jeder Patient eine individuelle Klappengröße hat, vermessen die Ärzte anschließend die alten Klappensegel und schneiden mit Hilfe einer angepassten Schablone die neuen Segel aus dem entnommenen Herzbeutel. Anschließend werden die neuen Segel im Herzen des Patienten am natürlichen Klappenring angenäht.

Über 40 Patienten hat Krane schon mit der neuen Methode operiert – bisher ohne Komplikationen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führen eine klinische Studie an über 100 Patienten durch, die  2019 beendet sein wird. Sie wollen untersuchen, ob die neue Methode bessere Eigenschaften hat im Vergleich zum konventionellen Ersatz der Klappe durch eine künstliche Prothese. „Wir versuchen zu zeigen, wie gut die Ozaki-Methode funktioniert. Vielleicht nutzen dann weltweit noch mehr Ärzte dieses Verfahren.“, meint Krane.

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