Herzinfarkt: Wie sieht die Therapie aus?

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung
  7. 7. Das sagt der Experte

Eine Herzinfarkt-Therapie muss so schnell wie möglich einsetzen, um die Folgeschäden gering zu halten.

Denn je länger die Blutversorgung durch verschlossene Herzkranzgefäße unterbrochen ist, desto mehr Gewebe stirbt ab. Leichte Schäden kann das Herz ausgleichen und sich vollständig erholen. Ein schwerer Infarkt führt jedoch zu einer dauerhaften Schädigung und Schwäche bis hin zu Herzversagen. Dabei ist die Sterblichkeitsrate in den ersten 24 Stunden am höchsten und nimmt danach rapide ab.

Grundsätzlich setzt sich die Herzinfarkt-Behandlung aus drei Faktoren zusammen:

  • Erste Hilfe vor Ort
  • Maßnahmen im Krankenhaus, um die Herzkrankgefäße wieder durchgängig zu machen
  • Spezielle Anschluss-Therapien, um weiteren Herzinfarkten vorzubeugen
 

Notarzt verständigen

Beim Verdacht auf einen Herzinfarkt muss sofort ein Notarzt verständigt werden, um die Therapie so schnell wie möglich beginnen zu können. Es gilt die Regel: Lieber einmal zu viel einen Rettungswagen rufen als einmal zu wenig. Diese Informationen werden von Ihnen abgefragt, wenn Sie den Notruf 112 wählen:

  • Symptome des Betroffenen (z. B. Wo genau hat er Schmerzen? Klagt er über Atemnot? Ist er blass und schweißbedeckt?)
  • Zustand des Patienten (z. B. wach und ansprechbar oder bewusstlos)
  • Falls bekannt, die medizinische Vorgeschichte (z. B. Bluthochdruck, Behandlung wegen Koronarer Herzkrankheit, bereits erfolgte Infarkte)
  • Für ältere Menschen ist es sinnvoll, grundsätzlich einen Zettel am Telefon aufzubewahren, auf dem die Medikamente vermerkt sind, die regelmäßig eingenommen werden

Der Einsatzleiter am Telefon wird Sie durch das Gespräch führen und nach allen Informationen fragen, die er braucht. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und seine Fragen so genau wie möglich zu beantworten.

 

Erste Hilfe starten

Bei einem schweren Herzinfarkt müssen Begleitpersonen eventuell die erste Therapie starten und Erste-Hilfe-Maßnahmen (Herzmassage und Beatmung) einleiten. Das ist vor allem bei einem Herzstillstand notwendig. Auf diese Weise findet eine Sauerstoffversorgung des Herzens und des Gehirns zumindest teilweise weiterhin statt. Dies steigert die Überlebenschancen des Betroffenen und senkt die Wahrscheinlichkeit für Spätfolgen.

Bei einem Herzstillstand durch einen Herzinfarkt muss diese Erste-Hilfe-Therapie gestartet werden:

  • Herzmassage (30 Mal pressen)
  • Beatmung (Mund-zu-Mund oder Mund-zu-Nase, zweimal)

Der Rhythmus ist also: 30 Mal Herzmassage, zweimal beatmen, 30 Mal Herzmassage und so weiter. Die Massage ist körperlich sehr anstrengend. Falls mehrere Personen anwesend sein sollten, macht es Sinn, sich abzuwechseln. Frischen Sie regelmäßig Ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse auf, um sich in einer solchen Situation sicher zu fühlen.

Im Krankenhaus unterscheiden sich die Maßnahmen zur Herzinfarkt-Therapie nach der Erstbehandlung und der weiterführenden Therapie. Sie dient dazu, Ursachen nach Möglichkeit zu beheben und weiteren Infarkten vorzubeugen.

 

Herzinfakt-Therapie

So sieht die Erstbehandlung bei einer Herzinfarkt-Therapie aus:

  • Sauerstoffzufuhr (über eine Nasensonde)
  • Schmerzmittel (Morphin), gegebenenfalls auch Beruhigungsmittel (z. B. Diazepam)
  • Nitroglycerin, um die Gefäße zu erweitern
  • Blutverdünnende Medikamente, um zu verhindern, dass sich erneut Blutgerinnsel bilden (z. B. Acetylsalicylsäure, Heparin)
  • eventuell Mittel gegen Übelkeit (z. B. Metoclopramid, Triflupromazin)
  • falls der Blutdruck zu niedrig sein sollte, wird Atropin verabreicht
Den Notarzt rufen bei Herzinfakrt-Verdacht
Bei einem Herzinfarkt kann eine schnelle Versorgung lebensrettend sein© Fotolia

Im Anschluss wird bei einem Herzinfarkt eine Therapie eingeleitet, um das verschlossene Gefäß wieder zu öffnen. Dafür werden verschiedene Methoden angewandt. Welche zum Tragen kommt, hängt unter andere davon ab, wie schnell der Patient versorgt wird und ob die Behandlung in einem Krankenhaus mit Katheterlabor erfolgt, also einer Abteilung, die auf Herzkatheter spezialisiert ist.

Diese Methoden setzen Ärzte zur akuten Herzinfarkt-Therapie ein:

  • Bei einer Lyse-Therapie werden Medikamente verabreicht, die das Blutgerinnsel auflösen sollen (Fibrino- oder Thrombolytika). Die Lyse kann unter Umständen sogar schon der Notarzt intravenös einleiten, wenn er die Diagnose für sicher hält. Die Medikamente wirken sich jedoch auf den ganzen Körper aus, sodass weitere Blutungen auftreten können, falls beispielsweise der Betroffene ein Magengeschwür hat. Eine Lyse wird daher maximal drei Stunden nach dem Infarkt gestartet, sonst überwiegen die möglichen Nebenwirkungen den Nutzen.
  • Meist wird jedoch über die Arterie an der Leiste ein Katheter eingeführt und bis zum Herzen geschoben (sog. Herzkatheter). An seinem Ende befindet sich ein Ballon, der geweitet wird, um das verschlossene Gefäß zu dehnen und zu öffnen. Im Anschluss wird ein kleines Röhrchen (Stent) eingesetzt, das einen erneuten Verschluss verhindert.
  • In seltenen Fällen entscheiden sich die Herzchirurgen für eine Bypassoperation. Das kann notwendig sein, wenn beispielsweise ein längerer Abschnitt des Gefäßes verschlossen ist und sich durch einen Ballonkatheter nicht öffnen lässt. Für einen Bypass entfernen die Ärzte das verschlossene Teilstück und ersetzen es durch ein Gefäß, das sie woanders entnehmen, etwa aus dem Arm. Bypässe werden auch zur Vorbeugung eines weiteren Infarktes gelegt, falls längere Abschnitte einer Arterie stark verengt sein sollten.
 

Reha

Nach erfolgreicher Herzinfarkt-Therapie kann der Betroffene das Krankenhaus normalerweise nach spätestens 14 Tagen wieder verlassen. Bei Bedarf wird eine Rehabilitationsmaßnahme angeschlossen. Dabei steht neben der Physiotherapie die psychosoziale Betreuung im Vordergrund. Denn nach einem Herzinfarkt ist es wichtig, Risikofaktoren zu minimieren und den Lebensstil entsprechend umzustellen.

Verhaltensweisen, die für die Herzinfarkt-Therapie wichtig sind und in einer Reha vermittelt werden:

  • Verzicht auf Nikotin, die Krankenkasse kann dafür Raucher-Stopp-Programme zur Unterstützung empfehlen.
  • eventuelles Übergewicht abbauen. Dabei kann eine strenge Diät das Herz belasten, besser ist ein moderates Abnehm-Programm (z. B. fettärmer kochen, also Sahne durch Milch ersetzen, ohne Butter braten, außerdem Reduzierung der Gesamtkalorienmenge, indem mehr Gemüse auf den Tisch kommt, Verzicht auf zuckerhaltige Getränke).
  • Ernährung muss künftig salz- und fettarm sein (z. B. kein gepökeltes Fleisch, möglichst keine geräucherten Wurstwaren oder Fisch, keine Chips, beim Kochen grundsätzlich möglichst wenig Salz zum Würzen verwenden).
  • mehr sanfte Bewegung, mindestens zweimal in der Woche für eine halbe Stunde (z. B. Wandern, Rad fahren, Schwimmen).
  • Stressfaktoren sollten vermieden werden (gegebenenfalls Arbeitszeitzeit reduzieren, zusätzliche Belastungen in der Freizeit wie Aufgaben in einem Verein abgeben).
 

Weitere Therapie mit Medikamenten

Nach einem Herzinfarkt werden in der Regel Medikamente zur weiteren Therapie verschrieben. Sie werden eingesetzt, um einem erneuten Infarkt vorzubeugen. Aus diesem Grund müssen die Betroffenen die Medikamente normalerweise lebenslang einnehmen. Sie sollten sich genau notieren, um welche Präparate es sich handelt und diesen Zettel beispielsweise in der Brieftasche aufbewahren. Auch Angehörige müssen informiert sein. Denn bei einem Unfall oder einer plötzlichen Krankheit ist es für den behandelnden Arzt sehr wichtig zu wissen, ob der Patient etwa Mittel zur Senkung der Blutgerinnung nimmt.

Diese Medikamente werden im Anschluss an einen Herzinfarkt zur weiteren Therapie verschrieben:

  • Medikamente zur Herabsetzung der Blutgerinnung (z. B. Acetylsalicylsäure)
  • Betablocker
  • Cholesterinsenker (z. B. CSE-Hemmer, Statine)
  • Mittel, um den Blutdruck zu regulieren (z. B. ACE-Hemmer)
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