Herzinfarkt – mehr junge Frauen betroffen

Mediziner warnen: Die Zahl junger Frauen, die einen Herzinfarkt erleiden, steigt seit einigen Jahren stark an. Erfahren Sie, woran es liegt und wie Sie bei dem sogenannten Eva-Infarkt richtig reagieren.

Aktuelle Daten zeigen: 17 Prozent der Frauen, die einen schweren Herzinfarkt erleiden, sind unter 55 Jahre alt. Um die Jahrtausendwende waren es nur zehn Prozent. „Die prozentuale Verteilung der Altersgruppen hat sich seit 1999 über die Zeit vor allem bei Frauen hin zu jüngeren Altersgruppen verschoben“, sagt Jens-Uwe Röhnisch, leitender Oberarzt am Vivantes Klinikum Hellersdorf in Berlin.

 

Rauchen als wichtige Ursache

Er bezog sich dabei auf eine aktuelle Auswertung des Berliner Herzinfarktregisters, die er kürzlich auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim vorstellte. Röhnisch führt auch eine mögliche Erklärung an: „Das Rauchen hat vor allem bei jüngeren Altersgruppen zugenommen.“ Rund 80 Prozent der unter 55-jährigen Frauen mit einem schweren Herzinfarkt rauchten. Hinzu kommt, dass die Adipositas bei jüngeren Frauen zugenommen hat, so der Kardiologe.

Sein Vorschlag, um auf den Trend zu reagieren: „Jetzt ist es wichtig, sich aktuell auf die Primärprävention insbesondere bei jüngeren Frauen zu konzentrieren.“ Er will also Herzinfarkte verhindern, indem er die Ursachen bekämpft. Die wichtigsten sind: Übergewicht (insbesondere Bauchfett), Bewegungsmangel, Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Stress und Rauchen.

 

Eva-Infarkt erkennen

Ein weiteres Problem: Bei Frauen zeigen Herzinfarkte andere Symptome als bei Männern. Darauf müssen Sie achten:

NAN-Regel: Alle Beschwerden, die plötzlich im Bereich zwischen Nase, Arm und Nabel (= NAN) auftreten und innerhalb von 15 Minuten nicht abklingen, können auf einen Herzanfall hinweisen. Rufen Sie bei diesem Verdacht immer den Notarzt über 112!

Atemprobleme: Akute Luftnot und starke Kurzatmigkeit. Diese Symptome werden von Ärzten fälschlicherweise oft als Asthma-Anfall gedeutet.

Übelkeit und Erbrechen: Typisch ist ein plötzlich auftretendes Unwohlsein. Häufig müssen sich Betroffene in kurzen Abständen mehrmals hintereinander übergeben. Viele Mediziner deuten das als Magen-, Gallen- oder Bauchspeicheldrüsen-Erkrankung.

Rückenschmerzen: Frauen leiden anders als Männer häufig unter Beschwerden im oberen Kreuzbereich. Der Druck sitzt zwischen den Schultern, "zieht" Richtung Kiefer und / oder Hals.

Oberbauchbeschwerden: Ein dumpfer Druck im Brustkorb, der sich in der Magengegend ausbreitet. Etwa 40 Prozent der Patientinnen haben diese Schmerzen.

Schwindel: Viele Betroffene haben das Gefühl, in Ohnmacht zu fallen, alles dreht sich.

Hamburg, 10. April 2015

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