Herzinfarkt: Ist Sex lebensgefährlich?

Ein älteres Paar liegt im Bett
Sex ist für die meisten Herzpatienten völlig ungefährlich, sagen Experten – eine aktuelle Studie bestätigt das jetzt © Fotolia

Beim Sex ist das Herzinfarkt-Risiko erhöht – dieser Mythos hält sich hartnäckig. Doch mehr als ein Mythos ist es nicht, das belegt jetzt eine aktuelle Studie deutscher Forscher.

Geht Sex aufs Herz oder nicht? Um diese Frage zu klären, begleiteten Wissenschaftler um Dietrich Rothenbacher an der Universität Ulm 536 Herzpatienten im Alter von 30 bis 70 über einen Zeitraum von zehn Jahren. Die Studie wurde im „Journal of the American College of Cardiology“ veröffentlicht.

 

Sex erhöht Herzinfarkt-Risiko nicht

Die Forscher befragten die Probanden nach ihrer sexuellen Aktivität in den zwölf Monaten vor dem Infarkt, um mögliche Zusammenhänge zwischen sexuellem Kontakt und dem akuten Infarktrisiko auszumachen. 55 Prozent der Probanden hatten vor dem Herzinfarkt mindestens einmal pro Woche Sex gehabt, 25 Prozent weniger als einmal pro Woche, rund fünf Prozent seltener als einmal pro Monat und etwa 15 Prozent hatten in dem Jahr vor dem Infarkt gar keinen Sex.

Geschlechtsverkehr schien das akute Risiko eines Infarktes nicht zu erhöhen: Nur drei Patienten (0,7 Prozent) hatten in der Stunde vor dem Herzinfarkt Sex, bei der Mehrheit (78 Prozent) lag der letzte Geschlechtsverkehr über 24 Stunden zurück.

Nach zehn Jahren hatten 100 der Probanden einen weiteren Herzinfarkt erlitten – die Häufigkeit, mit der sie Sex hatten, beeinflusste die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Infarkts nicht.

„Auf Grundlage dieser Daten erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass sexuelle Aktivität ein bedeutender Auslöser für einen Herzinfarkt ist“, sagt Studienautor Dietrich Rothenbacher.

 

Erhöht Fremdgehen das Herzinfarkt-Risiko?

Wenn es doch zu einem Herzinfarkt beim Sex kommt, dann sind meist untreue Männer betroffen – das ergab eine 2004 durchgeführte Studie der Universität Frankfurt. Rechtsmediziner untersuchten 60 Fälle, bei denen ein Partner während des Geschlechtsverkehrs gestorben war. 56 von den Verstorbenen waren Männer, die einen Herzinfarkt erlitten – sie waren durchschnittlich 59 Jahre alt.

Auffällig war dabei: Mehr als die Hälfte der Männer hatte im Moment des Herzinfarkts Sex mit einer Geliebten oder Prostituierten. Nur jeder Vierte von ihnen starb beim Sex mit der eigenen Frau, der Rest starb bei der Masturbation.

Der Zusammenhang zwischen Fremdgehen und Herzinfarkt ist bisher nicht geklärt – die Studienleiter vermuteten, dass sich ältere Männer beim Sex mit einer Geliebten oder Prostituierten mehr anstrengen als beim Verkehr mit der eigenen Frau. Zusätzlich werden vermutlich mehr herzschädigende Stresshormone ausgeschüttet.

 

Darf jeder Herzpatient Sex haben?

Laut der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie ist Sex für 99 Prozent der Herzpatienten völlig ungefährlich. Lediglich, wenn schon eine geringe körperliche Belastung Herz- oder Atembeschwerden auslöst, ist Vorsicht geboten. Hilfreich ist dieser Test: Wer 14 Treppenstufen innerhalb von 10 bis 15 Sekunden problemlos steigen kann, hat auch beim Sex voraussichtlich keine Probleme, denn die Belastung beim Geschlechtsverkehr entspricht in etwa der beim Treppensteigen. Um sicher zu gehen, ab wann Sex etwa nach einer Herz-OP wieder erlaubt ist, sollten sich Betroffene nicht scheuen, das Thema bei ihrem Arzt anzusprechen – meist ist weniger Schonung notwendig, als Patienten vermuten. Einen Überblick darüber, was zum Thema Sex bei Herzbeschwerden zu beachten ist, finden Sie hier.

Vorsicht ist außerdem bei Männern geboten, die Viagra nehmen. Dieses Mittel kann sich mit einigen Herz- und Blutdruckmedikamenten nicht vertragen und es kann zu einem gefährlichen Blutdruckabfall kommen. Betroffene sollten darum unbedingt zuvor ihren Arzt fragen, ob sie Viagra bedenkenlos einnehmen können.

Hamburg, 22. September 2015

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