Herz & Kreislauf

Herz und Kreislauf im Weihnachtsstress

Verena Elson Medizinredakteurin

Oh du besinnliche Adventszeit: Wenn in den letzten Wochen vor Weihnachten noch 20 Geschenke besorgt, drei Weihnachtsfeiern besucht und das Essen mit der ganzen Familie an den Feiertagen organisiert werden muss, bleibt die Besinnlichkeit häufig auf der Strecke. Der Stress in der Vorweihnachtszeit kann auch das Herz-Kreislauf-System belasten – darum sollten wir gerade in dieser Zeit gut auf unser Herz achten.

Eine ältere Frau steht mit einem Paket in der Hand vor einem Schaufenster
Geschenke für die Liebsten einkaufen macht Spaß – es kann aber auch in Stress ausarten Foto:  iStock/BakiBG

Leise rieselnder Schnee, duftende Lebkuchen und lachende Gesichter, die sich in den prall gefüllten Schaufenstern spiegeln – das von vielen Medien propagierte Glücksgefühl in der Adventszeit kann uns geradezu unter Druck setzen, diese Zeit ebenfalls entspannt und sorgenfrei zu genießen. In Wahrheit sind aber viele im Dezember gestresst: Neben dem Termindruck durch Weihnachtsfeiern, die besucht, und Geschenke, die besorgt werden wollen, herrscht ein diffuser Leistungsdruck: Reicht das Weihnachtsessen für alle, werden sich alle wohlfühlen und vor allem vertragen?

 

Stressfaktoren für das Herz in der Weihnachtszeit

Für das Herz-Kreislauf-System kann dieser Stress eine Belastung sein, besonders bei Menschen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Problemen. Dazu kommen weitere Faktoren, die sich in der Vorweihnachtszeit ungünstig auf Herz und Kreislauf auswirken: Dazu gehört zum einen die winterliche Kälte. Fallen die Temperaturen plötzlich, ziehen sich die Gefäße zusammen und der Blutdruck steigt – für Menschen mit Bluthochdruck kann das zum Problem werden.

Zum anderen lockt die Adventszeit mit besonders herzfeindlichen Leckerbissen: In vielen Köstlichkeiten auf dem Weihnachtsmarkt stecken beispielsweise große Mengen von Transfetten – und diese sind nachweislich schädlich fürs Herz.

 

Mehr Herzinfarkte an Heiligabend

Eine Auswertung der Krankenkasse DAK aus dem Jahr 2013 ergab, dass an Heiligabend rund ein Drittel mehr Menschen einen Herzinfarkt erleiden als an anderen Tagen. Demnach wurden zwischen 2009 und 2012 an Heiligabend je rund 40 Patienten mit einem Herzinfarkt in eine Klinik eingeliefert – an „normalen“ Tagen sind es dagegen im Schnitt nur rund 30 Einlieferungen. Häufig traf es an Heiligabend Menschen, die bereits Vorerkrankungen am Herzen hatten. Männer waren mit 60 Prozent der Herzinfarkte am 24. Dezember deutlich häufiger betroffen als Frauen.

Eine 2018 veröffentlichte Studie zum Auftreten von Herzinfarkten an Feiertagen von Forschern des schwedischen Karolinska Instituts bestätigte das: In dem Zeitraum zwischen 1998 und 2013 traten in Schweden demnach an den Weihnachtstagen deutlich mehr Herzinfarkte auf als an anderen Tagen. Konkret wurden an Heiligabend im Schnitt 69 Personen mit einem Herzinfarkt in eine Klinik eingeliefert, während es an einem „normalen“ Tag nur durchschnittlich 50 Personen waren. Am ersten Weihnachtsfeiertag wurden 65 Aufnahmen wegen Herzinfarkt gemeldet, am zweiten Weihnachtsfeiertag immerhin noch 61.

Ebenfalls auffällig war die Uhrzeit, zu der diese Infarkte passierten: Während der Höhepunkt der Herzinfarkte normalerweise um acht Uhr morgens auftritt, erleiden an Weihnachten die meisten Betroffenen den Infarkt am späten Abend gegen 22 Uhr. 

Nach Ansicht der schwedischen Forscher liegt das erhöhte Infarktaufkommen an den Weihnachtstagen in der Kombination aus intensiven Gefühlen (Freude genauso wie Streit und Sorge), Alkohol und üppigem Essen begründet.

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Weihnachtsstress fürs Herz vermeiden: die besten Tipps

Wenn Sie im Alltag häufig außer Atem kommen und beispielsweise beim Treppensteigen schneller erschöpft sind, kann das ein Anzeichen sein, dass Herz und Kreislauf Unterstützung brauchen.

An Weihnachten gelten keine anderen Regeln für die Herzgesundheit als im restlichen Jahr – sie sind nur deutlich schwerer einzuhalten. Es gibt Dinge, die das Herz mag: Dazu gehören viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung mit wenig Fleisch. Und es gibt Dinge, die dem Herz nicht guttun: Dazu gehört eine ungesunde Ernährung mit viel Zucker und Transfetten genauso wie Alkohol, Zigarettenrauch und Bewegungsmangel.

Wer sein Herz in der Weihnachtszeit schützen möchte, sollte darum im Idealfall das ganze Jahr über auf einen gesunden Lebensstil achten und in der Adventszeit das Schlemmen auf dem Weihnachtsmarkt in Grenzen halten. Wer selbst backt, kann auf gesunde Plätzchenrezepte zurückgreifen.

Um Herz und Kreislauf in der stressigen Vorweihnachtszeit gezielt zu unterstützen, können auch Mittel aus der Naturapotheke helfen – so stärkt beispielsweise Weißdorn die Pumpkraft des Herzens und hält das Gefäßsystem elastisch.

 

Dem Weihnachtsstress den Kampf ansagen

Doch ein weiterer Herzfeind in der Adventszeit ist vielleicht noch schwerer zu bekämpfen: der Weihnachtsstress. Wer ständig von Geschäft zu Geschäft rennt und bis zur letzten Minute vor Heiligabend im Termindruck ist, sollte sich unbedingt zwischendurch kleine Erholungspausen gönnen. Die lohnen sich – auch, wenn am Ende weniger Auswahl beim Geschenkpapier besteht oder das Weihnachtsmenü einen Gang weniger hat. Diese Kleinigkeiten stören ihre Liebsten nicht wirklich – viel mehr stört es sie, wenn es Ihnen an Weihnachten nicht gutgeht, weil sie frustriert und gestresst sind.

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Es gibt viele Möglichkeiten, sich die kleinen Erholungspausen schön zu gestalten:

  • Tee trinken: Ob als Pause beim Einkaufsbummel oder Zuhause bei den Vorbereitungen fürs Fest: Wenn der Stress überhandnimmt, ist es Zeit für eine Tasse Tee. Fenchel, Hopfen und Melisse etwa wirken beruhigend und entspannend. Wer lieber Kaffee trinkt, kann auch das tun. Auch Kaffee ist gesund – und wenn Sie den Geschmack von Kaffee bevorzugen, werden Sie sich dabei auch besser entspannen. 
  • Waldspaziergang: Bewegung und frische Luft allein wirken schon entspannend – toppen kann das nur noch ein Spaziergang durch die Natur. Ein Waldspaziergang bringt viele Vorteile für die Gesundheit, eine davon ist die Tiefenentspannung, wenn wir die würzige Waldluft einatmen. Da Kälte das Herz stresst, sollten Sie sich dabei aber unbedingt warm einpacken – und bei extremen Temperaturen oder bestehenden Herzproblemen lieber in ein Café mit Fensterblick ins Grüne zurückziehen.
  • Autogenes Training: Beim autogenen Training lernen Sie, Ihrem Körper zu „befehlen“, sich zu entspannen – nicht das Schlechteste in der stressigen Vorweihnachtszeit. Profis schaffen es mit der Technik, in wenigen Minuten einen Zustand absoluter Tiefenentspannung zu erreichen.
  • Yoga: Yoga sorgt nicht nur für seelische Entspannung – es löst auch Muskelverspannungen und beugt Rückenschmerzen vor. Es gibt zahlreiche Yogaarten mit verschiedenen Posen, die perfekt für eine Mini-Auszeit sind. 
  • Tanzen: Noch drei Tage bis Weihnachten, die Geschenke sind noch nicht alle besorgt, das Menu steht noch nicht und die Familie ist schon zerstritten? Stopp. Alles liegenlassen, Musik aufdrehen und richtig abtanzen. Tanzen bessert nicht nur augenblicklich die Laune und sorgt für eine ordentliche Portion Glückshormone. Wer täglich tanzt, hält sein Gehirn fit – und regelmäßiges Tanzen verlängert sogar nachweislich das Leben.
  • Entspannungsbad: Wenn wir ins wohlige Warm abtauchen, einen blumigen Duft in der Nase und den knisternden Schaum an der Haut, scheint der Weihnachtsstress plötzlich ganz weit weg. Der Klassiker Entspannungsbad leistet auch in der stressigen Vorweihnachtszeit gute Dienste. Anschließend abtrocknen, eincremen und ausruhen – danach können wir uns mit neuer Energie den Weihnachtsvorbereitungen widmen.
  • Mittagsschlaf: Griechische Forscher fanden heraus, dass ein täglicher Mittagsschlaf blutdrucksenkend wirkt – gerade Menschen mit Bluthochdruck sollten sich die kleine Auszeit also nach Möglichkeit gönnen. Die beste Wirkung wurde in der Studie erzielt, wenn die Probanden rund 60 Minuten am Mittag schliefen.

Quellen:
Ärztezeitung (2013): Weihnachten ist in Kliniken der Teufel los.

Mohammad, M. A., et al. (2018): Christmas, national holidays, sport events, and time factors as triggers of acute myocardial infarction: SWEDEHEART observational study 1998-2013, in: bmj.

Kallistratos, M. S., et al. 2015: Association of midday naps occurrence and duration with bp levels in hypertensive patients. a prospective observational study, in: European Heart Journal.

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