Herpes gegen Hautkrebs

Herpes-Viren
Herpesviren bekämpfen Krebszellen – dafür programmierten britische Wissenschaftler die Viren so um, dass sie gesunde Zellen verschonen © Fotolia

Britischen Forschern ist es gelungen, mittels gentechnisch veränderten Herpesviren fortgeschrittenen schwarzen Hautkrebs zu heilen. Hier erfahren Sie, wie die neue Therapie funktioniert.

T-VEC heißt das neue Medikament, das schon bald Patienten mit schwarzem Hautkrebs helfen könnte. Es basiert auf der sogenannten „Virotherapie“: Darunter verstehen Mediziner eine Behandlungsmethode, bei der Viren auf Tumoren „losgelassen werden“ und diese zerstören.

Wissenschaftler des Institute of Cancer Research in London manipulierten Herpesviren im Labor so, dass sie Tumorzellen bei schwarzem Hautkrebs attackieren, gesundes Gewebe aber verschonen. Dafür wird das veränderte Virus direkt in den Tumor injiziert – dort vermehrt es sich und sondert Substanzen ab, die Krebszellen zerstören. Zusätzlich animiert es das Immunsystem dazu, die Krebszellen als „feindlichen Eindringling“ zu sehen und zu bekämpfen.

 

Herpesviren attackieren Hautkrebs bei einigen Patienten

In einer umfangreichen Studie wurde T-VEC jetzt an Hautkrebs-Patienten getestet. An der Studie nahmen 436 Patienten in 64 medizinischen Zentren in den USA, Großbritannien, Kanada und Südafrika teil. Alle Probanden litten an schwarzem Hautkrebs, der so fortgeschritten war, dass er nicht mehr mit herkömmlichen Therapiemethoden behandelt werden konnte. Eine Probandengruppe erhielt eine Injektion mit T-VEC, die Kontrollgruppe bekam ein immunstimulierendes Mittel ohne das veränderte Herpesvirus injiziert.

Das Ergebnis: Einer von vier der mit T-VEC behandelten Patienten sprach auf die Behandlung an und bei 16 Prozent hielt der Therapieerfolg auch nach sechs Monaten noch an. Bei rund zehn Prozent der Patienten konnte nach Abschluss des Studienzeitraums kein Krebs mehr festgestellt werden.

 

T-VEC: Doppelstrategie gegen Hautkrebs

Virotherapien wie die mit T-VEC gegen Krebs werden immer interessanter, denn sie fahren einen doppelten Angriff gegen den Tumor: Sie zerstören die Krebszellen und setzen das Immunsystem auf sie an“, so Studienleiter Professor Kevin Harrington. „Und da die Virotherapie speziell auf die Krebszellen abzielt, hat sie weniger Nebenwirkungen als die traditionelle Chemotherapie oder neuere Immuntherapien.“

Ein weiterer erstaunlicher Therapieerfolg: Wenn T-VEC seine Wirkung entfaltet und das Immunsystem „aktiviert“ hat, wendet dieses sich auch gegen andere Tumoren im Körper, die nicht mit T-VEC infiziert wurden. Die Folge: Auch diese Tumoren schrumpften oder verschwinden.

Wenn das Zulassungsverfahren nach Plan verläuft, könnte T-VEC nach Einschätzung der Studienleiter schon 2016 zum Einsatz kommen.

Hamburg, 27. Mai 2015

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