Herpes-Ansteckung: Warum Schwangere beim Kontakt mit Kleinkindern vorsichtig sein sollten

Kinderärztin Dr. Nadine Hess warnt vor Ansteckung mit dem HCM-Virus in der Schwangerschaft
Expertin Dr. Hess zu HCMV: "Dieser Infektionsquelle ist sich leider kaum eine Schwangere bewusst. Da die Kinder keine Symptome aufweisen, werden sie nicht auf eine konnatale Infektion getestet. Die Eltern wissen also nichts von einer möglichen Herpes-Anst © privat

Die beste Vorbereitung auf das eigene Kind ist das der besten Freundin. Wickeln, Füttern, Baden – viele werdende Mütter üben schon mal, wenn ein Paar im Freundeskreis oder in der Verwandtschaft kleine Kinder hat. Aber besonders in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten sollten Frauen sehr vorsichtig dabei sein und sich gegen eine Herpes-Ansteckung wappnen. Denn auch gesunde Kleinkinder können ein gefährliches Virus übertragen.

 

Gefahr Herpes-Ansteckung: Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Das sogenannte Humane Cytomegalievirus (HCMV) ist ein Erreger aus der Gruppe der Herpesviren. Etwa die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland hat die Infektion bereits durchgemacht. In der Regel zeigen sich dabei Grippe-ähnliche Symptome, häufig bemerken die Betroffenen gar nichts von ihrer Herpes-Ansteckung. Das Problem dabei: Das HCM-Virus wird über Körperflüssigkeiten ausgeschieden – teilweise lebenslang, da es in Blutvorläuferzellen verbleibt und immer wieder reaktiviert werden kann. Urin, Tränen, Speichel – darin stecken die Viruspartikel, die für eine Herpes-Ansteckung sorgen. Bei Erwachsenen kommt es üblicherweise nur mit dem Partner zu Kontakt mit Körperflüssigkeiten – dann sind entweder beide bereits Träger des Virus, oder beide nicht.

Die Blutuntersuchung beim Frauenarzt zeigt eine Herpes-Ansteckung üblicherweise auch an. Aber viele Frauen wickeln ohne jegliche Hintergedanken die Kinder ihrer Freundinnen, trocknen ihre Tränen und spielen mit dem Spielzeug, das kurz zuvor noch vom Baby in den Mund genommen wurde. Grundsätzlich ist das ja auch alles völlig unproblematisch, aber eben nicht für die etwa 50 Prozent aller Frauen, die CMV-negativ sind (also noch keine Infektion hatten), wenn sie sich im ersten Schwangerschaftsdrittel befinden.

Schwangere aufgepasst: Kleinkinder können das gefährliche HCM-Virus auf das Ungeborene übertragen
Auch, wenn es schwer fällt: Schwangere sollten den Körperkontakt mit Kleinkindern meiden, da diese über Körperflüssigkeiten das für Ungeborene sehr gefährliche HCM-Virus übertragen können© Fotolia
 

Herpes-Ansteckung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten

Bei einer Herpes-Ansteckung im ersten Schwangerschaftsdrittel überträgt sich das Virus häufig (die Angaben schwanken zwischen 20 und 50 Prozent) auf das Kind. Dann kann es zu schweren Hörstörungen, mangelndem Wachstum insbesondere auch des Kopfes und geistiger Behinderung kommen. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel gibt es bei einer Herpes-Ansteckung in der Regel weniger Komplikation, aber auch hier sind bleibende Schäden möglich. Steckt sich die werdende Mutter im letzten Schwangerschaftsdrittel an, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus auch auf das Baby überträgt, sogar auf 80 Prozent. Allerdings tragen die Kinder dann keine Schäden mehr davon.

Über sehr lange Zeit – bis deutlich in das Kindergartenalter hinein – können diese Kinder das Virus aber noch in mehr oder weniger hohen Konzentrationen ausscheiden. Dieser Infektionsquelle ist sich leider kaum eine Schwangere bewusst. Da die Kinder keine Symptome aufweisen, werden sie nicht auf eine konnatale (=bei Geburt schon vorhandene) Infektion getestet. Die Eltern wissen also nichts von einer möglichen Übertragungsgefahr.

 

Herpes-Ansteckung: So schützen Sie sich

Vor einer Herpes-Ansteckung kann man sich nur schützen, indem man bei jeglichem Kontakt mit Körperflüssigkeiten vorsichtig ist und sich gut die Hände wäscht und/oder Handschuhe trägt. Eine gezielte Blutuntersuchung ist ebenfalls sehr sinnvoll.

Sollte es trotz der Vorsichtsmaßnahmen zu einer Herpes-Ansteckung kommen, wird eine Therapie mit einem Virostatikum für im Mutterleib infizierte Früh- und Neugeborene empfohlen. Bei Erwachsenen ist sie nur notwendig, wenn der Patient an einer Immunschwäche leidet oder beispielsweise eine Organtransplantation hatte.

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