Hepatitis A: Gefährlicher Virus aus der Tiefkühltruhe

Tiefkühlbeeren möglicherweise Schuld am Hepatitis A Ausbruch
Als Auslöser für den Ausbruch von Hepatitis A in elf europäischen Ländern mit mehr als 1.300 Infizierten sind nun Tiefkühl-Beeren identifiziert worden. Ein Backwarenhersteller rief vorsichtshalber einen eventuell betroffenen Beerenkuchen zurück © Fotolia

Seit vergangenem Jahr treten zunehmend Fälle von Hepatitis A in Europa auf. Mehr als 1.300 Infektionen in europäischen Staaten wurden bis heute registriert. In einer Schnell-Studie europäischer Lebensmittelbehörden wurden nun tiefgekühlte Beeren mit dem Ausbruch des gefährlichen Virus in Verbindung gebracht. In den vergangenen Tagen war es bereits zu einer Rückrufaktion von Tiefkühlkuchen gekommen.

Nachdem seit Januar 2013 mehr als 1.300 Fälle von Hepatitis A (HVA) in Europa registriert worden waren, aktualisierten die europäischen Behörden für Lebensmittelkontrollen – European Food Safety Authority (EFSA) und European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) – nun ihre im Schnellverfahren erstellte Bewertung des Ausbruchs.

Ursprünglich wurde der Hepatitis-A-Ausbruch mit Italienreisenden in Verbindung gebracht. Allerdings meldeten sieben Mitgliedstaaten – darunter Deutschland, Frankreich, Irland, die Niederlande, Norwegen, Schweden und Großbritannien – auch Infektionsfälle bei Personen, die nicht nach Italien gereist waren.

 

Tiefkühl-Beeren als Auslöser identifiziert

Erste Untersuchungen identifizierten nun tiefgekühlte Beeren als die wahrscheinlichste Infektionsquelle. Weitere Hypothesen – wie eine Kreuzkontamination im Umfeld der Lebensmittelproduktion oder die Möglichkeit, dass der für den Ausbruch verantwortliche Virenstamm bereits weit verbreitet ist, jedoch zuvor nicht nachgewiesen wurde – werden ebenfalls in Betracht gezogen.

 

Tiefkühlkuchen zurück gerufen

Bereits in der vergangenen Woche waren Tiefkühlkuchen der Firma Erlenbacher zurückgerufen worden. Der Hersteller von Tiefkühlprodukten hatte Hinweise erhalten, nach denen eine ihrer Kuchensorten mit dem Hepatitis A Virus infiziert sein könnte. Obwohl alle bislang untersuchten Proben negativ waren und keine Hinweise auf Erkrankungen in Deutschland vorliegen, hat sich das Unternehmen entschieden, den Tiefkühlkuchen „Beeren-Mix-Buttermilchschnitte" vorsorglich vom Markt zu nehmen.

Die EFSA führt derzeit eine Rückverfolgungsuntersuchung durch. Dabei wird sie unterstützt von den betroffenen Mitgliedstaaten, dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, der Europäischen Kommission und dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

 

Was ist Hepatitis A?

Hepatitis A ist eine Leberentzündung und wird durch eine Infektion mit dem Hepatitis A Virus (HAV) verursacht, das vor allem in Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen vorkommt. Aus diesem Grund nennt man Hepatitis A auch „Reise-Hepatitis“.

Weitere Formen von Leberentzündungen sind Hepatitis B und Hepatitis C, welche allerdings nicht durch verunreinigte Nahrungsmittel oder Wasser übertragen werden, sondern nur über Blut und Blutprodukte oder über sexuellen Kontakt.

Wie steckt man sich mit Hepatitis A an?

Verbreitet wird das Hepatitis-A-Virus über den Stuhl von infizierten Personen. Die Übertragung erfolgt durch eine Schmierinfektion, in der Regel über das Berühren von verschmutzten Gegenständen wie Toilettenspülungen, Türgriffen, Wasserhähnen sowie durch Handgriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Darüber hinaus erfolgt häufig eine direkte Ansteckung durch verseuchtes Wasser, das mit Fäkalien verunreinigt ist. In Lebensmitteln findet sich ebenfalls das Hepatitis A Virus. In nicht ausreichend gegartem Fisch und Meeresfrüchten, Eiswürfeln, Speiseeis oder Obst und Gemüse muss bei mangelnden Hygienestandards mit dem gefährlichen Erreger gerechnet werden. Etwa 25.000 Deutsche infizieren sich jährlich mit HAV, die meisten auf Reisen in Ländern mit warmem Klima.

Die Ansteckungsgefahr ist in der ersten Krankheitsphase – etwa zwei Wochen, bevor der Infizierte die sichtbare Gelbsucht bekommt – am größten. Danach nimmt die Ansteckungsgefahr rasch ab. Nach etwa einer Woche überträgt der Betroffene die Krankheit nicht mehr.

 

Was Sie zum Schutz vor Hepatitis A tun können

Wenn Sie in ein Land mit hohem Ansteckungsrisiko für Hepatitis A reisen, kochen Sie ihre Speisen ab. Schälen Sie Gemüse sowie Obst und verzichten Sie im Zweifelsfall ganz auf rohe Nahrungsmittel. Besondere Vorsicht gilt bei Meeresfrüchten wie Muscheln und Garnelen. Eine Impfung gegen den HAV ist möglich und wird von Ärzten vor allem dann empfohlen, wenn Sie in ein Land mit niedrigen Standards bei der Lebensmittelsicherheit reisen.

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