Hepatitis B-Impfung schon im Säuglingsalter?

Dr. med. Nadine Hess

In Deutschland geht man von 500.000 Personen aus, die das Hepatitis B-Virus in sich tragen, wovon etwa 25.000 Kinder sind. Allerdings hat sich beinahe jeder dritte Infizierte in Deutschland als Kind mit dem Virus angesteckt. Aber eine Hepatitis B-Infektion erfolgt doch vor allem über sexuelle Kontakte, oder? Warum also sollten Sie Ihr Kind trotzdem impfen lassen, so wie es die STIKO (Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Institutes) empfiehlt? Was ist das eigentlich für eine Krankheit und warum ist sie so gefährlich?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Hepatitis B ist eine Infektion, die von einem DNA-Virus ausgelöst wird. Insgesamt gibt es bislang fünf verschiedene, klinisch relevante Hepatitis-Typen, die mit den Buchstaben A bis E betitelt werden. Nur gegen Hepatitis A und B kann man impfen.

Das Hepatitis B-Virus ist hochansteckend, es genügen schon wenige Viruspartikel, um sich zu infizieren. Mit Hepatitis B steckt man sich vor allem durch Intimkontakte an, jedoch ist auch eine Infektion durch Verschlucken von infektiösem Material oder durch Kontakt infektiöser Flüssigkeit mit geschädigter Haut möglich. Die Viren können im Blut und in sämtlichen Körperflüssigkeiten nachgewiesen werden – wenngleich gesagt werden muss, dass eine Ansteckung über Stuhl oder Urin nahezu unmöglich ist. Die Sorge, sich mit Hepatitis B durch unsaubere Toiletten anzustecken, ist also völlig unbegründet.

 

Wie äußert sich eine Hepatitis B-Infektion?

Viele Hepatitis B-Infektionen verlaufen ohne oder nur mit milden weiteren Symptomen. Kommt es hingegen zu einem klinisch apparenten Verlauf, dann leiden die Patienten unter Fieber, Übelkeit und Erbrechen, Oberbauchschmerzen, Ikterus (Gelbfärbung der Haut und Augen), entfärbtem, weißlichem Stuhl, manchmal auch unter Beschwerden der Atemwege. Nicht wenige dieser Patienten können zudem an Gelenkschmerzen und Muskelbeschwerden, Hautausschlägen, Nieren- und Herzentzündungen erkranken.

Normalerweise kommt es im positiven Fall innerhalb von sechs Monaten zu einem Verschwinden des HBsAg (Oberflächenantigen des Hepatitis B-Virus), nur bestimmte Antikörper bleiben lebenslang nachweisbar. In einigen Fällen kann das HBsAg aber auch noch über sechs Monate hinaus nachgewiesen werden. Dann handelt es sich um eine chronische Hepatitis B-Infektion. Aus einer chronischen Hepatitis B-Infektion kann sich im Laufe der Zeit eine Leberzirrhose und im schlimmsten Fall Leberkrebs entwickeln.

Säugling bekommt Impfung
Hepatitis B-Impfung: Säuglinge können ab einem Alter von acht Wochen im Rahmen der Sechsfachimpfung immunisiert werden© Corbis

Besonders gefährdet dafür, eine chronische Hepatitis B zu entwickeln, sind Kinder. Infizieren sie sich im ersten Lebensjahr, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 80-90 Prozent für eine chronische Hepatitis B mit allen genannten Risiken. Infizieren sie sich vor dem sechsten Lebensjahr, beläuft sich das Risiko auf 30 bis 50 Prozent für die Entwicklung einer chronischen Hepatitis B.

 

Hepatitis B-Risiko durch Impfung frühzeitig mindern

Aufgrund des hohen Risikos für die Entwicklung einer chronischen Hepatitis B empfiehlt die STIKO seit 1992 offiziell die Impfung aller Säuglinge, so dass in Deutschland alle Kinder geschützt sein sollten, sofern sie laut offiziellem Impfkalender geimpft wurden. Früher nahm man an, dass die Impfung alle zehn Jahre aufgefrischt werden muss. Neuere Studien zeigen jedoch eine möglicherweise sogar lebenslange Schutzwirkung nach abgeschlossenem Impfschema. Somit sind die Kinder auch mit Eintritt in die Adoleszenz und Beginn von Sexualkontakten vor einer Infektion mit Hepatitis B geschützt.

 

Hepatitis B in der Schwangerschaft

Ist eine Schwangere mit Hepatitis B infiziert, ist eine aktive und passive Impfung des Neugeborenen gegen Hepatitis B bereits kurz nach der Geburt dringend anzuraten, um eine Ansteckung des Kindes zu verhindern. Ansonsten startet die erste Hepatitis B-Impfung im Rahmen der Sechsfachimpfung (Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Hämophilus influenza B und Hepatitis B) mit frühestens acht Wochen.

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