Helmpflicht in Australien rettet Leben

Verena Elson

Fahrradhelme sind hässlich und ruinieren die Frisur – solche Argumente halten viele Radfahrer davon ab, sie zu tragen. Doch Eitelkeit ist hier fehl am Platz, wie eine aktuelle Studie aus Australien zeigt.

Ein Fahrradhelm kann tödliche Kopfverletzungen verhindern
Ein Fahrradhelm kann tödliche Kopfverletzungen verhindern Foto:  CasarsaGuru/iStock

Der Fahrradhelm hat ein Imageproblem: Nur gut zehn Prozent der erwachsenen Radfahrer in Deutschland können sich dazu durchringen, einen zu tragen – das besagen Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen.

 

Helmpflicht in Australien seit den 90ern

Die Australier kommen seit fast 30 Jahren nicht mehr um den Fahrradhelm herum – denn in Down Under besteht seit Anfang der 1990er Jahre Helmpflicht für Radfahrer. In einer aktuellen Studie analysierten Wissenschaftler aus Sydney, welche Auswirkungen diese Neuregelung auf die Unfallstatistiken hat.

Die Auswertung ergab einen jährlichen Rückgang der tödlichen Fahrradunfälle um 46 Prozent – und das, obwohl die Zahl der Radfahrer in Australien seit der Gesetzesänderung nicht gesunken ist. Etwa 50 Todesfälle werden so jährlich verhindert, insgesamt rettete die Neuregelung nach Berechnungen der Forscher zwischen 1990 und 2016 rund 1.300 Menschenleben.

Zwar ist die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle in Australien insgesamt zurückgegangen – doch im Vergleich zu den tödlich verunglückten Fußgängern fiel der Rückgang der tödlich verunglückten Radfahrer um 36 Prozent stärker aus. 

 

Fahrradhelme schützen vor tödlichen Kopfverletzungen

Fahrradhelme können die meisten schweren Kopfverletzungen verhindern, das zeigte eine Studie der Unfallforschung der Versicherer aus 2015. Gemeinsam mit Kollegen des Instituts für Rechtsmedizin München und des Universitätsklinikums Münster analysierten die Forscher 543 Unfälle mit verletzten Radfahrern und Fälle aus der Datenbank getöteter Verkehrsopfer der Ludwig-Maximilians-Universität München. 

Das Ergebnis: Über 50 Prozent der 117 verstorbenen Radfahrer erlagen einem Schädel-Hirn-Trauma, das ein Helm in vielen Fällen verhindert hätte. Von den Radfahrern mit schweren Kopfverletzungen hatte keiner einen Helm auf.

 

Hövding Airbag Helm: „Unsichtbarer Fahrradhelm“

Für Menschen, die sich aus ästhetischen Gründen nicht zum Tragen eines Fahrradhelms durchringen können, gibt es eine Alternative: Der „unsichtbare“ Fahrradhelm heißt Hövding und wurde von zwei Schwedinnen erfunden. Er sieht aus wie ein Schal mit Reißverschluss und fällt auf den ersten Blick kaum auf. Die Frisur ruiniert er nur im Ernstfall: Kommt es zu einem Unfall, entfaltet er sich zu einer Art Airbag um den Kopf.

Quellen:
Olivier, Jake, Sofiane Boufous, and Raphael Grzebieta (2019): The impact of bicycle helmet legislation on cycling fatalities in Australia, in: International Journal of Epidemiology.

Bauer, K., et al. (2015): Untersuchungen zur Schutzwirkung des Fahrradhelms. Forschungsbericht/Unfallforschung der Versicherer (UDV) 32

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2019 praxisvita.de. All rights reserved.