Heilung aus dem Drucker?

Ärztin erklärt Wirbelsäulen-Implantat
Anders als herkömmliche Implantate passen sich Wirbelimplantate aus dem 3D-Drucker präzise der Wirbelsäule des Patienten an © Fotolia

Ein Rückenwirbel aus dem 3D-Drucker rettete einen 12-jährigen Jungen aus China. Lesen Sie hier seine Geschichte.

Als der 12-jährige Minghao auf dem Bolzplatz mit seinen Freunden einen Kopfball spielte, spürte er einen leichten Schmerz, mehr nicht. Doch als er am nächsten Morgen aufwachte, hatte er einen steifen, schmerzenden Nacken. Einen Monat nach dem Vorfall war sein ganzer Körper taub. Alarmiert vom Zustand des Patienten führten seine Ärzte eine Biopsie durch und diagnostizierten einen bösartigen Tumor an Minghaos zweitem Rückenwirbel. Der Krebs hatte Rückenmark, Halsschlagader und Luftröhre befallen.

Damit der Krebs sich nicht ausbreiten konnte, musste der zweite Rückenwirbel des Jungen entfernt und durch ein Implantat ersetzt werden. Dazu verwendeten die Ärzte um Liu Zhongjun an der Universitätsklinik in Peking kein herkömmliches Implantat – nach einer fünfstündigen Operation hatte Minghao das erste Wirbelimplantat aus einem 3D-Drucker im Rücken.

 

Vorteile des „gedruckten“ Implantats

Minghaos Rückenwirbelimplantat besteht wie viele herkömmliche orthopädische Implantate aus Titan. Im Unterschied zu ihnen passt es aber exakt in die Wirbelsäule des Patienten. Denn Implantate aus dem 3D-Drucker sind deutlich präziser als traditionelle. Diese bleiben nur mithilfe von Kleber oder Schrauben am Knochen haften – das „gedruckte“ Implantat hält schon aufgrund seiner Passgenauigkeit besser.

Doch die Mediziner um Liu Zhongjun bemühten einen weiteren Trick, um es fest im Rücken des Patienten zu verankern: Sie versahen das Implantat mit vielen kleinen Löchern, in die der Knochen hineinwachsen kann. So verwächst der neue Wirbel mit dem Rücken und es besteht, anders als bei geklebten oder geschraubten Implantaten, kein Risiko einer Lockerung. Ein weiterer Vorteil: Die Heilung wird beschleunigt und der Patient kann schneller wieder in den Alltag zurückkehren.

 

3D-Drucker revolutioniert die orthopädische Chirurgie

Ganz so weit ist Minghao noch nicht – sein Kopf und Hals werden noch für drei Monate unbeweglich gehalten, um die Heilung nicht zu gefährden. Doch seine Ärzte sind optimistisch, dass er sich gut erholen wird. Und sie sind überzeugt: Implantate aus dem 3D-Drucker sind die Zukunft und werden die orthopädische Chirurgie revolutionieren.

Hamburg, 25. August 2014

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