Heilen mit Schall - Was ist die perfekte Welle?

Phyllis Kuhn
Ultraschallbehandlung an der Schulter
Bei Erkrankungen der Schulter ist die Schallwellentherapie eine schonende Art der Behandlung. © Alamy

Schall- und Stoßwellen werden heutzutage bei vielen Erkrankungen eingesetzt. Ihr Vorteil: Sie wirken schnell und haben kaum Nebenwirkungen.

Sie sind mit bloßem Auge unsichtbar, in bestimmten Frequenzen jedoch hörbar: Schallwellen. In der Medizin ist ihre Anwendung in Form von Ultraschallwellen kaum noch wegzudenken. Ultraschallwellen sind hochfrequente Schallwellen, die vom menschlichen Ohr nicht wahrgenommen werden können. Ihr Vorteil: Sie durchdringen Haut, Fettgewebe und Muskeln, ohne dabei wie Röntgenstrahlen schädliche Strahlung abzugeben. 

Wenn die Wellen auf Knochen treffen, haben sie eine andere WIrkung als bei weichem Gewebe Anders als bei weichem Gewebe ist die Wirkung von Ultraschallwellen, wenn sie auf Knochen treffen. Die Wellen können sie nicht durchdringen und geben ihre Energie stattdessen in Form von Wärme ab. Das ist besonders nützlich bei verkrampften Muskeln und entzündeten Gelenken. Dadurch haben sich Ultraschallwellen auch bei der Therapie von Krankheiten durchgesetzt. Aber auch sogenannte Stoßwellen sind bei der Behandlung zahlreicher Erkrankungen im Einsatz. Sie unterscheiden sich von Schallwellen in Energie, Anstiegs- und Ausbreitungsgeschwindigkeit

Wir stellen Ihnen die wirksamsten Anwendungen der Schalltherapie vor:

 

Bei einem Fersensporn

Ein Fersensporn ist ein durch lang anhaltende Überbelastung entstandener knöcherner Auswuchs am Fersenbein. Weil sich das umliegende Gewebe häufig entzündet, kann es beim Beginn von Bewegungen und beim Auftreten zu stechenden Schmerzen kommen. Da man einen Fersensporn nur schwer medikamentös behandeln kann, blieb bisher immer nur die Option einer operativen Behandlung. Seit kurzem gibt es aber eine viel sanftere Methode, ganz ohne Skalpell: Stoßwellentherapie. Dabei schießt der Arzt mit Hilfe eines Handgeräts unter hohem Druck Schallwellen in das betroffene Gewebe. Dadurch werden Durchblutung und Stoffwechsel der Zellen verbessert. Die Behandlung ist bei der ersten Sitzung noch etwas schmerzhaft, die Schmerzen bessern sich jedoch bereits nach der zweiten Anwendung. Nach drei bis sieben Stoßwellen-Therapiesitzungen ist der Fersensporn häufig schon deutlich gelindert.

 

Bei einer Kalk-Schulter

Bei einer sogenannten Kalk-Schulter sind die Schultersehnen von Kalkeinlagerungen betroffen. Die Sehnen verdicken und entzünden sich dadurch und können, etwa bei Über-Kopf-Bewegungen, für stichartige Schmerzen sorgen. Auch hier kann die Stoßwellentherapie zum Einsatz kommen. Dabei werden Schallwellen über ein wassergefülltes Kissen in die Schulter geleitet. Diese regen die Selbstheilungsprozesse der Zellen an und sorgen dafür, dass der Körper die Kalkablagerung abträgt. Meist reichen drei Therapiesitzungen aus. Auch bei Entzündungen der Achillessehne kann die Technik zum Einsatz kommen.

 

Bei Nierensteinen

Nierensteine bestehen aus Salze und Mineralien, die durch ihre hohe Konzentration Kristalle in der Niere gebildet haben. Sie können, wenn sie in den Harnleiter wandern, extrem schmerzhaft sein. Um sie zu entfernen, wird unter anderem eine sogenannte extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie (ESWL) durchgeführt. Die Steine werden dabei mit einem Ultraschallgerät geortet. Auch zu ihrer anschließenden Zerstörung wird Ultraschall angewendet. Die durch den Schalldruck entstandenen Vibrationen zertrümmern die Steine. Meist sind mehrere Sitzungen nötig, um die Steine so zu zerkleinern, dass sie von selbst herausgespült werden.

 

Bei schlaffer Haut und Fettpölsterchen

Wenn die Haut nicht mehr so straff sitzt, ist Accent Ultra eine sanfte Behandlungsmethode. Sie kombiniert Radiowellen für die Straffung der Haut und Ultraschall zur Fettreduktion. Durch hochfrequente Schallwellen werden die Fettzellen zerstört und die Bildung von Kollagen angeregt. Nach vier bis sechs Sitzungen sollen erste Erfolg sichtbar sein.

 

Bei chronischen und akuten Schmerzen

Bei der Behandlung chronischer Schmerzen werden Schallwellen auf die schmerzende Stelle im Körper gerichtet. Die Schallwellen verhindern, dass die Nerven Schmerzreize zum Gehirn weiterleiten. Die Therapie eignet sich vor allem zur Behandlung von Armen und Schultern. Durch die freigesetzte Wärme wird außerdem die Muskulatur gelockert und die Durchblutung angeregt. Daher eignet sich die Therapie auch bei Knochenbrüchen und Prellungen.

 

Bei Tumoren

Wenn sich ein Tumor noch im Frühstadium befindet, können Ultraschallwellen eingesetzt werden, um Krebszellen zu zerstören. Dazu werden sie gebündelt und millimetergenau auf den Tumor gelenkt. Die dadurch entstehende Hitze lässt die Tumorzellen schmelzen. Das umliegende Gewebe wird nicht geschädigt. Der sogenannte hochintensivfokussierte Ultraschall (HIFU) kommt bisher vorrangig bei Prostatakrebs zum Einsatz. Das schmerzarme Verfahren wird unter lokaler Betäubung angewandt, solange der Krebs noch nicht gestreut hat. Die Vorteile: Das Risiko für Inkontinenz und Impotenz ist im Vergleich zur operativen Entfernung der Prostata stark verringert. Weil kaum Gewebe verletzt wird, können Patienten die Klinik bereits nach einem Tag verlassen. 

 

Bei Migräne und Bluthochdruck

Eine völlig neue Art der Schalltherapie haben jetzt Wissenschaftler aus den USA vorgestellt. Sie vermuten, dass ein unausgewogenes Gleichgewicht zwischen linker und rechter Hirnhälfte für Störungen im autonomen Nervensystem verantwortlich ist. Solche Störungen könnten für Migräne, niedrigen Blutdruck und Herzrhythmusstörungen verantwortlich sein. Mit Hilfe von Schallwellen wollen sie das Gleichgewicht zwischen den beiden Hirnhälften wieder herstellen und so Folgeerkrankungen aufheben. Bei dem als HIRREM (High-resolution, relational, resonance-based, electroencephalic mirroring) bekannten Verfahren werden Patienten Sensoren an der Kopfhaut befestigt. Diese sollen die elektrische Aktivität des Gehirns, also die Hirnwellen messen. Bei Unregelmäßigkeiten zwischen den Hirnhälften, identifiziert ein Computerprogramm die dominierenden Hirnfrequenzen und wandelt diese in Audiofrequenzen um. Die Forscher bezeichnen dies als „Reflektion“ der Hirnaktivität. Sobald ein Patient diese Töne hört, sollen sich die Gehirnwellen angleichen und wieder in Gleichgewicht kommen. So die Theorie der Wissenschaftler an der Wake Forest School of Medicine in North Carolina. In Studien mit Migräne- und Bluthochdruck-Patienten sollen bisher gute Ergebnisse erzielt worden sein.

Hamburg, 16. September 2016

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