Heftige Debatte: Merkel verteidigt Lockdown-Maßnahmen

Ines Fedder Medizinredakteurin

Nach den Bund-Länder-Beratungen und der erneuten Lockdown-Verlängerung hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den aktuellen Corona-Fahrplan in einer heftigen Bundestagsdebatte verteidigt. Sie kritisiert, dass wir im Sommer zu zögerlich waren.

Inhalt
  1. Merkel kritisiert „zögerliches“ Verhalten im Sommer
  2. Angela Merkel: Kritik an der Impfkampagne nachvollziehbar
  3. Öffnungsperspektiven in der Kritik

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die neuen Corona-Beschlüsse in einer Bundestagssitzung verteidigt. Die erneute Lockdown-Verlängerung, die heftigen Kontaktbeschränkungen und der neue Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche sind notwendig, weil wir im Sommer zu zögerlich waren

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht
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Merkel kritisiert „zögerliches“ Verhalten im Sommer

„Noch bis in den Januar dieses Jahrs verbreitete sich das Virus zu schnell und zu unkontrolliert“, beginnt die Kanzlerin die heutige Bundestagssitzung. Eine Folge, die nicht wegen der neu aufkommenden Mutationen eintrat, sondern nach Ansicht von Angela Merkel vor allem, weil wir im Sommer ein zu „zögerliches“ Verhalten gezeigt haben. Man habe nicht schnell genug reagiert, als die Zahl der Neuinfektionen stieg.

Die neuen Beschlüsse wurden nicht leichtfertig getroffen. Sie wurden immer auch im Hinblick auf die Verbliebenen getroffen, deren Trauer stets im Vordergrund der Entscheidungsfindung steht. „Das sind wir ihnen schuldig“, so Merkel. 

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Angela Merkel: Kritik an der Impfkampagne nachvollziehbar

Eine große Hoffnung liegt auf den Impfungen. „Die Impfstoffe sind da. Das ist ein Wendepunkt in der Pandemie“, so die Kanzlerin. „Natürlich verstehe ich, dass der Start der Impfkampagne viele Menschen enttäuscht hat. Denn die Hoffnung, die auf dieser Kampagne liegt, ist riesig.“ Man habe entschieden, erst die „Verletzlichen“ zu impfen. „Das bedeutet Schutz, wo er am allernötigsten gebraucht wird.“

Das Versprechen, dass am Ende des Sommers allen ein Impfangebot vorliegt, soll eingehalten werden. „Dieses Ziel wollen wir angesichts der uns zugesagten Mengen an Impfstoffen auch erreichen“, erklärt die Kanzlerin. 

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Öffnungsperspektiven in der Kritik

Ab dem 1. März dürfen Friseure wieder öffnen. Auch deshalb, weil dann vermutlich nach Hochrechnung eine Inzidenz von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche erreicht werde. Weitere Öffnungen sollen erst bei einer Inzidenz von 35 erfolgen. Ein harter Kritikpunkt bei diesem Vorgehen: Es gibt keinen festen Zeitraum, an dem man über Öffnungen verhandle. „Ich unterstütze sehr, dass wir uns im Hinblick auf die neue Mutation entschieden haben, keine Daten zu nennen, sondern Inzidenzen“, erklärt die Kanzlerin. Deshalb, weil das Virus sich nicht nach Daten, sondern nach Infektionszahlen richtet.

Mein Ziel ist, dass wir der neuen Welle keinen Raum geben, sondern dass wir alles tun, um die Kontrolle der Kontaktnachverfolgung zu behalten“, erklärt sich Angela Merkel am Ende ihrer Rede im Bundestag. Man müsse ausdauernd und geduldig sein, aber die Menschen können auf einen Staat setzen, der alles tut, um den Menschen zu helfen. „Am Ende können wir es schaffen und diese Pandemie besiegen, um unser Land wieder in eine bessere Zeit zu führen“, schließt die Bundeskanzlerin ab. Bis dahin wird es wohl vorerst bis zum 7. März und vielleicht auch darüber hinaus weitere Entbehrungen geben und noch mehr Anstrengungen nötig sein.

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