Hautkrebs durch mein neues Auto?

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin

Moderne Autos haben zahlreiche Eigenschaften, die ihre Insassen vor Gefahren aller Art schützen sollen. Air Bags, Knautschzonen, Sicherheitsglas und automatische Fahrassistenten können im Ernstfall zu Lebensrettern werden. Vor einer Gefahr schützen viele moderne Autos jedoch nur unzureichend – und das ganz ohne Unfall: Hautkrebs.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie aus den USA zeigt, dass gerade Fahrzeuge von BMW und Mercedes keinen ausreichenden Schutz vor UVA-Strahlen bieten. Betroffen sind in vielen Modellen die Seitenfenster. Die Wissenschaftler des Boxer Wachler Vision Institutes in Los Angeles stellten fest, dass Fahrer einiger Mercedes und BMW-Modelle ein doppelt so hohes Risiko tragen, Hautkrebs oder einen Katarakt (Grauer Star) zu entwickeln. Bei dieser Erkrankung wird die Augenlinse geschädigt und dadurch getrübt, häufig in Folge einer Belastung mit ionisierender Strahlung, etwa UV-Strahlung.

Diese Art der Strahlung tritt auch bei bewölktem Himmel auf. Deshalb ist die Windschutzscheibe bei Autos meist mit einem UVA-Filter beklebt, der die Strahlung um bis zu 98 Prozent blockt. Anders bei den Seitenfenstern.

„Wir wissen, dass häufig eine Gesichtsseite stärker von UVA-Schäden betroffen ist. Wir gehen daher davon aus, dass eine hohe Belastung mit UVA-Strahlen beim Autofahren eine Rolle spielen könnte“, erklärt Dr. Brian Boxer Wachler, der die Studie leitete.

Autofahren
Eine aktuelle Studie aus den USA zeigt, dass besonders Fahrzeuge von BMW und Mercedes keinen ausreichenden Schutz vor UVA-Strahlen bieten© alamy
 

Teure Hersteller sind Verlierer der Studie

Die Forscher testeten insgesamt 29 Autos von 15 verschiedenen Herstellern. Am schlechtesten schnitt dabei der Mercedes E550 von 2009 ab, dessen Seitenscheiben nur 44 Prozent der UVA-Strahlen abschirmten. Auch das BMW-Modell 320i von 2013 erzielte mit 55 Prozent Schutz einen schlechten Wert. Kurz dahinter der Porsche Turbo S von 2012 mit 56 Prozent Schutz. Bessere Ergebnisse erzielten Hersteller wie Volkswagen und Lexus. Während der Lexus Rx350 von 2011 den ersten Platz (92 bis 96 Prozent Schutz) unter den getesteten Modellen erreichte, schaffte es der VW Golf mit 82 Prozent Schutz auf Platz 3.

„Windschutzscheiben werden aus zwei Glasplatten hergestellt, zwischen ihnen befindet sich eine Plastikschicht, welche das Glas splitterfest macht und außerdem Polymere enthält, die das Glas UVA-Licht filtern lassen“, erklärt Boxer Wachler. „Seitenfenster dagegen bestehen nur aus einer einzelnen Glasscheibe, die nicht zwangsläufig einen hohen Anteil an schützenden UV-Filter-Komponenten besitzt“.

 

Auf die Art des Glases kommt es an

Um die Modelle zu testen, maßen die Forscher die UVA-Werte innerhalb und außerhalb des Wagens. „Bei jedem Modell untersuchten wir die externen UVA-Werte der Umgebung. Danach maßen wir die UVA-Werte im Inneren des Wagens auf der Fahrerseite, einmal durch die Windschutzscheibe und einmal durch die Seitenfenster“, erläutert Boxer Wachler. Er ergänzt: „Die Art des Glases, dessen Farbe und Beschichtung sind die Hauptfaktoren bei den unterschiedlichen Werten an UVA-Schutz. Das Jahr der Herstellung war dabei nicht besonders signifikant“.

 

Auch im Auto Sonnencreme verwenden

Tatsächlich bieten manche älteren Wägen besseren Schutz, als neuere Modelle. Die Forscher empfehlen Fahrern, auch bei bewölktem Himmel eine Sonnenbrille zu tragen und immer Sonnencreme im Wagen mit sich zu führen.

Wer herausfinden möchte, wie gut das eigene Auto UVA-Strahlen abschirmt, kann sich ein UV-Strahlen-Messgerät zulegen. Diese kosten zwischen 100 und 300 Euro.  

Hamburg, 13. September 2016

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