Hautausschlag richtig deuten und behandeln: Expertenrat

Redaktion PraxisVITA
Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung
  7. 7. Das sagt der Experte

Soviel ist klar: Bei plötzlich auftretenden Hautrötungen liegt ein Hautausschlag vor. Unser Dermatologie-Experte Prof. Dr. Ockenfels gibt hilfreiche Tipps, wie Sie Symptome richtig deuten, welche Hautausschläge Sie selbst behandeln können und wann Sie zum Hautarzt müssen.

Was bedeutet es, wenn mein Körper mit Hautausschlag reagiert?

„Hautausschlag“ ist ein sehr breit gefasster Begriff. Dahinter verbergen sich über hundert Erkrankungen, die entsprechend verschiedene Ursachen haben können. Alle Ausschläge haben eine Gemeinsamkeit: Hautrötungen. Eine Hautrötung ist immer das Zeichen für eine Entzündung. Diese kann wiederum sowohl eine Allergie als auch Bakterien zum Auslöser haben.

Also kann ich anhand des Hautausschlags erkennen, ob ich zum Beispiel nur an trockener Haut leide oder ob eine Neurodermitis vorliegt?

Dermatologe Prof. Dr. Ockenfels beruhigt: „Einfache Hautausschläge, die nur sehr kleine Stellen befallen und ohne weitere körperliche Symptome auftreten, müssen nicht sofort ärztlich behandelt werden.“
Dermatologe Prof. Dr. Ockenfels beruhigt: „Einfache Hautausschläge, die nur sehr kleine Stellen befallen und ohne weitere körperliche Symptome auftreten, müssen nicht sofort ärztlich behandelt werden.“© privat

Trockene Haut ist spröde, sie schuppt, aber eine Entzündung liegt nicht vor. Allerdings ist trockene Haut ein Untersyndrom für Neurodermitis, weil die erkrankte Haut nicht mehr so viele Fettsäuren bildet wie die gesunde. Wenn jemand im Winter sehr trockene Haut hat und es kommen minimale Hautausschläge hinzu, kann das ein erstes Indiz für eine sich entwickelnde Neurodermitis sein. Eine gesunde Haut ist eigentlich auch im Winter dazu in der Lage, alle Fette zu bilden, die für ihre Geschmeidigkeit notwendig sind.

Wie würden Sie einen Patienten mit solchen Hautausschlägen behandeln?

Auf keinen Fall sollten Hautausschläge sofort mit Kortison behandelt werden. Ich empfehle zunächst hyperforinhaltige Präperate, die ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sind. Hyperforin ist ein Inhaltsstoff des Johanniskrauts und wirkt entzündungshemmend und pflegend bei Hautausschlägen. Ebenfalls sehr wirksam sind harnstoffhaltige Cremes, die die Haut mit Feuchtigkeit versorgen. Auch Calcineurin-Inhibitoren helfen bei Hautausschlägen. Sie hemmen wie Kortison die Aktivierung von Entzündungszellen, haben aber nicht so starke Nebenwirkungen.

Und wenn trotz einer solchen Behandlung die Hautausschläge bestehen bleiben?

Dann gilt es, die Diagnose zu festigen, zum Beispiel mithilfe eines Allergietests. 90 Prozent der Neurodermitis-Erkrankungen gehen auf eine allergische Reaktion zurück. Manche Hautausschläge lassen sich auch anhand der Stelle, wo sie ausbrechen, eindeutig diagnostizieren. Eine Neurodermitis befällt zum Beispiel in der Regel die Gelenkbeugeseiten, eine Schuppenflechte wiederum tritt meist an der Gelenkstreckseite auf.

Treten bei bestimmten Hautausschlägen weitere körperliche Symptome auf, die eine genaue Diagnose ermöglichen?

Wenn der Betroffene zu dem Hautauschlag Fieber bekommt, handelt es sich eindeutig um eine bakterielle und keine allergiebedingte Hautentzündung. Manchmal kommt noch Schüttelfrost hinzu. In diesem Fall liegt eine akute Erkrankung vor, die eine sofortige Behandlung durch den Arzt erfordert. Dann kann es sich zum Beispiel um eine sogenannte Wundrose handeln. Bei dieser Erkrankung, die auch Erysipel genannt wird, treten Bakterien über eine kleine Verletzung in die Haut ein. Hier sollte sofort mit Antibiotika behandelt werden, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.

Woran erkenne ich harmlose Hautauschläge?

Wenn kein Fieber auftritt und der Ausschlag nur eine kleine Stelle betrifft, dann handelt es sich in der Regel um einen einfachen Hautausschlag, wie zum Beispiel eine Nesselsucht. Dies ist eine vorübergehende allergische Reaktion, es bilden sich Quaddeln auf der Haut, sie färbt sich rot. Meist geht ein solcher Ausschlag von selbst wieder weg. Unterstützend kann eine Fettcreme aufgetragen werden, die die Haut beruhigt.

Allergie-Test
Mithilfe eines Allergietests kann der Dermatologie die Ursache des Hautausschlags herausfinden© Fotolia

Bei welchen Anzeichen sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Wie bei allen Erkrankungen ist es auch beim Hautausschlag immer eine Frage der Verhältnismäßigkeit: Einfache Hautausschläge, die nur sehr kleine Stellen befallen und ohne weitere körperliche Symptome auftreten, müssen nicht sofort ärztlich behandelt werden. Ist der Ausschlag jedoch nach sechs Wochen nicht verschwunden, sollte ein Hautarzt aufgesucht werden. Bei einem Hautausschlag, der am ganzen Körper auftritt, empfiehlt sich der sofortige Arztbesuch.

Leidet ein Patient unter einem sogenannten Kontaktekzem, ist nicht immer klar, welcher Stoff die Reaktion auslöst. Wie stellt der Hautarzt hier eine Diagnose?

Zunächst erfolgt ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. Einfach ist es bei einem Hautausschlag am Bauch oder am Bein: Oft ist es so, dass der Betroffene beispielsweise ein Gel gegen Muskelschmerzen oder eine neue Bodylotion aufgetragen hat und allergisch reagiert. An den Händen ist es schwieriger, da diese mit sehr vielen Stoffen in Kontakt kommen. Dann gilt es, sich langsam  heranzutasten, zum Beispiel mit der Frage, ob der Patient Links- oder Rechtshänder ist, mit welchen Dingen er bei seiner Arbeit in Kontakt kommt und so weiter.

Gerade Kosmetika wie Bodylotion bestehen aus vielen Inhaltsstoffen, von denen meist nur einer die allergische Reaktion auslöst. Welche Möglichkeiten hat der Dermatologe, die Ursache des Hautauschlags einzugrenzen?

Die genaue Diagnose erfolgt über einen Allergietest. In Deutschland gibt es genaue Statistiken über die Häufigkeit der Allergien auf bestimmte Inhaltsstoffe. Circa 70 der gängigsten Allergene liegen standardmäßig für den Test vor.

Warum treten allergische Reaktionen der Haut manchmal so scheinbar abrupt auf?

Manche Allergien zeigen aufgrund der geringen Konzentration des Allergens keine Symptome. Es kommt durchaus vor, dass der Patient bei einem Allergietest eine allergische Reaktion auf einen Stoff zeigt, der zwar in seiner täglich verwendeten Salbe vorkommt, ihm bisher aber nie Probleme bereitet hat. Das liegt dann an der Konzentration des Stoffes: Bei einem Test liegt diese bei zwei bis fünf Prozent, in der verwendeten Salbe ist der Stoff aber vielleicht nur mit 0,1 Prozent enthalten. Eine so geringe Konzentration reicht dann nicht aus, um die Reaktionsschwelle zu überschreiten. Diese Reaktionsschwelle ist aber variabel und kann mit der Zeit sinken. Ist dies geschehen, verträgt man von heute auf morgen die Salbe nicht mehr.

Kontaktallergie Handgelenk
Entsteht ein Hautausschlag aufgrund von einer allergischen Reaktion auf Stoffe, wie zum Beispiel Nickel, sollte der Betroffene unbedingt auf den Kontakt mit ihnen verzichten© Fotolia

Empfehlen Sie bei Hautrötungen, die auf eine Allergie zurückgehen, eine Hyposensibilisierung?

Die Hyposensibilisierung, ein sehr aufwendiges Therapieverfahren, das bis zu drei Jahre dauern kann, erfolgt zur Behandlung von Atemwegsallergien. Das Immunsystem wird durch eine regelmäßige Gabe des allergieauslösenden Stoffes an ihn gewöhnt. Der Erfolg dieser Therapie kann bei fachgerechter Durchführung und korrekter Auswahl der Allergene zu einem hohen Prozentsatz garantiert werden. Eine Neurodermitis hingegen – die Hauterscheinung der Allergie – wird durch eine Hyposensibilisierung kaum gebessert. Es ist gar nicht erlaubt, die Allergie eines Neurodermitikers, die ohne Atemwegserscheinungen auftritt, zu therapieren.

Kann ich mich auch selbst therapieren, zum Beispiel indem ich bei einer Nickel-Allergie jeden Tag ein bisschen Nickel in die Hand nehme und meinen Körper so daran gewöhne?

Nein, das funktioniert leider nicht. Im Gegenteil, es kann großer Schaden angerichtet werden. Denn das Ekzem wird in jeden Fall auftreten, meist in gesteigerter Form – die Allergie wird verschlimmert. Bei einer allergischen Reaktion auf Stoffe, die sich vermeiden lassen, wie zum Beispiel Nickel, sollte der Betroffene unbedingt auf den Kontakt mit ihnen verzichten.

Im Interview: Prof. Dr. med. Hans Michael Ockenfels
Ärztlicher Leiter der Haut- und Allergiepraxis am Klinikum Hanau, Facharzt für Haut-  und Geschlechtskrankheiten, Forschungsschwerpunkte: Fotodermatologie und Schuppenflechte. Website: www.klinikum-hanau.de

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