Hausmittel gegen Verstopfung – das sind die Besten

Verena Elson Medizinredakteurin

Etwa 20 Prozent der Deutschen leiden an Verstopfung – doch nicht immer ist ein Abführmittel notwendig. Zum Glück gibt es viele wirksame Hausmittel gegen Verstopfung, die die Darmtätigkeit wieder in Gang bringen.

Leinsamen und Leinsamenöl nebeneinander auf einem Tisch
Leinsamen gehören zu den wirksamsten Hausmitteln gegen Verstopfung Foto:  HandmadePictures/iStock
Inhalt
  1. Selbstgemachte Hausmittel gegen Verstopfung
  2. Was sind die besten abführenden Lebensmittel?
  3. Was tun bei Verstopfung? Die wichtigsten Maßnahmen
  4. Dieses Verhalten fördert Verstopfung
  5. Was hilft gegen Verstopfung, wenn Hausmittel versagen?

Die Häufigkeit des Stuhlgangs kann von Person zu Person stark variieren. Erst wenn sich der Darm weniger als dreimal pro Woche entleert, sprechen Experten von einer Verstopfung. Doch mit einfachen Hausmitteln können Sie selbst etwas gegen Ihre Beschwerden tun – die meisten Zutaten dazu haben Sie bestimmt zu Hause.

 

Selbstgemachte Hausmittel gegen Verstopfung

  • Apfelessig: Vor jeder Mahlzeit ein Glas Mineralwasser mit einem Esslöffel Apfelessig vermischt trinken.
  • Gemüsesaft: 100 Milliliter Tomatensaft, 100 Milliliter Sauerkrautsaft und 50 Milliliter Karottensaft, dazu eine Prise Chili oder Pfeffer – die Schärfe desinfiziert den Verdauungstrakt. Die Saftmischung ist eines der wirksamsten natürlichen Abführmittel.
  • Verdauungsanregendes Müsli: Einen Teelöffel Leinsamenschrot mit 100 Gramm Naturjoghurt und frischem Obst mischen. Tipp: Spezielle als „probiotisch“ gekennzeichnete Produkte sind überflüssig. „Normaler“ Joghurt tut es genauso – und ist deutlich preiswerter.
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Was sind die besten abführenden Lebensmittel?

  • Leinsamen: Eines der effektivsten abführenden Lebensmittel sind Leinsamen. Sie enthalten Schleimstoffe, die im Darm durch das Binden von Wasser aufquellen und so das Stuhlvolumen vergrößern. Das wiederum erhöht den Druck auf die Darmwand – die Verdauung wird angeregt. Für die optimale Wirkung nehmen Sie zwei- bis dreimal pro Tag einen Esslöffel Leinsamen (geschrotet) mit 250 Milliliter Wasser ein. Ganz wichtig: Über den Tag verteilt mindestens zwei Liter Flüssigkeit trinken, sonst können die Leinsamen die Verstopfung verschlimmern.
  • Lauwarmes Wasser: Schon ein Glas lauwarmes Wasser auf nüchternen Magen am Morgen kann helfen, die Verstopfung zu lösen.
  • Olivenöl: Drei Esslöffel Olivenöl täglich – zum Beispiel als Dip mit Brot – regen den Stoffwechsel an. Als linderndes Mittel gegen Verstopfung eignet sich besonders gut kalt gepresstes Bio-Olivenöl. Das Öl hat antientzündliche Eigenschaften und verringert die Bildung von Magensäure. Zudem wirkt es laxierend, das heißt, es beugt Verstopfung vor, wenn Sie täglich dreimal jeweils einen Esslöffel zu sich nehmen.
  • Kamillentee: Die Inhaltsstoffe der Kamillenblüten wirken krampfstillend und beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt. Das löst Blähungen und Verstopfung. Die Extrakte lindern zudem Entzündungen der Magenschleimhaut und bremsen das Wachstum schädlicher Bakterien. Besonders wirksam ist Kamille als Tee-Mischung mit Fenchel, Melisse und Süßholzwurzel (Apotheke), etwa drei bis fünf Tassen sollten Sie täglich davon trinken.
 

Was tun bei Verstopfung? Die wichtigsten Maßnahmen

Wenn eine chronische Verstopfung vorliegt, können einzelne Hausmittel das Problem nicht lösen. Der richtige Ansatz ist dann eine Veränderung des Lebensstils: Bewegung ist ein wichtiges Mittel gegen Verstopfung. Mediziner raten, mindestens eine halbe Stunde täglich in Bewegung zu sein – dafür reicht schon ein Spaziergang. Ebenso wichtig: eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Ratsam sind mindestens zwei Liter Wasser, Tee oder Saftschorle pro Tag.

Auch mit der richtigen Ernährung lässt sich die Verdauung stark beeinflussen: Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Obst und Gemüse kurbeln die Darmtätigkeit an. Die unverdaulichen Nahrungsbestandteile nehmen Wasser im Darm auf und quellen. Dadurch verkürzt sich die Verweildauer der Speisereste im Dickdarm, die so besser ausgeschieden werden. 

Experten empfehlen eine Tagesmenge von 30 Gramm Ballaststoffen. Die meisten Deutschen erreichen diese Menge nicht – im Schnitt nehmen die Bundesbürger nur 20 Gramm Ballaststoffe zu sich. In 100 Gramm Leinsamen stecken etwa 35 Gramm Ballaststoffe, in 100 Gramm Weizenkleie sogar 45 Gramm. Andere gute Ballaststoffe-Lieferanten sind Sojabrot (23g/100g), Schwarzwurzeln (18g/100g), getrocknete Pflaumen (18g/100g), Artischocken (23g/100g) und Haferflocken (10g/100g).

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Dieses Verhalten fördert Verstopfung

Viele Menschen mögen es nicht, ihren Darm zu entleeren, wenn sie nicht zu Hause sind. Sie halten den Stuhl zurück – mit der Folge, dass dieser hart wird und eine Verstopfung auslöst. Eine wichtige Regel zur Vorbeugung von Verstopfung lautet daher: den Stuhl nicht zurückhalten und bei Stuhldrang auch „außer Haus“ wenn möglich eine Toilette aufsuchen.

Ein weiterer „Störfaktor“ für die Verdauung ist Stress: Auch er kann sich lähmend auf die Verdauungsorgane auswirken. Regelmäßige Entspannungseinheiten können darum ebenfalls ein Hausmittel gegen Verstopfung darstellen.

Bei Babys ist sie beliebt und auch bei Erwachsenen hat sie sich als Mittel gegen Verstopfung bewährt: die Bauchmassage. Durch kreisende Bewegungen im Uhrzeigersinn werden Nervenverbindungen im Darm stimuliert, die die Darmtätigkeit anregen. Wirkt ebenfalls wie eine kleine Bauchmassage: tief in den Bauch einatmen. Die Organe bewegen sich etwas nach unten, der Darm erfährt einen leichten Druck und wird sanft stimuliert.

 

Was hilft gegen Verstopfung, wenn Hausmittel versagen?

Kommt der Darm trotz aller Hausmittel gegen Verstopfung nicht wieder in Schwung, empfehlen Mediziner, ein Abführmittel einzunehmen. Wirkstoffe wie Bisacodyl oder Natriumpicosulfat wirken direkt im Dickdarm, dem Ort der Verstopfung. Ihr besonderer Vorteil: Es besteht keinerlei Gefahr einer Abhängigkeit oder von Flüssigkeitsverlust.

Sollte die Verstopfung jedoch weiterhin anhalten oder bereitet sie sogar starke Schmerzen, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Quellen:

Andresen, V. et al. (2013): S2k-Leitlinie Chronische Obstipation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). 
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-019l_S2k_Chronische_Obstipation_2013-06-abgelaufen.pdf (Abrufdatum: 01.07.2019)
Anmerkung: Leitlinie wird zurzeit überarbeitet.

Soltanian, N., & Janghorbani, M. (2018): A randomized trial of the effects of flaxseed to manage constipation, weight, glycemia, and lipids in constipated patients with type 2 diabetes. In: Nutrition & metabolism.

Yang, J., Wang, H. P., Zhou, L., & Xu, C. F. (2012): Effect of dietary fiber on constipation: a meta analysis. In: World Journal of Gastroenterology.

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