Hausgeburten sind gut für Babys Darmflora

Verena Elson

Eine Hausgeburt hat einen entscheidenden Vorteil für das Neugeborene – darauf weist eine US-Studie hin. Das Baby wird bei der Geburt mit einer größeren Vielfalt an Darmbakterien ausgestattet – mit möglichen positiven Auswirkungen auf die Gesundheit.

Ein neugeborenes Baby liegt im Arm seiner Mutter
Babys, die zu Hause geboren wurden, haben eine vielfältigere Darmflora, zeigt eine US-Studie Foto:  iStock/vernonwiley

Wenn ein Baby natürlich zur Welt kommt, wird es von Millionen von Mikroorganismus bevölkert: Unzählige Bakterien, Pilze und Viren lassen sich in und auf dem Körper des Neuankömmlings nieder. Diese unsichtbaren Bewohner bilden das menschliche Mikrobiom, dass bei vielen im Körper ablaufenden Prozessen eine Rolle spielt. 

Besonders die Mikroorganismen, die den Darm besiedeln, haben sich in den letzten Jahren als einflussreich für die Gesundheit herausgestellt – so unterstützen sie etwa die Verdauung und das Immunsystem. Dabei gibt es nützliche und schädliche Darmbakterien: Für eine ausgewogene Darmflora müssen genügend „gute“ Bakterien vorhanden sein um die „schlechten“ in Schach zu halten.

 

Keimfreie Umgebung schadet Darmflora des Babys

Welche Faktoren die Zusammensetzung der Darmflora beeinflussen, ist noch nicht endgültig geklärt – vieles spricht aber dafür, dass sich eine keimfreie Umgebung ungünstig auf die Vielfalt der Darmflora auswirkt. 

Es mehren sich die Hinweise darauf, dass es für die Gesundheit des Kindes eine Rolle spielt, welches „Bakterienpaket“ ihm bei der Geburt mit auf den Weg gegeben wird. So zeigen Studien etwa, dass Kaiserschnitt-Kinder ein um 20 Prozent höheres Risiko haben, an Asthma zu erkranken, als Kinder, die natürlich entbunden wurden. Der Grund dafür ist laut Vermutung von Medizinern, dass das Kind bei der Geburt nicht mit der Vaginalflora der Mutter in Kontakt kommt und so mit einer schlechter ausgestatteten Darmflora ins Leben startet.

Kind nach der Geburt in den Armen der Mutter
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Hausgeburt oder Klinikentbindung: ein Unterschied für die Darmflora?

Um herauszufinden, ob sich bereits die Geburt im Krankenhaus nachteilig auf die Darmflora des Kindes auswirkt, begleiteten Forscher der Rutgers University in New Brunswick (New Jersey) in einer Hausgeburten-Studie 35 Neugeborene und ihre Mütter für einen Monat nach der Geburt. 

14 Kinder kamen per Hausgeburt zur Welt, 21 wurden im Krankenhaus geboren. Alle Kinder kamen natürlich zur Welt und wurden nach der Geburt ausschließlich gestillt – beides Faktoren, die Darmflora und Immunsystem stärken sollen.

 

Vielfältigere Darmflora nach Hausgeburt

Regelmäßig gesammelte Stuhlproben der Babys zeigten: Im gesamten ersten Lebensmonat hatten Babys, die zu Hause geboren waren, eine deutlich vielfältigere Darmflora. Babys, die im Krankenhaus zur Welt kamen, hatten mehr Darmbakterien, die etwa mit einer Kaiserschnittgeburt, Flaschennahrung oder einer Antibiotikabehandlung der Mutter in Verbindung gebracht werden – obwohl keiner dieser Faktoren zutraf.

Die Forscher vermuten, dass die Ursache dieses Unterschieds in der sterilen Umgebung des Krankenhauses liegt. Ob und inwiefern sich die Geburt zu Hause oder im Krankenhaus auf die spätere Gesundheit eines Kindes auswirkt, untersuchten die Forscher nicht – darüber kann die Studie also keine Aussage machen.

Eine Hausgeburt kommt in der Regel nur nach einer risikoarmen und komplikationsfreien Schwangerschaft in Frage – dann ist sie laut Studien nicht sicherer oder unsicherer als die Geburt in einer Klinik.

Quelle:
Combellick, Joan L., et al. (2018): Differences in the fecal microbiota of neonates born at home or in the hospital. In: Scientific reports.

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