Wie Vitamine den Corona-Verlauf beeinflussen können

Daphne Sekertzi

Können Vitamine den Krankheitsverlauf einer Corona-Infektion beeinflussen und sogar eine Infektion verhindern? Seit Beginn der Pandemie wurde eine Vielzahl von Studien zu diesem Thema veröffentlicht, die diese These untermauern. Besonders Vitamin D könnte einen schützenden Effekt haben.

Inhalt
  1. Höheres Corona-Risiko urch Vitamin-D-Mangel
  2. Vitamin A, D und K beeinflussen Krankeheits-Verlauf
  3. Vitamine und Corona: DGE bestätigen Zusammenhang
  4. BfR spricht Empfehlung für Vitamin-D-Gaben aus

Bei der Erforschung von Präventions- und Behandlungsmethoden gegen COVID-19 nehmen Mediziner und Forscher immer wieder Vitamine in den Blick. Wissenschaftlich unumstritten ist, dass Vitamine unerlässlich für ein intaktes Immunsystem sind. Doch haben sie tatsächlich einen so starken Einfluss, dass sie eine Corona-Infektion abmildern oder verhindern können? Die Studienlage lässt einige Schlüsse zu.

 

Höheres Corona-Risiko urch Vitamin-D-Mangel

Für eine normale Funktion der Immunabwehr spielt besonders Vitamin D eine große Rolle. In mehreren Studien wurden Hinweise darauf gefunden, dass sich durch Vitamin D Atemwegsinfektionen vorbeugen lassen. Zusätzlich dazu konnten Wissenschaftler der Universität Kopenhagen bereits vor zehn Jahren beweisen, dass bei einem Vitamin-D-Mangel die Abwehrzellen inaktiv bleiben, wenn Krankheitserreger in den Körper eindringen.   

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Auch gegen Coronaviren soll Vitamin D eine Wirkung zeigen. Immer wieder weisen führende WIssenschaftler und Mediziner darauf hin, dass ein Vitamin-D-Mangel mit einem höheren Corona-Infektionsrisiko und einem schweren Krankheitsverlauf im Zusammenhang stehen könnte.

Eine Fallstudie aus Indonesien liefert dazu die bisher deutlichsten Ergebnisse. Die Studie umfasste 380 Corona-Patienten aus Spanien, Italien und der Schweiz – Länder, in denen die Vitamin-D-Versorgung als mangelhaft gilt. 99 Prozent der Patienten, die einen Vitamin-D-Mangel aufwiesen, starben an COVID-19. Von denen, die keinen derartigen Mangel hatten, waren es nur rund vier Prozent.

Dass Vitamin D möglicherweise einen Einfluss auf den Corona-Krankheitsverlauf hat, lässt sich über eine andere Variable erklären: Übergewicht ist gleichermaßen ein Risikofaktor für Komplikationen und einen Vitamin-D-Mangel. Eine Forscherin der Universität Bristol, Deborah Shoemark, erklärt hierzu: „Vitamin D ist fettlöslich und neigt dazu, sich im Fettgewebe anzureichern. Das kann die Menge an verfügbarem Vitamin D bei Übergewichtigen vermindern“. Das britische Forscherteam möchte nun untersuchen, wie sich die Vermehrung des Coronavirus im Körper durch die Einnahme von Vitamin-Präparaten beeinflussen lässt.

 

Vitamin A, D und K beeinflussen Krankeheits-Verlauf

Eine aktuelle Studie der Universität Bristol (Großbritannien) weist nun darauf hin, dass neben Vitamin D auch die Vitamine A und K vor einer Corona-Infektion schützen könnten. Während Vitamin A unter anderem die Schleimhäute in den Atemwegen stärkt, ist Vitamin K an der Blutgerinnung beteiligt sowie an der sogenannten Fibrinolyse, also der Fähigkeit des Körpers Blutgerinnsel (Thromben) aufzulösen.

Ein Vitamin-K-Mangel kann somit die Entstehung von Thrombosen begünstigen, die zu den häufigsten Komplikationen und Todesursachen von COVID-19 gehören, wie aus einer erst kürzlich veröffentlichten niederländischen Studien hervorgeht.

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Vitamine und Corona: DGE bestätigen Zusammenhang

Ob Vitamine, allen voran Vitamin D, tatsächlich den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung positiv beeinflusst oder sogar vor einer Infektion schützen können, ist noch nicht bewiesen. Ein eindeutiger Kausalzusammenhang lasse sich aus der aktuellen Studienlage nicht ziehen, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) erklärt. Daher könne keine Empfehlung für eine Nahrungsmittelergänzung mit Vitamin-D-Präparaten ausgesprochen werden.

Besonders bei einem normalen Vitamin-D-Gehalt im Blut sei ein Zusatznutzen unklar. Eine Überdosierung (ab 100 Mikrogramm pro Tag) könne zudem gesundheitsschädlich sein und unter anderem zu Nieren- und Herz-Kreislauf-Problemen führen.

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Doch die DGE räumt nach Auswertung aktueller Studien gleichzeitig ein, dass ein Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel und einem erhöhten Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion sowie einem schweren COVID-19-Verlauf besteht.

 

BfR spricht Empfehlung für Vitamin-D-Gaben aus

Auch das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) trägt in seiner neuesten Mitteilung den zahlreichen Studien zur Wirkung von Vitamin D Rechnung und erklärt erstmals: „Es gibt Hinweise darauf, dass ein unzureichender Vitamin D-Serumspiegel mit einem erhöhten Risiko für akute Atemwegsinfekte einhergeht. Dazu gehört auch die Covid-19-Erkrankung."

Weiter heißt es, die Einnahme von Vitamin D könne sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. Die aktuelle Studienlage sei allerdings noch so unsicher, dass sich daraus kein Ursache-Wirkungs-Verhältnis ableiten lasse. Ein Nutzen von regelmäßigen Vitamin-D-Gaben könne sich lediglich für Menschen mit einem Mangel ergeben.

In diesem Zusammenhang spricht das BfR sogar eine Empfehlung aus: „Die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln kann vor allem für Menschen sinnvoll sein, die einer Risikogruppe für eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung angehören." Besonders Ältere und Menschen, die sich wenig oder nur gänzlich bedeckt im Freien bewegen, seien davon betroffen. „Für diese Risikogruppe sollte daher eine generelle Supplementierung mit Vitamin D bis zu 20 Mikrogramm pro Tag erwogen werden", so das BfR. Eine Nahrungsergänzung sollte jedoch immer ärztlich abgeklärt werden.

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Quellen:

Shoemark, Deborah Karen [u.a] (2021): Molecular Simulations suggest Vitamins, Retinoids and Steroids as Ligands of the Free Fatty Acid Pocket of the SARS‐CoV‐2 Spike Protein, in: Wiley Online Library

Dofferhoff, Anton S. M [u.a] (2020): Reduced Vitamin K Status as A Potentially Modifiable Prognostic Risk Factor in COVID-19, in: Preprints

Vitamin-K-Mangel als potenziell modifizierbarer Risikofaktor bei COVID-19, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie.

Vitamin D und COVID-19, in: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.VNutzen von Vitamin D bei Prävention weiter umstritten, in: Ärzteblatt

Vitamin D, das Immunsystem und COVID-19, in: Bundesinstitut für Risikobewertung

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