Hat mein Kind obstruktive Bronchitis?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Eine obstruktive Bronchitis muss mit bronchienerweiternden Mitteln behandelt werden, da die Atmung aufgrund der Schwellung und daraus resultierenden Enge der Atemwege erschwert ist.“ © Fotolia

Der Herbst ist ohne Zweifel eingekehrt und mit ihm nehmen auch die Infekte der oberen Luftwege wieder zu. Überall wird wieder gehustet und sich geräuspert. Aber wann ist die Grenze zur Bronchitis erreicht und was bedeutet eigentlich „obstruktive Bronchitis“? Was macht man, wenn es das Kind erwischt hat?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Eine Bronchitis ist eine Entzündung der größeren Atemwege, also der großen und mittelgroßen Bronchialäste, manchmal auch der Luftröhre. Ausgelöst wird eine Bronchitis durch Bakterien oder Viren. Bei einer bakteriellen Bronchitis ist der Schleim der hochgehustet wird, oft gelblich-grün, bei viralen Infektionen durchsichtig oder weißlich. Das Allgemeinbefinden ist meist eingeschränkt, man fühlt sich insgesamt krank und oft sind nicht nur die Bronchien, sondern auch die oberen Luftwege insgesamt mitbetroffen. Also der Hals kratzt, die Nase läuft und die Ohren sind möglicherweise auch dicht. In der Anfangsphase ist der Husten oft trocken und wird im Laufe der Zeit dann schleimig-feucht. Ein Reizhusten kann sehr quälend werden, insbesondere im Liegen.

 

Obstruktive Bronchitis: Wenn die Atemwege anschwellen

Kommt es infektbedingt zu einem deutlichen Anschwellen der Atemwege, bezeichnen Mediziner das als eine obstruktive Bronchitis. Das Atemgeräusch wird bei der Einatmung dann teilweise pfeifend und in ausgeprägten Fällen kann bei einer obstruktiven Bronchitis auch die Sauerstoffversorgung leiden und unter den Normbereich von 97 bis 100 Prozent fallen, weil nicht mehr genügend Luft in den kleinsten Lungenbläschen ankommt.

 

Obstruktive Bronchitis bei Säuglingen

Bei Säuglingen zeigt sich in schweren Fällen das sogenannte Nasenflügeln (bei der Einatmung bewegen sich die Nasenflügel deutlich sichtbar, die Nasenöffnung vergrößert sich dadurch) und es kommt zu Einziehungen im Bereich der Rippen und unterhalb des Rippenbogens, manchmal sieht man sogar eine bläuliche Färbung der Lippen. In diesen Fällen sollten Sie umgehend ein Kinderkrankenhaus aufsuchen.

Kind inhaliert
Obstruktive Bronchitis: Inhalieren hilft, die Beschwerden zu lindern. Bei Kindern muss die Inhalationstherapie mit einem Arzt besprochen werden, da sonst das Risiko einer falschen Dosierung besteht© Fotolia

Eine obstruktive Bronchitis muss mit bronchienerweiternden Mitteln behandelt werden, da die Atmung aufgrund der Schwellung und daraus resultierenden Enge der Atemwege erschwert ist. Grundsätzlich geht das auch mit Medikamenten zum Schlucken. Besser ist aber, das Präparat zu inhalieren. So kommt der Wirkstoff direkt und nur dort an, wo er gebraucht wird und belastet nicht zusätzlich den restlichen Organismus. Das gleiche gilt für Kortisonpräparate, die bei schweren obstruktiven Bronchitiden oft notwendig sind. Sie unterdrücken die überschießende Entzündungsreaktion der Atemwege und lassen sie etwas abschwellen. Dadurch wird die Atmung erleichtert.

 

Obstruktive Bronchitis:Tipps zum Inhalieren

Ein weiterer positiver Effekt der (Feucht-) Inhalation ist die Befeuchtung der Atemwege, wodurch der Schleim leichter abgehustet werden kann. Nachteil der Feuchtinhalation ist die relativ lange Dauer. Bis alles an Kochsalz und allfälligen Zusätzen inhaliert und in der Lunge angekommen ist, dauert es circa zehn Minuten – für Erwachsene kein Problem. Bei kleinen, ungeduldigen Kindern hingegen möglicherweise schon. Es gibt auch die Möglichkeit, bereits kleine Kinder ein Druckgasinhalat einatmen zu lassen. Die meisten Menschen kennen das im Rahmen der Asthmatherapie. Für kleine Kinder ist dazu noch ein besonderer Aufsatz mit Maske notwendig, der die Inhalation ermöglicht. Nach etwa fünf Atemzügen (das Gerät zeigt jeden Atemzug an) ist der gesamte Wirkstoff inhaliert.

Die Inhalationstherapie, es sei denn, sie wird mit einem Feuchtinhalator und nur mit Kochsalz durchgeführt, gehört in die Hände eines Arztes. Inhalieren Sie mit bronchienerweiternden Mitteln oder auch Kortison nur nach vorheriger Anweisung. Sonst droht eine Überdosierung.

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