Harter Stuhlgang und Verstopfung: Das sollten Sie wissen!

Überbelastung Ursache für Verstopfung sein
Überbelastung kann Ursache für Verstopfung sein: In Stresssituationen schüttet der Körper vermehrt die Hormone Adrenalin und Noradrenalin aus, die die Darmtätigkeit bremsen © Fotolia

Zum Thema Verstopfung kursiert so manches Gerücht: „Verstopfung vergiftet den Körper. Viel trinken hilft bei Verstopfung. Mehr Bewegung – und der Darm wird schon wieder selbst aktiv.“ Was davon stimmt eigentlich? Wir liefern Ihnen Fakten rund ums Thema Verdauung, harter Stuhlgang und Verstopfung, die unseren Wissenschaftstest bestanden haben.

 

Rauch-Stopp kann zu Verstopfung führen

Stimmt. In die Liste der zahlreichen Entzugssymptome bei einer Rauchentwöhnung (Unruhe, verminderte Konzentration, Müdigkeit etc.) reihen sich auch Verdauungsstörungen wie zum Beispiel Verstopfung mit ein, die mitunter mehrere Wochen andauern können. Auch harter Stuhlgang kann eine Folge sein.

 

Harter Stuhlgang und Verstopfung: Wie kommt es dazu?

Erklären lässt sich diese Reaktion durch das fehlende Nikotin im Körper. Denn Nikotin stimuliert den Parasympathikus, einen Teil des Vegetativen Nervensystems, der die Verdauungsfunktionen und -bewegungen steuert. Fehlt diese zusätzliche Stimulation aufgrund des Nikotinentzugs, kann die Verdauung vorübergehend ins Stocken geraten.

 

Stress beeinflusst die Verdauung

Richtig. Denn das Verdauungssystem und die Psyche, das heißt das Gehirn, sind über Nervenbahnen eng miteinander verknüpft. Bei Stress reagiert der Darm daher sehr sensibel. Stressforscher Prof. Dr. Sepp Porta aus Bad Radkersburg bestätigt diesen Zusammenhang: „In Stresssituationen schüttet der Körper vermehrt die Hormone Adrenalin und Noradrenalin aus, die bremsend auf die Darmtätigkeit wirken.

Verstopfung
Harter Stuhlgang und Verstopfung können durch Stress begünstigt werden© Alamy

Bei diesem Mechanismus handelt es sich um eine Art Selbsterhaltungstrieb, weil während Kampf- oder Fluchtmomenten eine Darmentleerung kontraproduktiv wäre. Darum ist Verstopfung auch bei ständigen Belastungen im Alltag keine Seltenheit.“ Auch harter Stuhlgang kann Stress als Ursache haben.

 

Verstopfung führt nicht zur Selbstvergiftung

Stimmt. Die Vorstellung, dass sich gefährliche Giftstoffe bilden, wenn der Stuhl zu lange im Körper bleibt, ist uralt. Sie ist schon in einer ägyptischen Papyrusrolle über Arzneimittelkunde aus dem 16. Jahrhundert v. Chr. zu finden. Eine Selbstvergiftung bei Verstopfung existiert aber nicht und ihre Theorie entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Fakt ist: Aus dem Darm aufgenommene Giftstoffe wurden nie nachgewiesen. Man braucht also nicht beunruhigt zu sein, wenn man nicht täglich auf die Toilette gehen kann.

 

Verstopfung kann durch Nebenwirkungen von Medikamenten verursacht werden

Ja, auf eine ganze Reihe von Medikamenten trifft diese Aussage zu. Typische Arzneimittelgruppen, deren Wirkstoffe häufig eine Verstopfung auslösen oder sie verstärken, sind zum Beispiel Antidepressiva, Antihypertensiva (gegen erhöhten Blutdruck) und Opiate (starke Schmerzmittel).

 

Frauen sind häufiger von Verstopfung betroffen als Männer

Stimmt. Im Vergleich zu Männern leiden Frauen im Alter zwischen 15 und 50 Jahren sogar zwei- bis dreimal so oft an einer unregelmäßigen Verdauung. Eine entscheidende Rolle spielen hierbei vermutlich die weiblichen Hormone. Sie können mitunter nicht nur ein Wechselbad der Gefühle hervorrufen, sondern auch starken Einfluss auf die Darmtätigkeit nehmen. Insbesondere während der typischen Lebensphasen einer Frau – Periode, Schwangerschaft und Wechseljahre – führen die Hormone Regie über das Wohlbefinden und viele körperliche Abläufe, in bestimmten Lebensabschnitten eben auch stärker über die Aktivität des Darms. Auch harter Stuhlgang ist dadurch möglich.

 

Wenn der Darm streikt, leidet die Lebensqualität

Stimmt. Eine aktuelle Studie bestätigt: Menschen, die längerfristig unter Verstopfung leiden, haben im Alltag mit noch ganz anderen – körperlichen und seelischen – Belastungen zu kämpfen: Müdigkeit, Erschöpfung und verminderte Leistungsfähigkeit. Aber auch die fehlende Kraft und Antriebslust für normale Aktivitäten wie einen Spaziergang schränken die Lebensfreude der Betroffenen oftmals erheblich ein.

Verstopfung
Anders als oft angenommen wirkt sich die Einnahme von Wasser über die empfohlene Tagesmenge hinaus nicht weiter auf die Verdauung aus© Fotolia
 

Bei Verstopfung hilft übermäßiges trinken nicht

Richtig. Das ergeben zahlreiche Studien, die ein internationales Expertenteam genauer unter die Lupe genommen hat. „Die verfügbaren Daten lassen nicht darauf schließen, dass sich eine Verstopfung durch eine gesteigerte Flüssigkeitsaufnahme – über die empfohlene Tagesmenge von 1,5 Litern hinaus – relevant beeinflussen, geschweige denn erfolgreich behandeln lässt“, resümiert Prof. Dr. Müller-Lissner, Chefarzt an der Berliner Park-Klinik Weißensee. Nur bei einem echten Flüssigkeitsmangel ist mehr trinken – um eine Grundversorgung mit Wasser sicherzustellen – eine geeignete Maßnahme.

 

Diabetiker leiden häufig unter Verstopfung

Stimmt. „Bis zu 60 Prozent der Patienten mit Diabetes mellitus leiden unter Verstopfung“, bestätigt Prof. Dr. med. Rossol, Chefarzt der Medizinischen Klinik am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt am Main. Der Grund: Häufig führen eine lange Erkrankungsdauer oder Unterzuckerungen aufgrund einer schlechten Diabeteseinstellung zur gastrointestinalen Neuropathie, wodurch die Funktion des Verdauungstraktes erheblich gestört wird. Es kommt zur so genannten Slow-Transit-Obstipation. „Diese Form der Verstopfung sollte idealerweise mit Macrogolen, Bisacodyl oder Natriumpicosulfat behandelt werden“, empfiehlt Prof. Rossol.

 

Im Alter ist Darmträgheit keine Seltenheit

Stimmt. Und dafür gibt es gleich mehrere mögliche Gründe. Im Alter laufen grundsätzlich viele Körperfunktionen langsamer ab, so auch die Verdauung. Denn der Darm ist ein Muskel, der wie andere Muskeln auch mit den Jahren an Leistungsfähigkeit verliert – eine träge Verdauung und harter Stuhlgang können die Folge sein. Auch bewegen sich ältere Menschen oft nicht mehr ausreichend und trinken zu wenig. Zudem sind sie häufig auf bestimmte Medikamente angewiesen, deren Einnahme als Nebenwirkung eine Verstopfung hervorrufen kann. Bei Verdauungsbeschwerden im Alter ist es daher ratsam sich vom Arzt oder Apotheker informieren und beraten zu lassen, welche Maßnahmen geeignet sind, um die Verdauung zu regulieren.

 

Bewegung bringt den Darm nicht immer in Schwung

Stimmt. Nicht immer und bei jedem hilft eine gesteigerte körperliche Aktivität auch dem Darm auf die Sprünge. Es muss differenziert werden: Bei Personen mit leichten Verstopfungsbeschwerden oder bei älteren Menschen, bei denen ein echter Bewegungsmangel vorliegt, kann körperliche Tätigkeit durchaus hilfreich sein.
„Aber es gibt keinen Beweis dafür, dass auch eine schwerere Verstopfung dadurch gebessert wird“, so Prof. Dr. med. Stefan Müller-Lissner von der Park-Klinik Weißensee. Und weiter erklärt er: „Bei normaler, regelmäßiger körperlicher Aktivität ist ein Bewegungsmangel als Ursache einer Verstopfung eher auszuschließen.

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