Hannelore Kraft: Seit ich Brot weglasse, bin ich wieder fit

Hannelore Kraft
Hannelore Kraft leidet an Zöliakie – so wie jeder 250. Mensch in Deutschland © Corbis

Mehrere Jahre lang fühlte sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft unwohl: Sie wurde immer schwächer und müder – und immer dünner.

Kein Arzt fand heraus, was mit ihr los war. Tests ergaben, dass Kraft zu wenig Eisen im Blut hatte. Die Mediziner schoben das auf den Dauerstress der Spitzenpolitikerin und verschrieben Eisenpräparate. Doch ihr Zustand verschlimmerte sich weiter. Also beschloss Hannelore Kraft, den Beschwerden selbst auf den Grund zu gehen. Bei ihrer Suche stieß sie auf die Seiten der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft im Internet. Dort wurden die Symptome der Krankheit beschrieben – und Hannelore Kraft erkannte gleich: "Das habe ich also: Ich vertrage kein Gluten!“

 

Was ist Zöliakie?

Die sogenannte Zöliakie ist eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut, die auf einer Unverträglichkeit des Kleber-Eiweißes Gluten beruht. Das Eiweiß kommt vor allem in den Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Dinkel vor – und ist für Gesunde vollkommen unbedenklich. Doch etwa jeder 250. Mensch in Deutschland verträgt es nicht. Viele Betroffene ahnen zunächst nicht, dass glutenhaltige Nahrungsmittel ihnen schaden, und nehmen weiterhin Lebensmittel mit dem Eiweiß zu sich. Das führt zu einer Entzündung im Dünndarm: "Dadurch verflachen nach und nach die sogenannte Zotten, die normalerweise die Nährstoffe aus dem Essen aufnehmen", erklärt Zöliakie-Expertin Dr. Stephanie Baas. "Schließlich verschwinden die Zotten ganz, deshalb kann der Darm keine Nahrung mehr verwerten."

 

Wie spüre ich die Unverträglichkeit?

"Typische Symptome sind Durchfall, Übelkeit und ein Blähbauch", sagt Dr. Baas. "Und weil der Körper nicht mehr genügend Nährstoffe aufnimmt, verlieren Erwachsene häufig an Gewicht, bei Kindern kommt es zu Wachstumsstörungen." Bei fast 90 Prozent der Betroffenen äußert sich die Krankheit allerdings durch weniger eindeutige Anzeichen, weiß die Expertin: "Unspezifische Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit oder depressive Verstimmungen können ebenso auf eine Glutenunverträglichkeit hindeuten wie ein Eisenmangel." Bei Verdacht testet der Arzt das Blut auf Zöliakie-Antikörper und macht eine Magen- und Zwölffingerdarmspiegelung, um Veränderungen an der Schleimhaut zu erkennen . "Für eine sichere Diagnose werden gleich mehrere Gewebeproben aus dem Dünndarm entnommen", sagt Dr. Baas.

 

Was sind die Ursachen von Glutenunverträglichkeit?

Die Krankheit kann in jedem Alter auftreten. "Es gibt Kinder, die bereits auf den allerersten Getreidebrei mit einer Unverträglichkeit reagieren, viele Menschen erkranken aber auch plötzlich mit 20, 40 oder 60 Jahren." Es wird vermutet, dass ein genetischer Defekt die Ursache ist. "Bleibt Zöliakie unentdeckt, kann sie Folgeerkrankungen wie Osteoporose, in seltenen Fällen auch Darmtumore nach sich ziehen", sagt die Expertin.

 

Wie kann ich mich ernähren?

Bei einer Unverträglichkeit hilft nur der lebenslange Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel. Hannelore Kraft isst deshalb Brot und Kuchen aus Buchweizen-, Kastanien- oder Maismehl. In ihrer Landtagskantine bieten die Köche jetzt auch glutenfreie Mittagessen an. "Seit ich die Gluten-Diät beachte, geht es mir richtig super", sagt die Politikerin.

 

Video: Zöliakie
 

Garantiert glutenfrei:

 

Zum Backen

Glutenfreies Mehl gibt es aus Reis, Mais, Kokos, Kartoffeln, Hirse und glutenfreier Weizenstärke. Hersteller sind z. B. Dr. Schär oder Hammermühle. Bindemittel ohne Gluten: Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl, Pfeilwurzelstärke.

 

Zum Essen

Fast alle naturbelassenen Lebensmittel wie frisches Obst und Gemüse, Milch, Quark und Käse, Fisch, Fleisch, Nüsse und Hülsenfrüchte sind glutenfrei. Spezielle Produkte sind mit dem Glutenfrei-Symbol der DZG gekennzeichnet.

 

Gut zu wissen

Gluten ist ein natürliches Eiweiß – als Zusatz wird es industriell gefertigten Produkten beigefügt.

 

Nur eine strenge Diät hilft

Diese Getreidesorten, aus denen Brot und Nudeln hergestellt werden, enthalten von Natur aus Gluten: Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer. Aber Vorsicht: Das Kleber-Eiweiß wird auch zur Herstellung von Lebensmitteln wie Fruchtjoghurt, Schokolade, Wurst, Pizza und anderen Fertiggerichten verwendet. In Aromen, Verdickungsmitteln und Stabilisatoren steckt ebenfalls Gluten.

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